Der Schriftsteller Franz Schuh schaut am Sonntag den "Tatort"

    19. November 2010, 17:44
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    DER STANDARD sprach mit ihm über kriminelle Freiheiten, heilsame Männerfreundschaft und den schwankenden ORF

    STANDARD: Herr Schuh, haben Sie am Sonntag den "Tatort" geschaut?

    Schuh: Ja, und dabei bin ich schnell grantig geworden. Vorher sah ich Kommissarin Lund, den Tatort sah ich dann zeitversetzt. Wenn ein Regisseur einen so wunderbaren Schauspieler wie Richy Müller flach ins Bild stellt, dann ist die Wirkung gleich null, dann wird die Aura eines Mannes vernichtet. Grundsätzlich muss ich sagen: Kinder, die im Tatort so oft eine Rolle spielen, sind in einem Kriminalfilm bloße Zeichen einer mitleidheischenden Dramaturgie. Als Protagonisten führen sie zu schnell vor Augen, dass wir uns vor Verbrechen schützen müssen. Kinder sind ein Symbol mit dem Hammer. Außerdem finde ich dieses offensichtliche Verarbeiten von Problemen und Konflikten, die schon lange in der Zeitung stehen, wie etwa die Zuwanderung aus der Ukraine, langweilig.

    STANDARD: Das klingt wenig begeistert. Trotzdem zählt der "Tatort" zum Sonntagabend-Ritual?

    Schuh: Diese Skepsis, die ich dem Tatort gegenüber hege, hat nichts damit zu tun, dass ich als Durchschnittsmensch an den Ritualen des Durchschnitts gerne teilnehme. Allerdings müsste jeder über sich selbst erstaunt sein, der freiwillig und regelmäßig etwas sieht, von dem er weiß, dass er nicht viel erwarten darf. Das Ritual erspart einem das Staunen. Ein altes Gesetz für Kriminalliteratur, Brecht hat es formuliert, lautet: Die Psychologie muss aus der Action kommen, und nicht umgekehrt die Action aus der Psychologie. Das Lobenswerte am Tatort ist der Versuch (der ARD), ermittelnde Figuren in verschiedene Landschaften und Gesellschaftsschichten zu senden. Aber der Tatort macht den Fehler, dass er entweder zum Seelendrama oder zur Parodie wird. Die Münsteraner Exponenten der Parodie sind auf jeden Fall außerordentlich. Es sind die beiden Schauspieler, Axel Prahl und Jan Josef Liefers, die in ihrer Interaktion einen Inbegriff des Komischen anschaulich machen: Sie stecken miteinander in einer Verwicklung, in der der eine den anderen ununterbrochen abstößt, was aber immer zur Lösung beiträgt. Das ist ein geniales Schema.

    STANDARD: Woher kommt es, dass im Fernsehen, siehe "Tatort" , der Mörder am Ende in aller Regel gefasst werden muss?

    Schuh: Das Anarchische der Kriminalität darf in einem solchen Massenmedium nicht zum Ausdruck kommen. In unserer Gesellschaft ist Freiheit einer der größten Propagandawerte. Ob sie in Wirklichkeit existiert oder nicht, ist eine andere Frage. Aber man kann nicht zeigen, dass einer sich kriminelle Freiheiten herausnimmt und dann freikommt. Sich kriminelle Freiheiten zu nehmen heißt: dafür büßen zu müssen. Der sich frei bewegende Kriminelle ist der Horror dieser Gesellschaft. Solange die Utopie dieses Fernsehens der Mittelstand ist, wird im Hauptabendprogramm kein Krimineller glücklich. In dieser Gesellschaft der Mitte, so hat es der Soziologe Herfried Münkler gesagt, in der die meisten brav leben, gibt es aber ein Bedürfnis, Menschen am Rande, also Außenseiter, zu bestaunen. Das Abendprogramm des Fernsehens zeigt solche Leute, die man nicht im eigenen Haus haben möchte. Man könnte sie selber nicht aushalten, wäre auch wehrlos gegen sie. Aber das ist der Blick auf die Außenposition unserer Gesellschaft. "Wir möchten" , sagt Münkler, "nicht der Außenseiter sein, aber wir lassen uns durch ihn unterhalten." Das ist das Geheimnis, warum es den Tatort überhaupt gibt.

