ÖVP prescht bei Schulpolitik vor: Alle Lehrer zu den Ländern

19. November 2010, 15:34
  • Artikelbild
    foto: apa/fohringer

    Mit gebündelten Kräften Verwaltung einsparen und Schmieds Pläne verhindern: Die Landeshauptleute Sausgruber, Platter, Erwin Pröll und Pühringer (v.l.) mit Bundesobmann Josef Pröll (2.v.l.).

  • Artikelbild
    foto: apa/fohringer

    Erwin Pröll übte einmal mehr vernichtende Kritik an Unterrichtsministerin Schmied.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x430
    grafik: apa

    Zahl und Kosten der Bundes- und Landeslehrer - der österreichische Status Quo.

Nur Lehrpläne und Schultypen sollen in Bundeskompetenz bleiben, Länder dafür Lehrer anstellen und Direktoren bestellen - Finanzminister vehement gegen Schmied-Pläne

Bundes-ÖVP und ÖVP-Länder bündeln nun ihre Kräfte in der Schuldiskussion. Bundesobmann Josef Pröll (ÖVP) lud am Freitag zur Pressekonferenz mit allen schwarzen Landeshauptmännern ins Finanzministerium. Die Bildungsziele und Lehrpläne sollen beim Bund bleiben, "dafür bieten die Länder an, alle administrativen Aufgaben zu übernehmen".

Dass das diametral zur Position der zuständigen Bundesministerin Claudia Schmied (SPÖ) steht, nehmen die ÖVP-Granden in Kauf. Sie wollen die gemeinsame Positionierung aber nicht als parteipolitische Frontbegradigung, sondern als ersten großen Schritt zur Verwaltungsreform verstanden wissen. Weil es derzeit noch "ganz starke Verflechtungen im Schulbereich" gebe, wolle die Volkspartei hier "entflechten", sagte Josef Pröll. "Eine Bildungsdirektion pro Bundesland reicht." Die Bezirksebene würde die Volkspartei also einsparen (oder zumindest Landes- und Bezirksschulräte zusammenfassen). Die Finanzierung solle künftig über eine Schülerkopfquote laufen, die festlegt, wie viel Geld die Länder für Lehrer bekommen.

Die Idee hinter der Schülerkopfquote: Die Finanzierung wird zentral gesteuert. Man sieht sich an, was ein Schüler, etwa ein Gymnasiast, kostet, und stellt pro Schüler Geld zur Verfügung, vergleichbar mit der Studienplatz-Finanzierung an Fachhochschulen. Man erhoffe sich davon mehr Transparenz und ein besseres Controlling.

"Vorschlag" ohne SPÖ-Zustimmung

Ob die Pläne auch mit den SPÖ-Landeshauptleuten akkordiert seien? "Wir treten heute hier nur als Mannschaft der Österreichischen Volkspartei auf", sagte Pröll. "Das ist unser Vorschlag, den wir an die Sozialdemokratie richten."

Aus einer Verwaltungsreduktion nach ÖVP-Vorstellung würden die Länder jedenfalls gestärkt hervorgehen. Mit der Forderung, die Organisation von nun an komplett zur Ländersache zu machen, schließt sich Pröll dem an, was die ÖVP-Landeshauptleute schon bisher forderten.

Vernichtende Kritik an Schmied

Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll fasste noch einmal zusammen, was die Landeshauptleute im November 2009 in Frauenkirchen beschlossen hatten. Damals wurde unter anderem festgehalten, dass die Vollziehung des Dienstrechtes aller Lehrer Landessache sein soll.

Er erneuerte seine scharfe Kritik an Schmied: Wäre es nach ihr gegangen, wäre das "unglaublich negativ für den ländlichen Bereich" gewesen. Mit ihrem Vorstoß im Sommer 2010 hätte sie klar gemacht, dass der Bund gegen Schulen in Kleingemeinden sei. Das von Schmied geforderte Controlling interpretiert Pröll als "Strafe zahlen für das Anstellen von Lehrern".

Schmied wollte "Gesamtschule über die Hintertür"

Rund die Hälfte der Volksschulen und rund 40 Prozent der Hauptschulen in Niederösterreich hätten nach Schmieds Vorstellungen schließen müssen, behauptete Pröll. "Über die Hintertür wurde hier die Umsetzung der Gesamt- oder Einheitsschule angestrebt", vermutete der Niederösterreicher.

