Bucharaya Beyin: "Wir haben Waffen, Männer und den Willen"
Madrid - Die Befreiungsbewegung Polisario droht mit der Wiederaufnahme
des bewaffneten Kampfes gegen Marokko, sollte nicht bald eine Lösung für den
Westsahara-Konflikt gefunden werden. Man verfüge über "Waffen, Männer und den
Willen", erneut gegen Marokko in den Krieg zu ziehen, erklärte am Freitag in
Madrid Bucharaya Beyin, Polisario-Sprecher in Spanien. Er wolle keine
"Kriegstrommeln" schlagen und man suche den friedlichen Weg, endlich das seit
Jahren versprochene Unabhängigkeits-Referendum durchführen zu können. Aber
angesichts der Zurückhaltung der internationalen Gemeinschaft nach der jüngsten
brutalen Niederschlagung eines Protest-Zeltlagers in der von Marokko besetzten
Westsahara sei man mit der Geduld allmählich am Ende, so Beyin in Madrid.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte die jüngsten gewaltsamen
Vorkommnisse verurteilt, aber die von der Befreiungsbewegung geforderte
Entsendung einer Untersuchungskommission abgelehnt. Innerhalb der Polisario und
vor allem in den saharauischen Flüchtlingslagern in der südalgerischen Wüste
wachse nun die "massive Bereitschaft, dem Waffenstillstand mit Marokko ein Ende
zu setzen", bestätigte der Polisario-Sprecher.
Garantien gefordert
Abdelkader Taleb Omar, Premierminister der von Algerien unterstützten
Exilregierung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS), warnte
bereits vor wenigen Monaten, dass seine Regierung
"ernsthaft über eine weitere Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und eine
mögliche Wiederaufnahme der Gefechte nachdenken" werde, sollte die UNO nicht
endlich die Einhaltung der Menschenrechte in der Westsahara garantieren. Anfang
der Woche forderte die Polisario vom Weltsicherheitsrat bereits die Festsetzung
einer Frist zur Klärung des Status der von Marokko besetzten Westsahara. Marokko
hat eine umfassende Autonomie für das Gebiet vorgeschlagen. Die Polisario will,
wie im Plan des ehemaligen US-Außenministers James Baker vorgesehen, in einem
Referendum über die Zukunft der an Bodenschätzen reichen Westsahara abstimmen
lassen, so wie es den Saharauis vor über 19 Jahren von den Vereinten Nationen
zugesagt worden war.
Der Konflikt selbst begann 1975, als die UNO im Zuge der Entkolonialisierung
Spanien aufforderte, die Westsahara über die Unabhängigkeit abstimmen zu lassen.
Spaniens Diktator Francisco Franco ließ jedoch das Gebiet, das fünf Mal so groß
wie Österreich ist, zwischen Marokko und Mauretanien entgegen allen UNO-Regeln
aufteilen. Seine Bedingung: Die spanischen Wirtschaftsinteressen müssten gewahrt
bleiben. Die Saharauis wehrten sich. Nach drei Jahren hartem Kampf zog sich
Mauretanien wieder zurück. Das militärische starke Marokko allerdings hielt
dagegen. 1988 kam es auf Vermittlung der UNO zu einer Waffenruhe. 1991
entsandten die Vereinten Nationen die - zeitweise von dem österreichischen
Brigadier Bernd Lubenik geleitete - Friedens-Mission MINURSO in die Westsahara,
um den vereinbarten Waffenstillstand zu überwachen und ein
Selbstbestimmungsreferendum durchführen zu lassen. Damals waren die Hoffnungen
der Saharauis in die Vermittlungen der UNO groß. Bis heute ist es nicht zu dem
versprochenen Referendum gekommen, da sich Marokko, unterstützt durch Frankreich
im UNO-Sicherheitsrat, strikt gegen ein solches stellt. (APA)