Bereits elf Werke sind restitutionswürdig

23. November 2010, 18:09
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Neue Erkenntnisse der Michalek-Kommission

Wien - Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) gab am Dienstag neue Erkenntnisse der sogenannten "Michalek-Kommission" bekannt. Das von Exminister Nikolaus Michalek geleitete Gremium beurteilt Dossiers zu Provenienzen von Kunstwerken aus dem Leopold Museum. Es gelangte zum Schluss, dass zwei Bilder von Anton Romako aus der Sammlung Moriz Eisler und fünf Schiele-Blätter aus der Sammlung Karl Mayländer restituiert werden müssten, wenn das Kunstgüterrückgabegesetz nicht nur für die Bundesmuseen, sondern auch für die Privatstiftung Leopold gelte.

Mitte Juli waren vier Bilder aus den Sammlungen Jenny Steiner (Egon Schieles Häuser am Meer) und Oskar Reichel (Nike mit Kranz, Die Quelle und Akt eines jungen Mädchens, alle von Anton Romako) als restitutionswürdig beurteilt worden. Die offizielle Zahl von Raubkunst im Leopold Museum erhöhte sich nun auf elf.

Ob Romakos einst von der Gestapo beschlagnahmte Bilder Burg Greillenstein und Gräfin Kuefstein an der Staffelei aus dem Besitz von Moriz Eisler sowie die Kreidezeichnungen und Aquarelle von Schiele aus dem Vorbesitz des 1941 in Lodz ermordeten Wiener Kaufmanns Karl Mayländer an deren Erben zurückgegeben werden, liegt im Ermessen des Vorstands der Privatstiftung. Peter Weinhäupl, der kaufmännische Direktor, hatte angekündigt, die Stiftung würde allfällige Restitutionsempfehlungen umsetzen.

Die drei Werke von Schiele aus der Sammlung Fritz Grünbaum (Tote Stadt III, Andacht und Akt mit orangefarbenen Strümpfen) hingegen sind, wie die Kommission feststellte, keine Fälle von NS-Raubkunst. Dieses Ergebnis war erwartet worden: Nicht ohne Grund wurde das 1999 in den USA beschlagnahmte Gemälde Tote Stadt III schon nach kurzer Zeit wieder frei gegeben. Im Fall Heinrich Rieger vertagte das Gremium seine Beschlussfassung, um das Ergebnis einer Erhebung abzuwarten. Demnächst folgt die Beurteilung zu 13 weiteren, bereits vorgelegten Dossiers. (trenk, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 24. 11. 2010)

  • Wäre zu restituieren: Egon Schieles "Selbstbildnis mit Ärmelschonern".
    foto: leopold museum

    Wäre zu restituieren: Egon Schieles "Selbstbildnis mit Ärmelschonern".

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