Bis zu 54 Spiele Sperre für Hebar

23. November 2010, 14:54
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Gesprächsthema Nummer eins nach der Länder­spielpause ist die völlig unverhältnismäßige Sperre für Olimpijas Andrej Hebar - Medveščak und Jesenice schwächeln, der KAC scheint vorerst nicht zu stoppen zu sein

Während man im Vorjahr als Liganeuling mit dem sensationellen Halbfinaleinzug noch die große Überraschungsmannschaft der EBEL war, tut sich Medveščak Zagreb heuer deutlich schwerer. Die im Sommer namhaft und mit entsprechend viel Geld verstärkte Mannschaft aus der kroatischen Hauptstadt hält sich von der Platzierung her zwar nach wie vor im Mittelfeld der Tabelle, der Trend der letzten Wochen - zuletzt setzte es fünf Niederlagen in Folge, in den jüngsten elf Spielen gelangen lediglich drei Siege - zeigt jedoch deutlich nach unten.

Vor allem die Defensive präsentierte sich bisher als fehleranfällig und vor allem sehr statisch. Ein Umstand, der nun einen Sponsor der Kroaten das Scheckbuch zücken ließ, um die Mittel für die Verpflichtung des NHL-Veteranen Jamie Rivers (35/469 NHL-Einsätze) bereitzustellen. Vorerst befindet sich der Kanadier auf Try-out in Zagreb und harrt noch seinem EBEL-Debüt, sollte er unter Vertrag genommen werden, wird sich Medveščak wohl von einem anderen seiner Verteidiger trennen.

Bemerkenswert ist auch die enorme Varianz im Zagreber Defensivverhalten: In einzelnen Spielen agiert die Abwehr im Stile eines unüberwindbaren Hindernisses vor Goalie Robert Kristan, der so schon zu vier Shutouts kam und die Liga in dieser Kategorie überlegen anführt. Viel zu häufig wirkt die Verteidigung der „Bären" jedoch unbeweglich, nachlässig und träge. Speziell in Auswärtsspielen, wo Medveščak seit der 1.Runde (Anm.: 1:0-Sieg in Graz) kein Spiel mehr in der regulären Spielzeit gewinnen konnte.

Hochöfen auf Sparflamme

Neben Zagreb schwächelte in den letzten Wochen auch der HK Jesenice, zu Saisonbeginn noch die positive Überraschung der Liga. Während sich Goalie Jaako Suomalainen langsam aber doch zu einer stabilen Größe entwickelt (GAA 2,54 und SVS 92,26% in den letzten fünf Spielen), gibt es im Angriff nach der Linienumstellung im Zuge der Dahlman-Verpflichtung noch Abstimmungsprobleme. Der überragende Rok Tičar, der in 13 der letzten 14 Spiele punktete, führt den neuformierten ersten Block mit Lysak und Dahlman sehr gut, seitdem diese Linie zusammenspielt, hat sie in sechs Partien 23 Scorerpunkte gesammelt.

Im Gegenzug hat aber die ursprüngliche Linie Tičars mit Jeglič und Sabolič stark an Durchschlagskraft eingebüßt. Mit der Ausnahme des 5:1-Sieges in Villach vor dem International Break hat der Klub aus der Stahlstadt keines seiner jüngsten acht Spiele gewonnen. Sehnsüchtig erwartet man die Rückkehr von Marc Cavosie, der zweifelsfrei als großer Pechvogel der bisherigen EBEL-Saison gesehen werden kann: In der Vorbereitung von einem Puck im Gesicht getroffen, verpasste er die ersten Saisonspiele, half dann nach seiner Wiedergenesung vornehmlich in der Abwehr aus und muss jetzt erneut zusehen. Wieder traf ihn im Training ein Schlagschuss, diesmal ist die Nase gebrochen.

