Nachlese

Das Schweigen des Kardinals

24. November 2010, 17:52
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    foto: apa/roland schlager

    Erst der Druck der Öffentlichkeit hat Kardinal Christoph Schönborn zum Handeln bewegt. Jahrelang war man in Zusammenhang mit den kirchlichen Missbrauchsfällen um Stillschweigen bemüht.

Der Wiener Erzbischof Schönborn sei über die Missbrauchsfällen informiert gewesen, sagt ein ehemaliges Mitglied der Ombudsstelle

Was hat der Wiener Erzbischof von den Missbrauchsfällen gewusst? "Er war stets informiert", sagt ein ehemaliges Mitglied der Ombudsstelle . Eine Studie liefert nun erstmals Zahlen zu den Schattenseiten der Kirche.

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Wien - "Er war stets informiert und hatte immer alle Fälle auf dem Schreibtisch" - Holger Eich, Psychologe und ehemaliges Mitglied der Opferschutzkommission der Erzdiözese Wien, erhebt jetzt im Zusammenhang mit Missbrauchfällen in der Kirche schwere Vorwürfe gegen Kardinal Christoph Schönborn. Auch von vielen der im heuer öffentlich gewordenen Fälle habe der Kardinal "mit Sicherheit" gewusst. Eich: "Natürlich ist man nicht ganz untätig gewesen und hat in verschiedenen Fällen Therapien gezahlt. Aber in zahlreichen Fällen ist halt gar nichts passiert - Schönborn ist immer informiert, aber letztlich eben entscheidungsschwach gewesen. Es war ihm einfach unangenehm, Konsequenzen zu ziehen."

Eine Weisung, Missbrauchsfälle zu vertuschen, habe es aber nie gegeben: "Obwohl man natürlich nie Transparenz wollte." Die Ombudsstellen seien generell ein "zahnloses Element". Eich: "Die Opfer reden mit der Ombudsstelle, diese leitet an den Bischof eine Empfehlung weiter. Der Bischof wird von einer Diözesankommission beraten. Mit den Opfern gibt es keinen Kontakt mehr. Das ist, wie wenn ein Richter nicht mit dem Opfer redet, den Täter aber kennt." Daran habe sich auch durch den jüngsten Beschluss der Bischöfe, die Ombudsstellen besser zu vernetzen, "rein gar nichts geändert".

Zum ersten Mal seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche gibt es nun auch eine detaillierte Studie zu Tätern und Opfern. Die unabhängige "Hotline für Betroffene kirchlicher Gewalt" hat die Berichte von 325 Betroffenen ausgewertet und am Mittwoch Bilanz gezogen. "Es scheint, dass gerade die geweihten Priester das größte Gefahrenpotenzial für Kinder darstellen. Und die Kirche scheint die einzige Institution in Österreich zu sein, in der Kinderschänder eine Jobgarantie haben", zieht der Psychologe Philipp Schwärzler, Verfasser des Berichts, ein ernüchterndes Resümee.

Schweigen oder Prügel

Laut Studie sind etwa die Mehrheit der Täter geweihte Priester, konkret 264 von 422 ( 63 Prozent). Zusammengefasst sind dabei die Welt- und Ordenspriester. Die häufigsten Tatorte mit 55,8 Prozent waren katholische Internate und Heime. "Dort waren die Kinder den Tätern besonders ausgeliefert. Häufig handelte es sich um Kinder aus sozial schwachen Schichten. Wenn ein Kind sich seinen Eltern anvertraute, bezog es meist Prügel von diesen oder auch von den Kirchenvertretern und wurde so zum Schweigen gebracht", erläutert Schwärzler.

Vom Zeitpunkt her betreffen mit 59,7 Prozent die meisten Fälle die 60er- und 70er-Jahre, 18 Betroffene wurden innerhalb der letzten 20 Jahre misshandelt. Die Mehrzahl der Betroffenen (43,3 Prozent) gibt an, dass sich die Misshandlungen über zwei bis fünf Jahre erstreckten. 17,6 Prozent der Mädchen nannten einen Handlungszeitraum von acht Jahren oder länger, neun Prozent der Buben wurden acht Jahre oder länger misshandelt. Zwölf Prozent der Anrufer waren zu Beginn der Übergriffe sechs Jahre oder jünger.

Der Großteil der Misshandlungen (79,5 Prozent) ereignete sich zwischen dem siebenten und dem 14. Lebensjahr. Schwärzler: "Die vergleichende Darstellung des Alters bei Buben und Mädchen zeigt, dass die Mädchen zwischen dem sechsten und achten Lebensjahr besonders gefährdet schienen, Opfer von Gewalt zu werden, während dies bei den Buben zwischen dem zehnten und zwölftem Lebensjahr der Fall war."

Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich mit gesamt 73 Meldungen bei der Plattform Opfer kirchlicher Gewalt an der Spitze. Dicht gefolgt von Wien mit 72 und Niederösterreich mit 68 Meldungen. Konkrete Ursachen für den Missbrauch sieht der Psychologe vor allem in der "grundsätzlichen Haltung" der katholischen Kirche zur Sexualität. Diese sei "per se eine Basis für Perversion". Als Grund für Gewalt ortet Schwärzler den Ausschluss der Frauen von Leitungsfunktionen in der Kirche. Diese wären nämlich ein Korrektiv zur männerdominierten Gewalt. Die autoritäre Grundstruktur der Kirche habe das bisherige Vertuschen möglich gemacht. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 25. November 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 103
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lobihufos
 
05
28.11.2010, 11:01
ein Heuchler

ich kann mich noch gut erinnern, wie Schönborn auf die Mißbrauchsvorwürfe gegen Groer reagiert hat: Er hat den Mißbrauchten attackiert!

Deus Ex Coquina
01
26.11.2010, 23:45

Intra eccelisam nulla salus!

Ann Ecker
00
18.4.2011, 19:24
Latein nichtgenügend! Setzen!

Das Originalzitat, auf das Du Bezug nehmen möchtest, heisst "Extra ecclesiam salus nulla". Abgesehen von den sonstigen Schnitzern müsste es bei Dir "in ecclesia" heissen ...
Empfehlung: Wenn du mit Latein angeben willst, solltest du Dir erst mal ein paar Grundbegriffe aneignen! Mit so fehlerhaftem Schmarrn machst du eine klägliche Figur als "Deus". Wärst dann eher vermis, vermis potius, vermis ex latrina!
Ad propositum: Gezeichnete Bilder von Bischöfen und Kardinälen, K. König: >> http://zeichenblogger.blogspot.com/search?up... esults=12;

p-hammer
11
26.11.2010, 15:26
Ein handwerklich miserabler Artikel

Wäre es bitte möglich, bei einem so wichtigen Thema, die Zahlen halbwegs sauber zu trennen?!
Hier werden sexueller Missbrauch und (geringe) körperliche Gewalt irgendwie durcheinandergemischt - so kann man sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen. Das hat auch keinensachlichen Zusammenhang.

Prügel sind schlimm, waren aber in den 60er und 70er Jahren noch ein weit verbreitetes Erziehungsmittel.

Weiters - Zitat:
Vom Zeitpunkt her betreffen mit 59,7 Prozent die meisten Fälle die 60er- und 70er-Jahre, 18 Betroffene wurden innerhalb der letzten 20 Jahre misshandelt.

18 Fälle seit 1990 - ein Misshandlungsfall pro Jahr; das wird wohl in jeder größeren Organisation (Schulen, Sportvereine jeweils bundesweit) vorkommen.

AlternativMeinung
03
26.11.2010, 11:23
achtung

der Kardinal ist ein Wolf im Schafspelz !!!
passt auf! lasst euch von seinem freundlichen und gütigem Gesichtsausdruck nicht täuschen.
er ist ein Pharisäer, der gerne in der ersten Reihe sitzt aber in den Augen Jesu ist er ein getünchtes Grab.

Deus Ex Coquina
10
26.11.2010, 19:27

Jesus? Der lebt noch?

Johannes St.
 
00
25.11.2010, 22:42
warum wundert das niemand - eure Scheinheiligkeit?

Jürgen Rembremerding
00
25.11.2010, 18:04
Der Schönborn ist eh ein Abweichler:

http://www.civitas-institut.de/index.php... &Itemid=33

"Zur „Rettung der Kirche“ fordern die modernistischen Extremisten: Reaktivierung suspendierter Priester, Abschaffung des Zölibats, Diakonenweihe von Frauen, „Viri probati“ und Gemeindeleitung durch Laien.



Ihr Fürsprecher, Kardinal Christoph Schönborn, hat diese Forderungen als Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz im Juni im Vatikan eingereicht. Und nun sind die Damen und Herren ganz böse, weil der Vatikan ihre Forderungen nicht sofort erfüllt hat, ja, nicht einmal darauf geantwortet hat."

Dr.Reinhold Lautner
52
25.11.2010, 17:33
Na bitte

Was soll das überhaupt sein?
Eine Organisation (ein Konzern=Kirche),die Liebe lehrt,und sich wie unsere Politiker an rein gar nichts hält.
Ich will ja gar nicht die unter den Tisch gekehrten Sachen wissen.
Das sie alle schwul sein müssen (Priester)versteh ich ja noch,aber das sie gegen die Kinder sexuell vorgehen,dafür gehört ihnen Schariamäßig alles abgeschnitten,weil dann passiert wenigstens nichts mehr.
Die Mitwisser gehören genauso bestraft!
Leider ist die ganze Obrigkeit senil,da kann man nicht einmal mehr einen Vorwurf machen,weil die eh schon alles vergessen haben.(ausser es gibt Wunder und man ist mit über 80 noch nicht zumindest teildement)
Na ja,insgesamt gratuliere Jesus Christus!

