Die Zukunft des Cluburlaubs

24. November 2010, 13:54
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Tourismusexperten diskutierten die Zukunft des Cluburlaubs - Trendsportarten, Social Media und Umweltthemen werden immer wichtiger

Wien - "Cluburlaub, das ist Urlaub in einer von der Landschaft abgetrennten Anlage unter Gleichgesinnten", so die Definition nach Joeri Claeys, der beim Clubanbieter Aldiana für die Internationalen Märkte zuständig ist. Doch ist das überhaupt noch zeitgemäß? Wohin geht die Reise im Cluburlaub? Diese Frage diskutierten Tourismusexperten beim "Club Travel Media".

Der Trend gehe noch mehr in Richtung Spezialisierung und Differenzierung, war zu hören. Auf Trendsportarten, Social Media (Facebook und Co.) und Umweltthemen müsse man setzen. Die Diskutanten am Podium zählten etliche angebliche Neuerungen auf, die noch mehr Urlauber in die Clubs locken sollen, einer davon, Claeys, brachte es aber auf den Punkt: "Wir werden das Rad nicht neu erfinden."

"Das Grundgerüst eines Cluburlaubs soll nicht verschwinden. Dinge, die in der Vergangenheit gut waren, muss man hegen und pflegen", meinte Claeys. Veränderungen und Verbesserungen habe es aber freilich gegeben. "Früher war man eine Persona non grata, wenn man bei der Poolanimation nicht mitgemacht hat. Das ist heute nicht mehr so", weiß der General Manager von Aida Cruises, Reinhard Pelikan. Seiner Ansicht nach lautet das Zauberwort Standardisierung. "Die Menschen müssen wissen, dass sie überall das gleiche geboten bekommen, wie bei McDonald's."

Das Clubschiff Aida hat mittlerweile eine Flotte von acht Schiffen, 2013 sollen es zehn sein. Wenn das heurige Jahr vorbei ist, werden "weit über 100.000" Österreicher eine Kreuzfahrt unternommen haben, schätzt Pelikan. Das würde einem Plus von bis zu 18 Prozent entsprechen. Das Vorurteil, dass Kreuzfahrten teuer und die Gäste alt und steif sind, habe man hinter sich gelassen. TUI-Konzernsprecher Josef Peterleithner pflichtete bei: "Durch einen enormen Werbeaufwand hat man es geschafft, das verstaubte Image weitgehend zu beseitigen."

TUI macht sich mit seiner Clubmarke Magic Life den "Chauvinismus" seiner Gäste zunutze. Die Tourismusexperten waren sich einig, dass Clubtouristen Wert auf Deutschsprachigkeit legen. Die mittlerweile wieder eingestampfte Gulet-Clubmarke Blue Collection war mit dem Konzept "Österreich im Urlaub" äußerst erfolgreich. Die Idee von Blue Collection, den Gästen ein Stück Österreich anzubieten und Wiener Schnitzel, Meinl-Kaffee und Käsekrainer zu servieren, wird nun auf Magic Life übertragen. Darüber hinaus setzt man auf prominente Künstler fürs Abendprogramm, ausgefallene Sportarten und einen speziellen Club ausschließlich für Personen ab 16 Jahren.

Trendforscher Andreas Reiter indes warnte vor "Ghettoprodukten", diese hätten nie Erfolg. "Menschen über 50 wollen nicht in ein Hotel, das sich als 50+ Hotel deklariert." Genauso wenig würden sich Singles für spezielle Anlagen oder Hotels nur für Singles interessieren.

In Österreich machen jährlich etwa 1,2 Millionen Menschen eine Pauschalreise. Etwa 10 Prozent davon sind Cluburlauber, wird geschätzt. Der Cluburlaub-Veranstalter Aldiana hat sich für 2011 ein ambitioniertes Ziel gesetzt und will 28 Prozent mehr Gäste aus Österreich gewinnen. Erreicht werden soll das durch die Erschließung neuer Vertriebswege: Im kommenden Sommer wird Aldiana in Österreich nicht nur wie bisher mit Thomas Cook und Kuoni kooperieren, sondern auch mit Springer Reisen und der Rewe-Reiselinie ITS Billa Reisen. (APA)

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  • Neue Inhalte sind zwar gefragt, aber auf Dinge, die in der Vergangenheit gut waren, sollte man trotzdem nicht verzichten.
    foto: aldiana

    Neue Inhalte sind zwar gefragt, aber auf Dinge, die in der Vergangenheit gut waren, sollte man trotzdem nicht verzichten.

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