Hebars unentschuldbares Blackout

Neben dem überlegenen Tabellenführer KAC, der nach der Länderspielpause dort weiterzumachen scheint, wo er zuvor aufgehört hatte, konnten auch die Vienna Capitals ihre beiden Wochenendspiele gewinnen. Heißestes Gesprächsthema in der Liga ist jedoch der Fall Andrej Hebar. Olimpijas Topscorer übte im Auswärtsspiel in Salzburg nach einem strafwürdigen Check von Kevin Puschnik Selbstjustiz und rammte dem 19jährigen seinen Stock gegen Kopf und Nacken (Video). Die nicht entschuldbare Kurzschlusshandlung des Slowenen wurde völlig zurecht mit einer Matchstrafe geahndet.

Der am Wochenende tagende EBEL-Strafsenat sprach am Montag schließlich sein aufsehenerregendes und völlig unverhältnismäßiges Urteil: Hebar wird bis zum Saisonende - also für 33 bis 54 Spiele - gesperrt. Während sich das Opfer Kevin Puschnik bereits auf dem Wege der Besserung befindet, wird Olimpija längerfristig zum Geschädigten: Da die Durchführungsbestimmungen der Liga vorsehen, dass ein gesperrter Spieler weder abgemeldet noch getauscht werden kann, wird das Kontingent des Klubs im Rahmen der Punkteregelung weiterhin belastet, was den Spielraum für die Rekrutierung eines Ersatzes einengt.

Für Hebar selbst könnte das Arbeitsverbot zu einem seine weitere Karriere bedrohenden Problem werden: Er kann sich bis zum Ende seines Vertrags bei Olimpija nicht mehr für eine Verlängerung empfehlen, seine Chancen, sich bei der WM in der Slowakei zu präsentieren, gehen gegen Null. Berücksichtigt man, dass nach den Vorkommnissen aus der letzten Saison eine Rückkehr nach Jesenice im Sommer ausgeschlossen ist, kann dieses Urteil das Ende der EBEL-Karriere des 26jährigen (der das Punktekontingent jedes nicht-slowenischen Klubs mit vier Zählern belasten würde) bedeuten.

Raus aus dem „stillen Kämmerchen"

Zweifelsfrei: Andrej Hebar war und ist zu bestrafen, hart zu bestrafen. Doch der Umstand, dass ein völlig überzogenes Urteil des Strafsenats zum wiederholten Male einen nicht-österreichischen Verein mit guten Play-Off-Chancen massiv schwächt, hinterlässt einen sehr fahlen Beigeschmack. Die Geschwindigkeit, mit der in diesem Fall eine Entscheidung gefällt wurde, ist ebenso problematisch, erweckt sie doch den Eindruck, dass ein möglichst abschreckendes Exempel statuiert werden sollte. Ob sich der Strafsenat über die weiterreichenden Folgen seines Urteils im Klaren ist, erscheint ebenso fraglich.

Die EBEL versteht sich im europäischen Vergleich als aufstrebende und sich kontinuierlich weiterentwickelnde Liga. Dazu würde jedoch auch gehören, dass derartig schwerwiegende Entscheidungen nicht mehr im „stillen Kämmerchen" getroffen werden, sondern bei Verfahren schwere Verstöße die Disziplinarordnung betreffend solide und gerechte Vorgehensweisen etabliert werden. Eine ordentliche Verhandlung mit Einvernahmen der Beteiligten und geregelter Verfahrensführung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt einer Urteilsfindung auf Basis suboptimaler TV-Bilder innerhalb einer „Blackbox". (Hannes Biedermann; derStandard.at; 23. November 2010)

 

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  • Andrej Hebar wurde bis zum Ende der Saison gesperrt.
    foto: johann pittner

    Andrej Hebar wurde bis zum Ende der Saison gesperrt.

  • Wenig zu feiern gab es zuletzt fürJoel Prpic und Company: Medveščak hat fünf Mal in Folge verloren.
    foto: johann pittner

    Wenig zu feiern gab es zuletzt fürJoel Prpic und Company: Medveščak hat fünf Mal in Folge verloren.

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