Zehn Zentimeter und 14 Tonnen

22. November 2010, 17:22
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"Austrian" wechselt mehr als 4.000 Flugzeugsitze auf Mittelstrecken aus, bei Kulinarischem wird nicht mehr so sehr gespart

Neue Sitze kommen Gästen und AUA-Kosten entgegen.

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Wien - Die Passagiere, die Montagabend mit dem AUA-Airbus Kiev nach Moskau abhoben, konnten sich kollektiv über ein Upgrade freuen: Eine neue Bestuhlung mit "Europasitzen" von Recaro gibt den Reisenden mehr Platz. Zehn Zentimeter beim Beinraum, viereinhalb beim Tischerl, acht beim Gesicht rechnet (der großgewachsene) AUA-Vorstand Andreas Bierwirth bei der Vorstellung in der AUA-Werft in Schwechat vor.

Den zweiten Teil des Besserungsprogramms können sie dann am Rückflug erleben: "Das warme Essen ist wieder zurück", sagt Attila Dogudan, auch in der Eco, wo künftig in Stanitzeln serviert wird, österreichische Küche wie Fleischlaberl oder Würstel, kleine Gugelhupf wenn gerade Kaffeezeit ist. Auch in der Business erhält das Angebot einen Upgrade.

"Wir haben die beiden letzten Jahre am Kunden gespart", räumt Bierwirth ein, "jetzt investieren wir wieder an Bord". Insgesamt 32 Flieger der Kurz- und Mittelstrecke, Airbus A319 und A321 sowie Boeing 737, werden sukzessive mit neuen Sitzen ausgestattet, die Kabine erneuert. Die bunten Farbflecke der alten Sitze werden bis nächsten Sommer verschwinden. Dafür zieht dunkelgrauer Railjet-Look mit etwas AUA-rot in der Kabine ein. Um Stehzeiten gering zu halten, wird die jeweils rund fünftägige Kabinenumrüstung mit Wartungsarbeiten verbunden.

Die deutlich schlankeren Lederstühle bringen auch der Airline Ersparnisse. Nicht nur den Passagieren, auch der AUA bleibt durch den Umbau mehr Platz, den sie in eine weitere Reihe investiert. Auf die Flotte hochgerechnet entspricht dies fast einem 200-sitzigen Flieger. Drei bis fünf Kilo weniger Gewicht pro Sitz bringen insgesamt 14 Tonnen Erleichterung, was den Kerosinverbrauch senkt. Wie die Rechnung in Euro und Cent aussieht, will Bierwirth jedoch nicht verraten.

Da jetzt "die Hardware wieder stimmt" will sich auch der Koch nicht lumpen lassen und erreichen, dass die AUA "auch bei der Software wieder Leadership zeigt. Essen an Bord ist Entertainment." Teurer wird dies, pro Person gerechnet, für die AUA nicht, sagt Dogudan, er will seine höheren Kosten über wachsendes Volumen hereinkriegen. Und die AUA "ist derzeit die am schnellsten wachsende Airline in Europa", ergänzt Bierwirth. (spu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.11.2010)

  • Haben angerichtet: AUA-Vorstand Bierwirth, Caterer Dogudan.
    foto: standard/helmut spudich

    Haben angerichtet: AUA-Vorstand Bierwirth, Caterer Dogudan.

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