Call of Duty bis Kinect: Die Trivialisierung der Videospiele
Zsolt Wilhelm, 27. November 2010, 16:09
foto: derstandard.at/screenshot
Driften ohne zu lenken
Kriegspielen ohne zu schießen oder Autofahren ohne zu lenken - heutzutage ist alles möglich
Auf der Suche nach immer neuen Zielgruppen versuchen Spielentwickler ihrer Werke zugänglicher zu machen. Das geschieht einerseits durch ausgeklügeltere Interface-Designs und neue Eingabegeräte wie Motion-Controller und andererseits durch die schlichte Vereinfachung der virtuellen Herausforderung. Dabei ist die Vereinfachung in manchen Fällen soweit vorangeschritten, dass man sich fragt, ob es sich tatsächlich noch um ein interaktives Erlebnis oder schon um einen Film handelt.
Passiv geht die Welt zu Grunde
Youtube-User haben zwei besonders verblüffende Beispiele für die Anspruchslosigkeit mancher Videospielen herausgepickt. Wer dahinter nur Wii- oder Web-Games vermutet, liegt falsch: Selbst vermeintliche Hardcore-Games wie "Call of Duty: Black Ops" lassen sich mit geschlossenen Augen absolvieren. Videoblogger "Bungle" zeigt, wie er in der zweithöchsten Schwierigkeitsstufe (Hardened) die gesamte erste Mission in Kuba praktisch kampflos übersteht. Dafür musste er lediglich zwei Schüsse abfeuern und dies auch nur, weil dadurch zwei geskriptete Ereignisse ausgelöst wurden. Das sarkastische Kommentar nach knapp einer Viertelstunde Spielzeit: "Ich hoffe, ihr wisst zu schätzen, was ich für euch getan habe Leute. Es war sehr sehr hart hier zu sitzen und nichts zu tun."
Hersteller Treyarch anzurechnen sei an dieser Stelle allerdings, dass man es immerhin geschafft hat, die Illusion eines Krieges derart gut umzusetzen, dass man kaum auf die Idee kommen würde, nicht zu schießen. Auch wird es nach der ersten Mission zunehmend schwerer. Was "Call of Duty: Black Ops" allerdings konsequent durchzieht, ist das "Spielen auf Schienen". So muss man sich in den seltensten Fällen selbst einen Lösungsweg überlegen und dank standardmäßig eingerichteter Autozielfunktion muss nicht einmal das Zielen großartig geübt werden. Als Gesamtwerk konnte "Black Ops" dennoch überzeugen.
Geisterfahrer
Das zweite Beispiel kommt von Youtube-Nutzer "Geltonz". Er demonstriert, wie man im Rennspiel "Joy Ride" für die Sensorsteuerung Kinect für Xbox 360 über die Ziellinie kommt, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken. Nicht nur braucht man dank abfedernden Banden das imaginäre Lenkrad nicht zu bewegen, das Spiel gibt auch von selbst Gas.
Zur Verteidigung der seichten Unterhaltung sollte jedoch darauf hingewiesen werden, dass das gesamte Konzept von Kinect darauf beruht, unkomplizierte Spielerlebnisse zu ermöglichen. Vom Tischtennis für Grobmotoriker bis hin zum Gankörpersquasch geht es mehr um Bewegung, als um anspruchsvolle Spielerlebnisse. Dass man gar nichts tun muss, dürfte aber nicht im Sinne der Schöpfer sein.
Das Gesetz der Masse
Angesichts derartiger Nullnummern wird der eine oder andere vielleicht mit Wehmut an vergangene Tage denken, als Videospiele noch für eine reaktionsschnelle und freiwillig angestrengt grübelnden Minderheit designt wurden. (zw)
es ist doch schon lange bekannt, dass core-games in den allermeisten fällen total leicht durchzuspielen sind. hingegen gibt es einige nintendo-titel die als "kiddie" verschrien sind, aber so richtig beinhart sind und nur sehr schwer durchzuspielen. hier wird wiedermal - wie fast immer in der videospielbranche - nur anhand der grafik bewertet.
auch dass die erwähnten defacto keinerlei hinschmalz erfordern, weil man auf vorgegebenen pfaden durchtrampelt, zeigt einfach, dass alles auf die zielgruppe hingezaubert wurde.
nett natürlich der "dezente" zusammenhang zwischen "trivialer" spiele und der wii - eh klar, allerdings erinnere ich mich da noch an eine überschwengliche bewertung der movie-kopien selbiger......