    STANDARD: Aber sind diese Außenseiter nicht auch manche "Tatort" -Kommissare und nicht nur die Verbrecher?

    Schuh: Es sind die Verbrecher, die wir sehen wollen (und wie man sie fängt). Diese Art von Trivialkultur ist ein Spiel mit dem Schrecken, von dem man weiß, das man ihn genießen kann, weil er nicht wirklich nach einem greift: Es ist ja nur ein Film. Aber es ist nicht schlecht, dass wir eine Ahnung vom Schrecken haben, sonst würden wir diese Dimension vergessen - oder privatisieren. Kriminalität im Fernsehen verkörpert einen Schrecken, der alle treffen könnte, ohne dass sich nur einer wirklich fürchten muss.

    STANDARD: steht im Raum, dass das Fernsehen diesen Schrecken kultiviert. Wir alle sehen ständig Hunderte von Toten in den Nachrichten. Kann man sich diesem Schrecken noch entziehen?

    Schuh: Der reale Schrecken, der wirklich passiert, ist durch die Art und Weise, wie er gezeigt wird, nicht zu sehen. Die Medien beherrschen die Kunst des Verbergens durch Zeigen. Der fiktive, fantasierte Schrecken hingegen hat eine größere Möglichkeit, nicht zuletzt weil er bei den Zuschauern die Bereitschaft voraussetzen kann, sich schrecken zu lassen. Die triviale Ästhetik des Schreckens ist stärker präsent und schrecklicher als der mediatisierte Realschrecken.

    STANDARD: Also könnte man sagen, dass der "Tatort" so etwas wie eine Angstbewältigungsstrategie ist?

    Schuh: Das ist die klassische Theorie: Jeder Horrorfilm ist ein Experiment der Angstbewältigung, ein legitimes Experiment. Dem Nachbarn, bevor er mir etwas getan hat, schon eine hineinzuhauen, ist ein nichtlegitimes Experiment.

    STANDARD: Wer ist für Sie der beste "Tatort" -Kommissar aller Zeiten?

    Schuh: Ich hatte eine Vorliebe für Hansjörg Felmy. Großartig auch der Kieler Kommissar, gespielt von Axel Milberg, und natürlich die Münsteraner. Ich habe auch schon gestanden, dass ich Andrea Sawatzki besonders gut fand. Bei ihr war das Psychische richtig eingesetzt: Sawatzki (Tatort Frankfurt bis 2009) hat etwas neurotisch Unsicheres, und aus dieser Seelenlage geht das Ermitteln plausibel hervor. So was Sensibles mögen nicht alle. Die Furtwängler (Tatort Hannover) mag ich auch. Sie ist aber noch schwieriger zu mögen, denn sie belästigt mich mit ihrem unerträglichen Privatleben. Ja, sie muss natürlich ihr Kind versorgen. Das wird im Sinne feministischer Politkorrektheit viel zu ausführlich gezeigt. So, dass ich das Gefühl habe: Die ersparen sich die Kriminalhandlung und instrumentalisieren so erst recht die ernsten Mutter-Kind-Probleme für simple Unterhaltung.

    STANDARD: Sie haben eher eine Vorliebe für die weiblichen Einzelkämpfer und weniger für die prominenten männlichen Tatort-Teams aus München oder Berlin?

    Schuh: Die beiden Münchner Ordnungskräfte sind mir fremd. Schlecht finde ich Martin Wuttke (Tatort Leipzig), der hat zu viel Theater im Blut. Was ihn am Theater so lebendig macht, killt ihn vor der Kamera. Der Türke (Mehmet Kurtulus, Tatort Hamburg) ist auch okay. Der Kieler hingegen hat etwas traurig Hölzernes und kommt dann in Bewegung. Das ist sehr, sehr gut gemacht.

    STANDARD:  Was können Sie uns über Schimanski sagen?

    Schuh: Schimanski war Duisburg. Eine Stadt, die abhebt, aber nicht nach oben, sondern nach unten. Die der Erdboden verschluckt und die dennoch von früher, das kennt man von englischen Städten, ein Selbstbewusstsein hat. Das Proletarische ist nicht umzubringen, das hat uns Schimanski gezeigt. An ihm ist interessant, dass er aus dem Polizeidienst entlassen wurde und - freigestellt - von Neuem zu ermitteln begann. Mit einem Hang zur Gewalt. So einer, denkt man, kann doch kein Polizist sein! Aber das war das Schimanski-Prinzip. Dieser wunderbare Schauspieler, der kein Deutsch kann. Grandios. Das ist ein männlicher Mann, der sich um die Konsequenzen seiner Taten nicht kümmert, der sich selbst um fast jeden Preis die Treue hält. Das ist alles ein bisschen zu billig, aber das gehört eben auch zum Showgewerbe. Wenn du es verfeinerst, ist alles weg.

