Mit dem Pleitegeier vertraut

24. November 2010, 17:28
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Die Geschichte der Austrian Energy & Environment ist wechselvoll

Wien - Für viele Gläubigerbanken kam die Pleite von A-Tec und ihrer Tochter Austrian Energy & Environment (AE&E) sicher nicht überraschend. Sie hatten den Zirkus um die gescheiterte Refinanzierung der im Oktober fälligen A-Tec-Anleihe im Sommer verfolgt.

Und sie wussten: Wenn sie der von Mirko Kovats aufgebauten und geführten Industriegruppe mit insgesamt 2,2 Milliarden Euro an Haftungen und Verbindlichkeiten (davon rund eine Milliarde entfällt auf AE&E) den Geldhahn zudrehen, kollabiert der Konzern.

Für A-Tec-Aktionäre, Anleihegläubiger und Lieferanten war die AE&E-Pleite freilich nicht vorhersehbar. Denn zwar waren Millionenverluste aus Kraftwerksprojekten in Australien gemeldet worden. Noch am 28. Oktober, also eine Woche nach Anmeldung der A-Tec-Insolvenz, hatte A-Tec allerdings verkündet, dass sich "AE&E am Markt behauptet, im vierten Quartal eine positive Projektentwicklung erkennbar ist, drei Millionenaufträge unterzeichnet worden sind und weitere im Volumen von 340 Millionen Euro kurz vor Abschluss" seien. Für 2011 und 2012 waren Vorverträge im Gesamtwert von 400 Mio. Euro in der Pipeline.

Der am Mittwoch angekündigte Gang zum Konkursrichter liest sich deutlich anders: "Aufgrund von Überschuldung und fehlender positiver Fortbestandsprognose stellte die Geschäftsführung der AE&E Group GmbH .. . einen Sanierungsplanantrag ohne Eigenverwaltung." Schuld sei "allen voran das Projekt Worsley in Australien, aber auch der sehr schwache Auftragseingang der Gruppe in den vergangenen Quartalen".

Neu ist der Umgang mit dem Pleitegeier für die Austrian Energy übrigens nicht. Anfang der neunziger Jahre aus Teilen von Simmering Graz Pauker (SGP) und Waagner-Birò unter dem Dach des verstaatlichten Anlagenbauerkonzerns VA Technologie AG zur Austrian Energy zusammengebaut, verursachte AE&E bei VA Tech fast immer Sorgen.

1998 verkaufte die aufgrund der Asienkrise ihrerseits in Finanznöte geratene VATech das finanzintensive Geschäft mit Gaskraftwerken, Wirbelschichtkesseln und Müllverbrennungsanlagen an die deutsche Babcock-Borsig-Gruppe. Die schlitterte 2002 ihrerseits in die Insolvenz und wurde filetiert. Aus der Konkursmasse kaufte dann ein gewisser Mirko Kovats die Austrian Energy heraus, um sie mit der zwei Jahre zuvor von der damaligen Pleiteholding GBI erworbenen Austria Antriebstechnik (ATB) zusammenzuspannen. Das dritte Standbein des aufstrebenden Investors Kovats, der 2004 mit seinem Einstieg bei der VATech für Furore sorgte, war die Werkzeugschmiede Emco in Salzburg.

Die damals angestrebte Einbringung der AE&E in die VATech gelang Kovats nicht, wohl aber der Verkauf seiner VATech-Aktien an Siemens und damit die Zerschlagung des teilverstaatlichten Konzerns. (ung, DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2010)

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