Angesichts derartiger Nullnummern wird der eine oder andere vielleicht mit Wehmut an vergangene Tage denken, als Videospiele noch für eine reaktionsschnelle und freiwillig angestrengt grübelnden Minderheit designt wurden.
So langsam kommen "alte Erkenntnisse" der letzten 10 Jahre auch an die "Casual-Öffentlichkeit"? Angefangen hat das ganze doch mit EA, welches immer mehr Großkonzernstrukturen bekommen hat und nur noch den Aktionären verpflichtet die gut laufenden Serien im Jahresrythmus als billige Kopien veröffentlicht hat ...
Einer der Gründe, wieso ich CoD & Co schon lange nicht mehr spiele. Sie sind einfach zu plump. Bei der Erschließung immer neuerer Märkte und Zielgruppen ist der spielerische Anspruch immer mehr flöten gegangen. Leider.
naja, wenn sie alle cod auf veteran durchspielen und dabei nicht die geringste herausforderung spüren dann schadet es vermutlich nicht ein bisschen weniger zu spielen
Kommt drauf' an wie man "Herausforderung" definiert. Wenn die Herausforderung alleine aus meiner Reaktionszeit besteht, dann ist es sicherlich eine Herausforderung im wahrsten Sinne. Da gibt's etliche Kid's, die das viel besser beherrschen.
Ich jedoch meinte damit eher das Gesamtpaket. Es ist mir einfach zu langweilig, mich einige Stunden lang durch Levels durchzuballern und die Höhepunkte meines "Einflußes" auf das Spiel darin zu erleben, an gewissen Punkten "F" oder "E" drücken zu dürfen. Und im Multiplayer geht's dann weiter mit ballern. Da zock' ich lieber ein älteres Battlefield. Oder ich gebe mir ein Strategie- oder Rollenspiel. Da bekommt man meiner Meinung nach deutlich mehr für's Geld geboten. Tolle Skripts hin oder her.
Lustig zu lesen :) . Da sitzen ein paar pickelige Pubertierende vor ihrem Screen und tun mit CoD auf ernst und dann ist das ganze de fakto ein selbstablaufender Script. Und sogar Autoaiming ist dabei (was ja nun der Gipfel an girlyness ist :) .
Aber nicht vergessen, dabei immer brav grimmig dreinzuschauen während ihr beim Anschauen des CoD-Filmes die Maus zufällig bewegt :) .
ja genau, und alle nintendo- und wii-titel sind toooootal kindisch. eh klar. dabei sollten diese typen mal einen mario-titel durchspielen, ich glaub da würden sie nicht weit kommen mit ihren rudimentären reflexen.
zumindest das dreier hatte das auch. und das ist ja auch gut so. wenn ich mich schon auf die couch leg um zu zocken, dann soll ich auch "erfolg" haben können ohne zuerst ewig lang das aiming zu nerden.
bei multiplayer-games hat sowas natürlich nix zu suchen.
Im MP hat das natürlich nichts zu suchen...
Jedoch find ich, dass es im SP auch nur bedingt was zu suchen hat, da ein gewisses Maß an Können schon vorausgesetzt werden soll... Desshalb stell ich's immer aus, sofern es möglich ist (wie eben bei Halo)...
"auto aim gibts eben nicht bei der maus (pc-version), sondern auf der wii"
Auf der Wii??? Ich wüsst nicht, dass das Game jemals auf der Wii erschienen ist...
Und es ist sehr wohl Auto-Aim, wennst zB bei der xBox-Version nur noch den linken Trigger betätigst sobald du in der NÄHE eines Ziels bist und du sofort den Kopf des Gegners im Fadenkreuz hast (im Singleplayer zumindest)...
War bei MW2 auch schon so... Ergo uninteressant...
Ich hab mich am Wochenende nach Jahren wieder mal mit Monkey Island 1&2 beschäftigt... Find ich viel anspruchsvoller als 98 % (Ich denk der Prozentsatz steht ebenso für die anspruchslosen Spieler heutzutage) der Games die heutzutage rauskommen...
jaja, die weisen altvorderen a la peter W1, wie immer wissen sie, was ihnen an der jugend nicht passt und vergessen dabei, dass die jugend ein spiegelbild ihrer selbst ist!!!
gut gebrüllt, froschschenkel!
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