Freak oder Performance?

20. November 2010, 13:48
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    foto: feßler

    Landkarten als Körpertopografien von Elisabeth Schafzahl in der Ausstellung "Unortnung VI".

Zwei temporäre Ausstellungen in Wien: Die eine dockt wie ein Parasit an einen Konsumtempel an, die andere belebt einen Leerstand

Wien - Der Sektempfang dieser Vernissage ist anders: Der Blubber ist frisch dem Regal daneben entnommen und rinnt aus Pappe statt aus Kristall. Vorm Ausströmen in die Ausstellung in einem gerne großen Kaufhaus, geht's zur Kassa. Bis zu diesem Zeitpunkt vermeldet die Eröffnung von Aufstand der Zeichen keine Zwischenfälle. Schattenwerfende Playmobilfiguren (Manuel Exposito) bringen allerdings wenig später Security-Gemüter in Wallung.

Der lebendige Weihnachtsbaum (Flora Watzal) wurde abgeführt, kann sich aber durch das Wörtchen Kunstaktion wieder ins Spiel bringen. Subtil nutzt Michaela Schwendtner DVD-Player für ihre Filmvorführungen, Mirjam Bajtala stellt ein Paar Füße in der Umkleide ab, Hilde Fuchs löchert Kunden ausdauernd über ihre Religion, Golda Osten liest Dostojewski. Six/Petritsch quetschen sich in eine Ein-Personen-Sauna, die sie als Raum für 3 gemeinsam handelnde Personen ausweisen. Das Personal lacht. - Ein geglückter Feldversuch zu parasitären Ausstellungsformen (initiiert von Oliver Hangl, k48). Die Inhaltlichkeit der Kunst tritt jedoch hinter dem Ereignis zurück und wirft die alte Frage auf, was Kunst im Alltag als solche ausweist?

Im sechsten und letzten Teil der Ausstellungsreihe Unortnung (kuratiert von Veronika Barnas/ Elke Krasny) wird hingegen mit dem Etikett Kunst operiert, obwohl kunstfremde, aber leerstehende Orte (heuer das ehemalige Kartographische Institut) bespielt werden. Offensichtlich sind manche Arbeiten dennoch nicht, operieren bisweilen mit Aspekten von Beiläufigkeit und Verwechslung. Sehr gelungen etwa beim Duo Tinzl/Flunger, die sich formal auf ein Messingschild mit den Höhenangaben des Instituts beziehen: 200,272 Meter über der Adria. Der präzisen Sprache der Vermessung setzen sie Grenzen, indem sie ihre Codes nutzen, um die diffusen Schicksale von Migranten zu dokumentieren, die bei der Flucht umkamen.

Überzeugend auch die in Interviews verfolgten Expeditionsrouten, etwa 1886 nach Afrika (Hieslmair/Zinganel) oder der Territorien-Verkauf Ronja Vogels, die damit auf zweifelhafte Praxen der Landnahme in Afrika hinweist. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.11.2010)

Wien 8., Krotenthallergasse 3, bis 21. 11., www.unortnung.net

biberkopf
11
23.11.2010, 08:55

"Subtil nutzt Michaela Schwendtner DVD-Player für ihre Filmvorführungen" - was kann man sich unter einer subtilen dvd-player nutzung vorstellen? bzw wie würde eine gegenteilige, offensichtliche dvd-player nutzung aussehen?

Melt 05
10
21.11.2010, 00:38
wie immer

super schlecht recherchiert und die interessanten details fehlen, besonders im ersten teil des berichts. standard eben.

art-schmart
00
23.11.2010, 13:23

Und was wären die "interessantesten details"?

Melt 05
00
26.11.2010, 19:38
z.b.

die security war ja nicht grad behutsam mit den leuten vor ort...es wurde auch mit handschellen gedroht...und dann ist da noch die vega gekommen...dass mein ich mit schlecht recherchiert...oder darf das einfach nicht in die zeitung?...whatever, ich fands eine sehr unterhaltsame aktion : )

und bitte SORRY für die harten worte, das ist der frust, dass so wenig kunst im standard ist...in der druckausgabe wurde es in den letzten jahren sehr reduziert...war der galerienspiegel früher nicht eine doppelseite???

Anne Katrin Feßler
01
24.11.2010, 17:21
ja, stimmt,

...das würde mich in der Tat auch noch interessieren!

ich glaube schlechte Recherche hat mit wenig zur Verfügung stehendem Platz nicht viel zu tun.
man hätte zu beiden ausstellungen das zehnfache schreiben können. meine vor-ort-recherche hätte entsprechend viel material hergegeben.
Ärgerlich ist, dass hier wieder mal jemand seinen Unmut hinter einem Pseudonym versteckt, statt direkten Dialog anzustreben. als "melt 05" kann man leicht pauschal anpatzen!

art-schmart
00
24.11.2010, 19:13

Tja, auf konkrete Fragen bleiben solche ansonsten so mitteilsamen Poster meist auffällig ruhig.

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