Kunsthaus Graz: Der Roboter, dein Freund und Helfer

24. November 2010, 17:17
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STANDARD-Debatte zu Künstlicher Intelligenz

Graz - "Intelligenz ist das, was der Intelligenztest misst. Aber eigentlich weiß niemand genau, was es ist", sagte Ulrich Furbach, Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität Koblenz-Landau. Er war, neben dem Künstler Niki Passath und der Leiterin der AVL Cultural Foundation, Kathryn List, Gast beim Kunsthaus-Jour-fixe, bei dem man mit Standard-Kulturchefin Andrea Schurian Gelebte Utopien erörterte.

Anlässlich der Kunsthaus-Ausstellung Roboterträume unterhielt man sich vor allem über Sinn und Segen Künstlicher Intelligenz (KI). Robotikspezialist Passath kam nicht allein, sondern ließ Tierchen seiner Robotergruppe Zoe, die in der Ausstellung gezeigt werden, durchs Publikum laufen. Schurian stellte dem Podium die Frage, ob dort, wo Robotik und Kunst zusammentreffen, "die Kunst eher immer hinterherhinkt, während hier die Wissenschaft die Avantgarde darstellt". Passath, der vor seinem Studium der Digitalen Kunst eine Ausbildung als Musiker absolviert hatte, argumentierte, dass Virtuosität erst in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine entstehe.

Während seine spinnenartigen Roboter nur vorwärts und rückwärts laufen können und vor allem mit den Emotionen des Betrachters spielen, können andere bereits in ihren - begrenzten Bereichen - Entscheidungen treffen. Trotzdem, so hielt Furbach fest, sei KI längst nicht so unzerstörbar und damit bedrohlich wie in Science-Fiction-Filmen.

Bereits 1956 beschäftigte sich die Dartmouth Conference mit KI. Seine Kollegen hätten sich in den 1950er-Jahren maßlos überschätzt. Als Beispiel nannte er Sprachverständnisprogramme: "Lesen Sie eine Gebrauchsanweisung, die von einem Computerprogramm aus dem Chinesischen übersetzt wurde, und Sie wissen, wo wir stehen", so Furbach.

Vor der "schaurigen Vision" (Schurian) einer Welt, in der menschliche Intelligenz aus der Biomasse Gehirn ausgelagert und der Mensch damit unsterblich, aber von Maschinen beherrscht wird, brauche man sich nicht fürchten: "Was ist so schlimm, wenn der Mensch nicht das Maß aller Dinge ist? Sie steigen auch in ein Auto oder Flugzeug. Da sind viele intelligente Systeme drinnen." Die Ablehnung von Robotern sei Merkmal unserer christlich-abendländischen Gesellschaft: "Man soll keine Götzenbilder haben und es nicht Gott gleichtun." Anders in Japan: Anhänger des Schintoismus glauben, "dass auch Dinge eine Seele besitzen".

Auch Kathryn List hat die Maschine bisher als Freund kennengelernt. Es sei jedoch "wichtig, dass die Technologie den Menschen unterstützt und nicht umgekehrt". (Colette M. Schmidt/ DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2010)

 

  • Niki Passath, Ulrich Furbach, Kathryn List und Andrea Schurian (v. li.) über Sinn und Segen Künstlicher Intelligenz.
    foto: : umj / n. lackner

    Niki Passath, Ulrich Furbach, Kathryn List und Andrea Schurian (v. li.) über Sinn und Segen Künstlicher Intelligenz.

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