Der von seinem Neffen Josef unterstützte ÖVP-Vorschlag heiße: "Was gelehrt wird, bestimmt der Bund. Wo gelehrt wird, bestimmen die Länder." Augrund der größeren örtlichen Nähe seien die Landesregierungen dafür besser geeignet, begründete er das.

Breitseite gegen Faymann

Erwin Pröll sparte aber auch nicht mit Kritik an Kanzler Faymann selbst. Nachdem in den Verhandlungen mit Schmied vor einigen Monaten nichts weitergegangen sei, habe ihm dieser vorgeschlagen, Schulgespräche in kleinerem Kreis zu führen. Am kommenden Dienstag hätte er wieder mit Faymann "in kleinstem Kreis" zusammen kommen sollen. Im Laufe dieser Woche habe ihm Faymann aber mitgeteilt, er sei "nicht fähig, die Differenzen zu überbrücken", etwa zwischen Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) und Schmied - weshalb es kein Treffen gab. "Der Bundeskanzler findet sich offensichtlich mit dem Status Quo ab", schloss Niederösterreichs Landeschef daraus.

Auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter appellierte an die SPÖ, sie möge zu einer einheitlichen Position zur Schulverwaltung finden. Die Sozialdemokratie müsse eine "einheitliche Linie" haben, damit man verhandeln könne.

Den Vorwurf, dass es mit einer Verschiebung der Kompetenzen zu den Ländern neun verschiedene Schulen gebe, wies Erwin Pröll zurück: "Es ging nie um neun Schulen in Österreich." Auch Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer bekräftigte: Man wollte "nie neun verschiedene Schulen in Österreich kreieren". Es gehe "nicht um Kleinstädterei und Kantönligeist". Vielmehr würden die Bundesländer "jeden Tag beweisen, dass wir Schule organisieren können, und das effizient". (Lukas Kapeller, derStandard.at, 19.11.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1412
Der Hund von den Simpsons
00
10.12.2010, 21:16
Es tut schon weh ...

... zu sehen, wie der Pröll-Neffe vom Pröll-Onkel immer wieder am Nasenring vorgeführt wird.

Der E. Pröll will scheinbar unbedingt Neuwahlen. Damit hätte man wieder massig Zeit gewonnen, um Reformen zu vermeiden (und irgendwie würden sie es schon wieder in eine Regierung schaffen, um weiter zu blockieren)

Freyjatru *
 
00
22.11.2010, 12:57
Da können'S gleich...

... auch die Privatisierung von Schulungseinrichtungen zulassen.

Genowo
00
22.11.2010, 08:29
Pröllen vor Lachen!

oder:
das Erbrecht der Schwarzen auf dumme Ideen!

John Sandwich
01
21.11.2010, 16:14
Wie der Teufel das Weihwasser ...

... oder wie Mc Carthy den Kommunismus muss die ÖVP offensichtlich die Gesamtschule fürchten, wenn sie jetzt versuchen, die Mutter aller Schlachten in der österreichischen Bildungspolitik auszurufen.

Der Hund von den Simpsons
00
10.12.2010, 21:18
Die ÖVP fürchtet ...

... gebildete und somit mündigere Bürger.

Karl Labruni
01
21.11.2010, 13:45
Wozu braucht es eigentlich noch Länder?

Genowo
00
22.11.2010, 08:12

damit man nicht nur Landeshauptleute, Landesräte, Landtagsabgeordnete, Landtagspräsidenten, Verwaltungsdirektoren, Abteilungsleiter mit gut dotierten Posten der eigenen Partei zuschanzen kann, sondern auch Schulinspektoren, Schulamtsleiter, Direktorsposten, Lehrervertreter und so weiter.

Mit der völlig jenseitigen Diskussion über eine weitere Verländerung der Schule blockieren die Schwarzen auch höchst durchsichtig die dringend notwendigen Debatten über die unsozialen Budgetkürzungen, über die PISA-relevante Einführung der einheitlichen Gesamtschule, über die Blockadepolitik der überflüssig gewordenen Landesfürsten, über die Verwaltungsvereinfachung, über die Finanztransaktionssteuer und über den Nepotismus der Familie Pröll.
Widerlich!

Cpt. Bligh
10
21.11.2010, 17:29
weil uns wien suspekt ist,

und es auch immer bleiben wird.

wir wollen auf unsere wurscht selber aufpassen!

Der Hund von den Simpsons
00
10.12.2010, 21:24
Wien ist auch mir suspekt ...

... und ebenso Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Kärnten, Steiermark.

