Oberösterreicherin gewann Turnier in Abu Dhabi Dank Erfolgen gegen Olympiasiegerin und regierende Europameisterin
Abu Dhabi - Mit vier Ippon-Siegen hat sich Sabrina Filzmoser am Montag den Judo-Grand-Prix in Abu Dhabi geholt. Die Oberösterreichern schaltete auf dem Weg zum Erfolg in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm die Olympiasiegerin und auch die regierende Europameisterin aus und hat als Führende der Olympia-Qualifikation für 2012 bereits fünf hochkarätige Ergebnisse stehen.
Mit Erfolgen über die Brasilianerin Giullia Penalber (nach 37 Sekunden), die Deutsche Miryam Roper (nach 1:23 Minuten) und die rumänische Europameisterin Corina Caprioriu (nach 4:44), gegen die sie bei den Kontinentaltitelkämpfen in Wien im Finale verloren hat, hatte Multikraft-Wels-Athletin Filzmoser den finalen Kampf erreicht. Und auch die Gewinnerin bei den Sommerspielen in Peking war kein Stolperstein, nach 2:33 lag die Italienerin Giulia Quintavalle geschlagen auf der Matte.
Die 30-jährige Filzmoser baut mit diesem Erfolg und den 200 errungenen Punkten die Führung im Olympia-Ranking aus. Sie hat damit in der ersten der zwei Qualifikationsperioden bereits fünf Resultate erzielt (nur fünf zählen) - allesamt Spitzenplatzierungen. Der Reihe nach war sie Zweite im Grand Prix von Tunis, Dritte im Grand Slam von Rio, Siegerin im Grand Slam von Moskau und Dritte der WM in Tokio. Ein zuletzt im Training erlittenes Cut unter dem Auge behinderte sie beim Turnier im Wüstenemirat nicht, die Fäden waren erst vor der Abreise gezogen worden.
Nationaltrainer Quellmalz in der Rolle von Tom Hanks
Österreichs Judo-Nationaltrainer Udo Quellmalz hat den Erfolg von Sabrina Filzmoser nicht live in der Halle, sondern nur via Web-TV mitverfolgt. Der Deutsche sitzt seit der Ankunft am Samstag wegen eines verloren gegangenen Reisepasses auf dem Flughafen in Abu Dhabi fest und fühlt sich ein bisschen wie Tom Hanks im Film "Terminal". Filzmoser wurde von ihren Teamkollegen Hilde Drexler und Ludwig Paischer zum Erfolg gecoacht.
"Ich war total in Wettkampfstimmung heute, es ist richtig gut gelaufen und hat sich super angefühlt. Alles mit Ippon zu gewinnen, das war voll cool", erzählte Filzmoser. Sie hat auf der Matte weder an das abgeklebte Cut im Gesicht ("Damit nichts aufspringt"), noch an den fehlenden Trainer gedacht. "Gestern habe ich mir Sorgen gemacht. Heute habe ich dann versucht, zu verdrängen, wie es Udo wohl geht. Ich habe auch seine SMS nicht gelesen. Ich denke, das hätte mich aus der Ruhe gebracht." Der Erfolg in Abu Dhabi brachte Filzmoser in eine sehr gut Position in
der Olympia-Qualifikation: "Ich muss mir in der ersten Phase nun keine
Sorgen mehr machen, kann auf meinen Körper horchen und schauen, dass ich
meine Verletzungen auskuriere."
In den ersten Kämpfen wurde Filzmoser von Teamkollegin Hilde Drexler gecoacht, nach deren Ausscheiden dann von Ludwig Paischer. "Ich war ausgeglichen und ruhig. Wie haben gemeinsam die Taktik ausgearbeitet, das hat perfekt funktioniert. Ich hoffe, Udo ist stolz auf uns alle, es war der volle Zusammenhalt, das volle Teamwork", meinte Filzmoser. "Sie haben sich super organisiert. Ich bin echt stolz auf sie", teilte Quellmalz via Skype mit. Bleibt zu hoffen, dass der Trainer doch noch das Flughafengelände
verlassen kann. "Ich habe seit zwei Tagen kein Tageslicht gesehen.
Botschaft und Organisation sind eingeschaltet, aber bisher erfolglos.
Sieht so aus, dass ich weiter auf dem Flughafen bleibe", meinte
Quellmalz.
Paischer Fünfter
Ludwig Paischer punktete in der Klasse bis 60 Kilogramm als Fünfter ebenfalls für die Weltrangliste. Der Salzburger setzte sich nach Freilos gegen Eisa Majrashi aus Saudi-Arabien mit Ippon durch, scheiterte danach aber am Russen Beslan Mudranow in einem Kampf über die Zeit mit Waza-ari.
"Es bricht die Welt nicht zusammen, Mudranow ist ein guter Mann, es war ein Kampf auf Augenhöhe, das nächste Mal gewinne wieder ich", meinte Paischer (29). Es war das vierte Ergebnis des Olympia-Silbermedaillengewinners in der ersten Qualifikationsphase für Olympia nach Platz fünf in Rio, sieben bei der WM und Platz zwei beim Grand-Prix von Rotterdam.
Eine Auftaktniederlage hinnehmen musste Georg Reiter (bis 66 kg) gegen den Spanier Sugoi Uriarte. (APA)