    STANDARD:  War Schimanski der Beste?

    Schuh: Es war auf jeden Fall ein sehenswertes Zusammenspiel zwischen einem kleinbürgerlichen Ausraster (Götz George als Schimanski) und einem kleinbürgerlichen, verantwortlichen, unterstützenden Menschen (Eberhard Feik als Thanner). Es gab einen Zusammenhalt zwischen den beiden, der einerseits der Not, aber auch der Neigung gehorchte. Ich habe ein Interesse an vorbildhaften Männerfreundschaften. Die gefährliche Heilsamkeit solcher Mann-Mann-Beziehungen ist enorm. So kann man sehen, wie man "als Mann" durchs Leben kommt. Und durch den Tatort.

    STANDARD:  Was sagen Sie zum österreichischen "Tatort" ?

    Schuh: Fritz Eckhardt war eine Kabarettfigur, aber eine schlaue. Dieser Übergang vom Spießbürger zu einem an den Extremen der Gesellschaft sich abarbeitenden Polizisten, der einen kultivierten Sarkasmus hat (und das im Rahmen von Österreich-Klischees), das funktionierte damals halbwegs. Heute ist mir der österreichische Tatort einfach zu glatt. Die Versuche, etwas Austrozistisches herauszubekommen, sind mir zu fern.

    STANDARD: Sind das Zugeständnisse ans deutsche Publikum?

    Schuh: Das ist eine generelle Entwicklung der Gesellschaft. Prominenz ist eine positive Kategorie, aber seltsamerweise schauen alle Prominenten gleich aus. Oder können Sie Sarata und Lugner noch unterscheiden? Auch die Figuren, die erfunden werden, schauen einander immer mehr ähnlich. Sie sind anonym, mit sehr eingeschränkter Individualität. Deshalb ist Kommissarin Lund die Größte: Sie ist als Person unscheinbar, hat aber in dieser Unscheinbarkeit eine absolute Präsenz. In Österreich setzt man die Berge in Szene, und solche Zeichen stehen dann für Österreich. Das Dänische wird nie zur Folklore. Bei Kommissarin Lund spielt alles in einer modernen Gesellschaft im heutigen Europa, wo die verschiedensten Apparate (Staat, Militär und Polizei) ineinandergreifen, einander im Weg stehen. Dennoch gibt es ein paar Menschen mit einem Hang zur Wahrheit, die nicht aufhören, hinter das Rätsel kommen zu wollen. Die ganze Zeit über schwingt das Gefühl mit, sie könnten den Verbrecher eventuell nicht erwischen. Da wird ein schwieriger Wahrheitsfindungsprozess dargestellt. Beim Tatort wird, eh klar, der Täter sicher erwischt.

    STANDARD: Wer ist schuld daran, dass der "Tatort" da nicht mehr zusammenbringt?

    Schuh: Nicht die Drehbuchautoren allein. Ich glaube, dass Redaktion, Autoren und Filmemacher den Weg des geringsten Risikos gehen. Beim Kottan zum Beispiel gab es dieses Risiko. Kottan ermittelt ist heute international geachtet und wurde einst von großen Teilen der Gesellschaft abgelehnt. Es gibt also ein Risiko. Warum ein Risiko eingehen, warum die Leute am Samstagabend ärgern?

    STANDARD:  Es gibt ein zwingendes humoristisches Element im österreichischen Fernsehen. Ist das der Kottan, dem wir da nachhecheln?

    Schuh: Eine der größten Wirkungen im Massenmedium Fernsehen geht davon aus, dass man Leute zum Lachen bringt. Erzeugtes Gelächter ist spürbarer Erfolg. Und: Der Mut, die Kriminalität als ein gesellschaftliches Phänomen zu zeigen, existiert nicht. Es wird vorschnell ein Unterhaltungseffekt produziert, hinter dem man die Möglichkeit verschleiert, dass ein Verbrechen etwas über die Normalität aussagt. Die Härte, die einem gelungenen Kriminalroman innewohnt, wird vermieden. Und anstelle dieser Härte tritt ein Infantilismus, der sich als Humor oder Witzigkeit tarnt.

