Ein bisschen Erleuchtung für Fünfhaus

24. November 2010, 18:15
56 Postings

Der größte buddhistische Tempel Österreichs eröffnet mit Fünf-Tonnen-Buddha, Yoga und Kochkursen

Wien - "Einige Leute sind gekommen und haben gefragt, was wir eigentlich verkaufen", sagt Miao Shiang und lacht. Den größten buddhistischen Tempel Österreichs als Nachbarn zu haben, wäre wohl nicht nur in der Sechshauser Straße 50 im 15. Bezirk ungewöhnlich. Zum Tag der offenen Tür, der eigens für die Anrainer im Grätzel abgehalten wurde, seien Ende Oktober 200 Leute gekommen, erzählt die Nonne mit dem kahlgeschorenen Kopf und der bodenlangen ockerfarbenen Robe. Schließlich hatten etliche zugeschaut, wie die zwei Meter hohe und fünf Tonnen schwere Buddhastatue aus weißer Jade mit einem Spezialkran übers Dach in die Schreinhalle gehoben wurde.

Zwei Nonnen leben derzeit ständig in Wien, am Sonntag wird das Zentrum eingeweiht. Miao Shiang ist die europäische Vize-Äbtissin des Fo-Guang-Shan-Ordens, der 1967 in Taiwan gegründet wurde. Der Orden ist Mitglied der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft. Fo Guang Shan ("Berg des Buddha-Lichts") lehrt einen "humanistischen Buddhismus": Der Orden, der weltweit eine Million Mitglieder hat, betreibt soziale Einrichtungen, Spitäler, Altersheime, Kindergärten, Universitäten, aber auch eine TV-Station und einen Verlag.

In Österreich gibt es derzeit 200 Ordensmitglieder, die meisten sind Laien. Miao Shiang hat in den vergangenen zehn Jahren im Berliner Tempel gelebt. Daheim in Taiwan hat sie in einer Import-Export-Firma gearbeitet, bis sie vor 15 Jahren Nonne wurde.

Offener Tempel

Der Tempel soll künftig allen offenstehen. Es gibt bereits eine Kooperation mit einer Volkshochschule, im buddhistischen Zentrum wird es Chinesisch- und Kochkurse ebenso geben wie Yoga- und Tai-Chi-Stunden. Auch Management-Seminare sind geplant. Der laufende Betrieb muss vom Zentrum selbst finanziert werden.

Entworfen wurde das Gebäude an der Ecke Sechshauser Straße / Reindorfgasse von einem taiwanesischen Architekturbüro, umgesetzt und an die österreichischen Bauvorschriften angepasst wurde der Entwurf von "HOPPE Architekten". "Außergewöhnlich war sicher, dass bei allen Bauabschnitten die Nonnen selbst und nicht ein technischer Vertreter unsere Gesprächspartnerinnen waren", sagt Thomas Hoppe.

Die 1380 Quadratmeter Nutzfläche erstrecken sich über fünf Etagen. Der Schreinraum bildet das Zentrum. Daneben gibt es noch einen Meditationsraum, Seminarräume, eine Bibliothek, eine Gedächtnishalle, einen Teeladen, eine Großküche und Zimmer für Besucher.

Auf die Frage, wie viel die Errichtung gekostet hat, gibt es schließlich eine buddhistische Antwort: Der Orden habe das Geld lediglich gesammelt und die Spender wollen nicht, dass eine Summe genannt wird. (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD, Printausgabe, 25. November 2010)

>>> Ansichtssache: Jeder kann Buddha sein

Wissen: 20.000 folgen Buddha

Laut der Buddhistischen Religionsgesellschaft bekennen sich in Österreich rund 20.000 Menschen zum Buddhismus. Die hierzulande vertretenen Richtungen sind der Theravada-, der Mahayana- und der Vajrayana-Buddhismus.

1983 hat Österreich den Buddhismus als erstes europäisches Land offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt, nach dem alle buddhistischen Traditionen unter der Dachorganisation vereint worden waren.

Buddhistischer Religionsunterricht wird in allen Schulstufen angeboten, Schüler und Schülerinnen können auch in Buddhismus maturieren. (fern)

  • Miao Shiang vor dem Tempel in der Sechshauser Straße.
    foto: der standard/andy urban

    Miao Shiang vor dem Tempel in der Sechshauser Straße.

  • Die Buddhastatue im Schreinraum ist aus weißer Jade und stammt aus 
Burma. Sie musste mit einem Spezialkran ins Gebäude gehoben werden.
    foto: derstandard.at/daniela neubacher

    Die Buddhastatue im Schreinraum ist aus weißer Jade und stammt aus Burma. Sie musste mit einem Spezialkran ins Gebäude gehoben werden.

Share if you care.