Regierungsgegner fordern Lösung der Staatskrise nach Putschversuch - Ablehnung des Verfassungsreferendums
Antananarivo - Nach dem umstrittenen
Verfassungsreferendum und einem Putschversuch kommt Madagaskar weiter
nicht zur Ruhe. Die Polizei in der Hauptstadt Antananarivo ist am
Samstag gegen Regierungsgegner vorgegangen, die eine Lösung der
Staatskrise forderten. Die Beamten feuerten Tränengas in eine Gruppe
von mehreren hundert Demonstranten, die von einer Vereinigung von
Bürgermeistern angeführt wurde. Die Teilnehmer der Kundgebung
forderten nach dem Putschversuch vom Mittwoch, die schwelende Krise
auf dem Verhandlungswege zu lösen. Der Anführer der Demonstranten
wurde nach Polizeiangaben festgenommen.
Eine Gruppe von Offizieren unter General Noel Rakotonandrasana
hatte am Mittwoch die Regierung von Präsident Andry Rajoelina für
abgesetzt erklärt. Rajoelina zeigte sich aber unbeeindruckt und
sagte, der Großteil der Streitkräfte stehe hinter ihm. Einen Tag
später zogen sich die aufrührerischen Soldaten in eine Kaserne in der
Nähe des Flughafens zurück. Der Putschversuch vom Mittwoch unterbrach
eine landesweite Abstimmung über eine von Rajoelina vorgeschlagene
Verfassungsreform. Die Organisation der Bürgermeister lehnt den Plan
des Präsidenten ab.
Rajoelina war im März mit Hilfe des Militärs an die Macht
gelangt. Als Oppositionsführer und Bürgermeister der Hauptstadt
Antananarivo hatte Rajoelina den Präsidenten Marc Ravalomanana nach
bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen aus dem Amt gedrängt. Dem
entmachteten Staatschef wurden Machtmissbrauch und Ausverkauf der
Ressourcen der bitterarmen Insel an ausländische Firmen vorgeworfen.
Bei Gewaltakten im Februar 2009 waren mehr als hundert Menschen ums
Leben gekommen. Das Verfassungsgericht hatte die Machtübertragung an
den Oppositionschef nachträglich gebilligt. (APA/dapd)