Studenten demonstrieren im ganzen Land

25. November 2010, 15:29
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Schiefer Turm von Pisa und Kolosseum belagert - Verletzte bei Ausschreitungen

Rom - Mit Demonstrationen, Sit-ins und Protestzügen haben Studenten und Schüler in ganz Italien gegen die Universitätsreform der Regierung Berlusconi demonstriert. Vom Norden- bis Süden des Landes gingen am Donnerstag Tausende Studenten, Wissenschaftler und Hochschullehrer auf die Straße. Zu gewaltsamen Protesten kam es dabei in Florenz und in Mailand. Die Polizei griff ein, um die Studenten vom Eingang der Florentiner Universität zu verdrängen, dabei wurden sechs Studenten und ein Polizist verletzt. Zu Ausschreitungen kam es auch in Mailand, wo zwei Personen verletzt wurden.

In Pisa lösten sich einige Dutzende Menschen von einem großen Protestzug und stürmten vor verblüfften Touristen den Schiefen Turm von Pisa. Von der Spitze des Turms aus wurde ein Spruchband mit dem Slogan "Nein zur Universitätsreform" ausgerollt. Tausende Studenten demonstrierten in Rom. Mehrere Demonstranten drangen ins Kolosseum ein, rollten Slogans gegen die Reform aus und warfen rote Rauchbomben. "Wir sind die wahren Löwen!", war auf einem Transparent zu lesen.

Niederlage bei Abstimmung

Die Studenten demonstrierten auch vor der Abgeordnetenkammer, in der die Universitätsreform diskutiert wird. Die gespaltene Regierungskoalition um Ministerpräsident Silvio Berlusconi stößt im Parlament auf zunehmende Schwierigkeiten mit der Reform. Bei einem Votum über einige Artikel der Reform erlitt die Regierung Berlusconi eine Niederlage, da die Rechtsfraktion um den Präsidenten der Abgeordnetenkammer Gianfranco Fini mit der Opposition stimmte. Dabei hatte Regierungschef Silvio Berlusconi gehofft, noch am heutigen Donnerstag die Reform in der Abgeordnetenkammer durchzubringen.

Unterrichtsministerin Maria Stella Gelmini, Verfasserin der umstrittenen Reform, drohte, ihren Gesetzesentwurf zurückzuziehen, sollte er im Parlament unter dem Druck der Opposition zu stark geändert werden. Sie kritisierte die Massendemonstrationen der Studenten scharf. Der Protest sei "absolut inakzeptabel". Sie seien von der Opposition manipuliert, klagte sie. Die Regierung Berlusconi habe eine Milliarde Euro für die Reform zur Verfügung gestellt. Dieses Geld sei wichtig, um Italiens Universitätssystem zu modernisieren.

Die Reform zielt auf die Umgestaltung des Universitätssystems ab. Vor allem solle die Verwaltung der Universitäten neugestaltet werden. Geplant ist zudem die Einführung neuer Auswahlkriterien für Professoren und Forscher. Auch über Fonds für die besten Studenten werde nachgedacht.

Die Reform sieht vor allem aber beträchtliche Einsparungen im Universitätsbereich vor. Im Reformpaket heißt es, dass fünf Professoren, die pensioniert werden, jeweils nur durch eine Person ersetzt werden sollen. Geplant ist zudem eine radikale Änderung des Auswahlverfahrens für Professorenstellen und strenge Auflagen für Hochschulen mit Budgetdefiziten.

Universitäten sollen künftig eigene Manager für den Finanzbereich bekommen. In der Reform ist auch das Prinzip der Autonomie der Universitäten verankert, die eine größere Verantwortung im finanziellen, wissenschaftlichen und didaktischen Bereich übernehmen sollen. Schlecht verwaltete Universitäten sollen weniger Geld vom Staat erhalten und können im schlimmsten Fall sogar unter Aufsicht eines Kommissars gestellt werden, der die Bilanzen in Ordnung bringen soll. Mit der Universitätsreform will die Regierung Berlusconi die Zahl der Professoren pro Student reduzieren. Die Kosten der veralteten italienischen Universitäten seien zu hoch. Allein im kommenden Jahr will die Regierung im Universitätsbereich 700 Millionen Euro einsparen. (APA)

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