Hinter den Kulissen ein Hauch von Fellini

19. November 2010, 17:42
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Gregory Crewdson unternahm für seinen Fotoband "Sanctuary" einen Ausflug nach Cinecittà

Seit langem inszeniert Gregory Crewdson aufwändige, heimelig unheimliche Fotogeschichten. War der Ausflug nach Cinecittà eine radikale Abkehr? Nur zum Teil. Denn vieles ist hier, in "Sanctuary", anders: Keine Farbe, keine Menschen, der Glanz des einstigen "Hollywood am Tiber" ist zu Grau-in-Grau-Paneelen verblasst; er durchstreifte überwucherte Gässchen, verfallene Stadtviertelkulissen, durch Stahlträger mühsam aufrechterhaltene Interieurs.

Doch auch diese Bilder erzählen Geschichten, die ans Unheimliche streifen. Cineasten mögen mehr als einen Hauch von Fellini spüren. Die untergegangene, zur TV-Billigproduktionsstätte mutierte faschistische Bastion einer großitalienischen Filmindustrie entblättert sich vor Crewdsons Kamera. "Hinter den Kulissen" scheint er in die Seele des Ortes blicken zu wollen. Freud zitierend, macht der Begleittext Rom als Ziel vieler Sehnsüchte dingfest. Sanctuary, das ist Heiligtum, aber auch Schutzgebiet, Unterschlupf. Kamera läuft nicht. (Michael Freund / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.11.2010)

 

  • Gregory Crewdson, "Sanctuary" . € 51,80 / 96 Seiten. Hatje Cantz, Ostfildern 2010
 
    foto: hatje cantz


    Gregory Crewdson, "Sanctuary" . € 51,80 / 96 Seiten. Hatje Cantz, Ostfildern 2010

     

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