Theater auf die harte Tour: Helmut Bergers "Dirty Days"

19. November 2010, 18:59
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Schauspieler leben in Glanz und Glamour, dazu mindestens jeden zweiten Tag Gelegenheitssex. So die Vorstellung. Realität: Endlose Fahrten im Kleinbus auf regennassen Straßen. Einzelbettzimmer im Kleinhotel und ein Publikum, das die Zugänge zu Ödön von Horváths Zur schönen Aussicht nicht immer verstehen will. Der Schauspieler und Regisseur Helmut Berger filmte 2007 seine Theatertour mit einer kleinen Truppe durch die deutsch-österreichisch-schweizerische Provinz. Er habe sich die Tour anders vorgestellt, erinnert sich Berger im Gespräch mit dem Standard: "Ein bissl mehr sehen von der Welt."

Ärgernisse über Technikfehler auf den Bühnen und schlecht organisierte Tourneeleitung filmte er. Berger legt sich ein Mantra zu: "Alles wird gut." Dirty Days erinnert in manchen Phasen an die Enge des TV-Containers, liefert dazu ernüchternde Einblicke in das karge Dasein der Artisten.

Wie ist die soziale Lage der Schauspieler in Österreich? "Es gibt ein paar, denen es sehr gut geht. Der Mehrheit geht es nicht sehr gut." Als Obmann des Filmschauspielerverbandes erklärt er: "Es wird weniger gedreht, Gagen sinken in Deutschland wie in Österreich, obwohl die Herstellung nicht billiger wird. Im Theater in der freien Szene wird teilweise zu Dumpingpreisen gearbeitet." (prie, DER STANDARD; Printausgabe, 20./21.11.2010)

Hinweis
Dirty Days, Sonntag, 23.05, ORF 2

  • Im Auge der Kamera: Regisseur Helmut Berger.
    foto: orf/helmut berger

    Im Auge der Kamera: Regisseur Helmut Berger.

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