Slatin Pascha
00
25.11.2010, 19:08
mit über 80 noch nicht zumindest teildement

Vor Jahren lernte ich Eugen Kogon (Publizist, Soziologe und Politikwissenschaftler) kennen. Er verbracht fast das gesamte Dritte Reich in KZ.
Mit 83 Jahren ging er am Stock aber der Kopf war voll in Ordnung.
Mir sind auch einige Personen bekannt die einen 80ziger am Buckel haben und sich völliger geistiger Gesundheit erfreuen.
Das man generell über 80 schon blöd ist kann man nicht sagen.

Chien de Pique
02
25.11.2010, 18:54

"Schariamäßig" könnten die einfach kleine Mädchen heiraten. Mit Buben ginge es allerdings nicht.

H1
32
25.11.2010, 16:30

Ich mag den Kardinal trotzdem!

Der groBe Mann
00
25.11.2010, 17:52
aber ja doch -- wir haben doch keine Vorurteile!

as keksal
03
25.11.2010, 16:23

vertuschen = mittäterschaft!..und 'heiteres' weitermachen der, nicht zur rechenschaft gezogenen, mistkerle.

EauRouge
82
25.11.2010, 14:23
Deus Ex Coquina
02
26.11.2010, 19:33

Soweit es Märchen betrifft, bleibe ich lieber bei den Originalen der Gebrüder Grimm!

leo lander
13
25.11.2010, 16:05
Sch.sbuch: Wik.vorlage für religiöse Eiferer

EauRouge
00
26.11.2010, 11:14

Es ist zumindest näher am christlichen Glauben als der ganze rot/lila/schwarze Trachentverein.

Gilgamesch
17
25.11.2010, 13:25

eine vernichtende studie.
würde eine andere institution als die kath. kirche so agieren, würde sie sofort geschlossen, oder zumindest der kontakt zu kindern verunmöglicht werden.
aber die kirche zahlt ein paar tausend euro, sagt ein avemaria auf und weiter gehts ... - eine skandalöse amnestie und sonderbehandlung. wäre die kirche die moralische institution für die sie sich hält, würde sie sich freiwillig abschaffen. amen!

Chien de Pique
01
25.11.2010, 19:04

Jemand anderer als die Kirche würde bei verjährten Fällen, oft mit verstorbenen Tätern - und um solche geht es hier zu einem Großteil (60er, 70er) - überhaupt nichts zahlen, und passieren würde ihm auch nichts. Es wurden da auch genug Kinder in staatlichen Heimen missbraucht, keine Angst, von Jugendgefängnissen, psychiatrischen Kliniken, Behinderteneinrichtungen usw. ganz zu schweigen. Über diese Fälle wird praktisch nicht einmal geredet.

Chien de Pique
00
25.11.2010, 19:01

Was ist das Vernichtende? Dass ein Großteil der im kirchlichen Bereich (und nur um den geht es in der Statistik) Missbrauchten durch Priester missbraucht wurde und nicht den Gärtner oder die Köchin, ist so wenig überraschend, wie ein Ergebnis, dass der Großteil der im eigenen Kinderzimmer Missbrauchten durch den Vater oder Stiefvater missbraucht wurde und nicht den Lehrer.
Wer käme denn noch in Frage? Wer hat denselben privilegierten Zugang und eine vergleichbare Vetrauensstellung?
Was für Männer außer Geistliche sind Tag und Nacht in Kirche, Pfarrhaus und Kloster zugange?

Peterk K
33
25.11.2010, 16:40
Unsinn

Es ist noch keine einzige staatliche Schule, kein einziger Sport- und Jugendverein oder irgend eine Institution, wo solches vorkam, geschlossen worden, noch hat sich ein Staat deswegen aufgelöst. Ihre Forderung ist hanebüchener Unsinn!

robert rittersmann
02
25.11.2010, 14:36

hätte sich dann schon vor Jahrhunderten abschaffen müssen. Aber keine Angst es wurde uns eine komplette Aufklärung über alle unsere Kirchen zugesagt.

ScroogeMcDuck
07
25.11.2010, 09:58

informiert oder eher involviert?

Quasis Herr Karl
12
25.11.2010, 09:43
Ich vermisse die Klarstellungen des Kardinalsprechers

Leitenberger, ist ihm nichts eingefallen ?

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