    STANDARD:  Trifft diese, Ihre Kritik auch den "Tatort" in Münster?

    Schuh: Auch. Aber der Tatort Münster hat noch andere Seiten, zum Beispiel das politisch inkorrekte Verhalten des Gerichtsmediziners seiner kleinwüchsigen Assistentin gegenüber. Das ist Humor, der die Gleichheit zwischen Menschen eben nicht darüber herstellt, dass man so tut, als wären sie nicht unterschiedlich. Durch das freche Herausarbeiten der Unterschiede räumt es der Kleinwüchsigen die Möglichkeit ein, zurückzuschlagen und Gleichheit herzustellen. Da begreifen wir: Ohne die kann der gar nicht! Ohne ihre stärker ausgeprägte Sachlichkeit bliebe er mit seiner Selbstherrlichkeit auf der Strecke.

    STANDARD: In den 40 Jahren, in denen es den "Tatort" gibt, hat sich nicht nur der "Tatort" , sondern hat sich auch das Fernsehen verändert. Wie bewerten Sie das?

    Schuh: Es ist übel, dass das Privatfernsehen draufkam: Wir brauchen keine Schauspieler, wir machen Gerichtsdramen mit Menschen wie du und ich, wir besetzen die Kommissariate mit Laien. Aber unsere Kultur ist auf Schauspieler angewiesen. Wir sind auf Einzelne angewiesen, die auf eine hervorstechende und geübte Weise uns spielen können. Wenn wir uns alle selber spielen, dann sind wir blinde Spiegel, dann bleibt nichts anderes als der öde Wille zur Unterhaltung. Dann haben wir die Virtuosen im Burgtheater und die Nieten im Massenmedium. Schauspieler sind Leute, die unversehens Bewegungen machen, die auf das Wesentliche hindeuten, und wenn man dieses "Unversehene" aus der Kultur hinauswirft zugunsten dieser berechenbaren Laien, dann ist das ein zerstörerischer Akt.

    STANDARD: Der "Tatort" agiert noch nicht mit Laien, er ist ein Dinosaurier der Fernsehgeschichte. Warum ist er noch immer so erfolgreich, bzw. müsste er mittlerweile nicht schon viel weniger erfolgreich sein?

    Schuh: Der Tatort wird auch mit den allerschlechtesten Schauspielern erfolgreich sein. Medien haben den Hang zur Standardisierung. Was kann ich in eine Routine verwandeln? Schauspielkunst ist nicht unbedingt das, was das Publikum will, aber mit Sicherheit ist es nicht das, das die Macher vor allem interessiert. Sie wollen wenig Kosten, einen Plot, Glätte und Zuverlässigkeit. Wobei das oft so übertrieben wird, dass damit auch Ausnahmen provoziert werden. Die Simpsons zum Beispiel: eine Parodie auf das Fernsehen im Fernsehen.

    STANDARD: Im Moment verändert sich das Fernsehen stark. Viel Aufmerksamkeit bekommen US-amerikanische Serien, wie "The Wire" , "Breaking Bad" , "Sopranos" , "Mad Men" etc. Schauen Sie da mit?

    Schuh: Oft. Das Seltsame ist, dass in den USA die Massenkultur nie mit einem mächtigen Bannspruch belegt wurde. Durch den Bannspruch im deutschsprachigen Raum hat das massenkulturelle Treiben etwas Obszönes bekommen. Die amerikanische Kultur kennt das nicht. Deshalb können die Amerikaner, wenn sie wollen, auch aus den verrottetsten Formaten etwas Künstlerisches machen. Wohingegen wir Schwierigkeiten haben, sagen wir, aus einer Talkshow ein Kunstwerk zu formen. Dennoch ist es gelungen, nämlich Phettberg und Palm.

    STANDARD: Sie schauen den "Tatort" zeitversetzt. Man muss ihn heute nicht mehr unbedingt am Sonntag um 20.15 Uhr einschalten. Die Konsumenten bestimmen den Zeitpunkt Ihres Konsums. Wie wird das die Gesellschaft verändern?

