Mehrheit der Täter geweihte Priester

    24. November 2010, 16:16
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    Wien  - Die Plattform für Betroffene kirchlicher Gewalt hat am Mittwoch einen Bericht präsentiert, der alle bei der Hotline der Plattform bisher eingelangten Meldungen über Missbrauch zusammenfasst. Seit ihrer Einrichtung im März 2010 haben sich bei der kirchenunabhängigen Hotline 325 Betroffene gemeldet, 150 Menschen alleine in den ersten zehn Tagen. Die Berichte der Opfer haben ergeben, dass die Mehrheit der Täter geweihte Priester - 264 von 422 bzw. 63 Prozent - und die häufigsten Tatorte mit 55,8 Prozent katholische Internate und Heime waren. In Folgenden die wichtigsten Daten des Berichts im Detail:

    Meldungen: Allein in den ersten 10 Tagen kontaktierten 150 Menschen die Hotline, bis heute waren es 325 Betroffene - 91 Frauen (28 Prozent) und 234 Männer (72 Prozent). 59,1 Prozent der insgesamt 482 als Gewaltübergriff zu kategorisierende Handlungen betrafen dabei sexuelle Gewalt (57,2 Prozent), körperliche Gewalt (57,1) und seelische Gewalt (32 Prozent).

    Zeitpunkt: Mit 59,7 Prozent betreffen die meisten Fälle die 60er und 70er Jahre, 18 Betroffene wurden innerhalb der letzten 20 Jahre misshandelt.

    Bundesländer: Oberösterreich ist mit 73 Meldungen der Spitzenreiter, dicht gefolgt von Wien mit 72 Meldungen und Niederösterreich mit 68.

    Dauer der Mishandlung: Die Mehrzahl der Betroffenen (43,3 Prozent) gibt an, dass sich die Misshandlungen über 2 bis 5 Jahre erstreckten. 17,6 Prozent der Mädchen geben einen Misshandlungszeitraum von 8 Jahren oder länger an, neun Prozent der Buben wurden 8 Jahre oder länger misshandelt.

    Alter der Betroffenen: 12 Prozent der Anrufer waren zu Beginn der Übergriffe sechs Jahre oder jünger. Der Großteil der Misshandlungen (79,5 Prozent) ereignete sich zwischen dem 7. und dem 14. Lebensjahr. Die vergleichende Darstellung des Alters bei Buben und Mädchen zu Tatbeginn zeigt, dass die Mädchen zwischen dem 6. und 8. Lebensjahr besonders gefährdet schienen, Opfer von Gewalt zu werden, während dies bei den Buben zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr der Fall war.

    Tatort: Zu 55,8 Prozent wurden katholische Internate oder Heime genannt, wo Kinder den Tätern "besonders ausgeliefert" waren. Häufig handelte es sich um Kinder aus sozial schwachen Schichten.

    Bschuldigte: Die Betroffenen haben 422 Personen als Täter und Täterinnen genannt. 63 Prozent der als Täter genannten Personen waren geweihte Priester, fasst man die Welt- und Ordenspriester zusammen. 20,8 Prozent waren als nicht geweihtes Mitglied einem Orden angehörig.

    ALTER UND GESCHLECHT DER BESCHULDIGTEN: Mit 43,3 Prozent war die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen jenes Alter, welches die Betroffenen am häufigsten nannten. Zu 78,2 Prozent waren die Misshandler Männer.

    Strategie der Misshandler: 40,4 Prozent forderten die Betroffenen auf, zu schweigen. Immerhin ein Viertel der Täter drohte mit der Hölle, mit Gewalt oder mit Versündigung, sollten die Kinder über die erlittene Gewalt sprechen. Auch Vergünstigungen wurden oft gewährt.

    Anliegen der Betroffenen: Nur 4,1 Prozent wollen Psychotherapie, der Mehrheit (54,1 Prozent) war es ein Anliegen, dem jahrzehntelangen Verschweigen und Vertuschen entgegenzuwirken und Rechtsauskünfte über Klagen oder Entschädigungen einzuholen (41,7 Prozent). (APA)

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