    Schuh: Auf lange Sicht wird das den Sendern ihre institutionalisierte Bedeutung kosten. Die Informationsseite wird aber immer einen Armin Wolf, den es ja in allen Ländern der Welt gibt, als eigene Klangfarbe brauchen. Das Unterhaltungsprogramm wird sich wie das Bildungsprogramm senderunabhängig konsumieren lassen. Die Frage ist: Wie zerstörbar ist das öffentlich-rechtliche System, zum Besipiel durch absurden Politikereinfluss?

    STANDARD: Sie haben das Manifest "Rettet den ORF" unterschrieben. Hat das etwas gebracht? Ist der ORF überhaupt zu retten?

    Schuh: Das sind Fragen, die ich nicht beantworten kann. Ich halte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für notwendig. Schon die Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks muss bewahrt bleiben, selbst wenn sie nicht realisiert wird, damit man wenigstens diese Idee einfordern kann. Ich glaube (anders als die gewieften Fachleute), dass mit Gerhard Zeiler alles begann, weil er den ORF vom Programm her in einen Privatsender umfunktionierte, noch dazu als Absprungbasis für die eigene Karriere bei RTL, wo man richtig Kohle machen kann. Er ist einer, der die Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ruiniert hat.

    STANDARD: Dann müsste Ihnen ORF-Intendant Alexander Wrabetz gut gefallen, der das Private im ORF zum Scheitern gebracht hat. Die Marktanteile sind im Keller.

    Schuh: Es konnte nur scheitern. Der Zeilerismus hat dazu geführt, dass man mit den Privaten verwechselbar wurde. Zeilers Nachahmungstrieb hat keine Chance gelassen, ein öffentlich-rechtliches Programm zu erfinden, das dieses Bedürfnis nach privaten Fernsehprodukten relativiert. Man schwankt einfach hin und her, einmal mehr öffentlich-rechtlich, einmal mehr privat.

    STANDARD:  Liegt das auch am parteipolitischen Einfluss?

    Schuh: Es ist für mich unverständlich, dass jemand wie Laura Rudas, die schon früh die Rolle des Partei-Apparatschiks geübt hat und später "die Jugend in der SPÖ" darstellte, auch nur in die Nähe eines Dementis kommt, diesen oder jenen Personalwunsch an den ORF geäußert zu haben. Der amtierenden Medienstaatssekretär, ein glatter Bursche, ist ebenfalls bloßer Machtfaktor. Das sind Leute, die von Berufswegen zu den Subtilitäten der Medienpolitik keinen Zugang haben. Das Problem von Wrabetz ist ein Patchwork-System, wo einmal die ÖVP mit ihren Leuten vorne liegt und einmal die SPÖ, je nach den jeweiligen Herrschaftsverhältnissen. So schwankt der ganze ORF. Die nicht wenigen klugen Leute, die für ihn noch arbeiten, kommen in die verheerende Lage, dass sie nichts mehr werden können, ohne dass man ihnen ihr Parteibuch vorhält. Das ist ein Zerstören von Potenzial. (Mia Eidlhuber, Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe/Album, 20./21.11.2010)

    Franz Schuh, geb. 1947 in Wien, ist Schriftsteller, Philosoph, Krimispezialist und Lehrbeauftragter an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Zuletzt erschien Memoiren. Ein Interview gegen mich selbst (Zsolnay 2008).

    Mia Eidlhuber, geb. 1971 in Linz, studierte Publizistik- und Politikwissenschaften an der Universität Wien, arbeitete unter anderem für "profil" und "Die Zeit" und ist seit 2004 beim STANDARD. Seit Jänner 2009 ist sie Redakteurin im "ALBUM".

    Doris Priesching studierte Publizistik- und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie ist seit 1990 beim STANDARD und berichtet über Medien. Zurzeit Dissertationsstudium an der Universität Klagenfurt.

    • 40 Jahre "Tatort" und 792 ausgestrahlte Folgen seit dem 29. November 1970 - nur der Vorspann ist bis heute gleich geblieben.
      foto: ard

      40 Jahre "Tatort" und 792 ausgestrahlte Folgen seit dem 29. November 1970 - nur der Vorspann ist bis heute gleich geblieben.

    • Schuh ermittelt: "Beim ‚Tatort‘ wird - eh klar - der Täter sicher erwischt."
      foto: standard/corn

      Schuh ermittelt: "Beim ‚Tatort‘ wird - eh klar - der Täter sicher erwischt."

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