Apropos Wurst: diejenigen die darauf aufpassen sollen, haben diese und auch die Würste der nächsten 100 Jahre schon gefressen - und wollen noch mehr.

Genowo
00
22.11.2010, 08:21

Von mir aus sollen sie auf ihre "Wurscht" selber aufpassen, aber von der Bildungspolitik sollten die halbgebildeten Landesfürsten ihre parteipolitischen Finger lassen.
Seit wir in der EU sind haben wir vier Verwaltungsebenen: EU, Bund, Länder und Gemeinden.
Zumindest eine Ebene muss es weniger werden.
Sinnvoll wäre es zb. Länder und Gemeinden als Verwaltungseinheiten aufzulösen und stattdessen Bezirksverwaltungen auszubauen.
Aber dabei fürchtet die VP halt um viele wohldotierte Pöstchen, mit denen sie ihre braven Parteisoldaten ködern und belohnen kann.

behan
00
21.11.2010, 11:42

Die Entscheidungen von allgemeinem Interesse, die von einer Versammlung hervorragender, aber verschiedenartiger Leute getroffen werden, sind jenen, welche eine Versammlung von Dummköpfen treffen würde, nicht merklich überlegen.

Ghostrider63
01
21.11.2010, 07:27
Hat Pröll noch immer nix kapiert ?

Ein Sprichwort sagt doch: " HOCHMUT kommt vor dem Fall! "

Wenn Herr Finanzminister Pröll glaubt es tut gut auf den Onkel zu hören, sollte er es lieber lassen!

Übrigens Herr FM Pröll, SIE sagen zu allem Nein und blockieren laufend die SPÖ, ausserdem zeigt sich nun ihre "Scheinheiligkeit" dem Kanzler gegenüber sehr deutlich! Fallen Sie all Ihren "Partnern" so in den Rücken? Ist das ihr vermeintliches Erfolgsrezept? Na dann ist die ÖVP arm dran!

Und was Frauen angeht, egal ob Marek, Fekter oder Schmied, sie haben wohl Angst vor der Emanzipation und anderen Ideen die Frauen an den Tag bringen können.

Dusan Popov
03
21.11.2010, 06:51
Mannschaft der Österreichischen Volkspartei

"Das ist im Burgenland Praxis"
Kleinezeitung.at - Am 14.10.2010 um 23:00 Uhr in Österreich
Bgld Landesrat verhinderte als Bürgermeister die Schließung seiner Hauptschule, indem er vier Schüler zum Schein meldete. Das Urteil: Sieben Monate bedingte Haft. Wegen ... den er in seiner Zeit als Bürgermeister von Zurndorf ..
http://www.kleinezeitung.at/nachricht... axis.story
Vielleicht sollte sich die ÖVP mehr um das öffentliche Verkehrsnetz in den von ihr regierten Ländern kümmern. Nachdem die ÖBB von ihnen in einen derartig desolaten Zustand versetzt wurde und reihenweise Nebenbahnen geschlossen werden, können sie ihre Fähigkeiten und wirtschaftliche Kompetenz beweisen.Aber nicht bei unserer Jugend.

Iris Meier
01
20.11.2010, 23:51
jagt diese alten

machtbesessenen Provinz-Männer davon.....

Kalvarienberg
02
20.11.2010, 22:56
Frage an den Onkel: Was ist jetzt eigentlich mit den versenkten Wohnbau-Milliarden ???

ora 600
04
20.11.2010, 22:47
seit tausenden jahren werden ...

...parasiten mit nassen putzfetzn verjagt.
wir dürfen diese tradition nicht vergessen.

Schüssel Biograf Walter Moers
04
20.11.2010, 21:53
Fast wäre das alles lustig!

Wenn man diese Causa über einen längeren Zeitraum verfolgt, sieht man, dass es Erwin Pröll ganz einfach nicht packt, dass ihm eine Frau widerspricht. - Und noch dazu hat sie alle Fachleute auf ihrer Seite.

So weit, so amüsant. Problematisch wird es halt nur, wenn das Privatproblem des niederösterreichischen Landeshauptmanns durch seinen Neffen zu einem Problem des ganzen Landes gemacht wird.

Kalvarienberg
04
20.11.2010, 21:44
Ihr Gummistiefler: Gebt doch zu, das ihr ganz einfach die Staatskassa auch noch plündern wollt, ihr Super-Mega-Leistungsträger...

Man kann echt nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte, angesichts dieser geballten Ladung Prä- und Inkompetenz !!!

Dusan Popov
09
20.11.2010, 21:01
Zwei offene Briefe!

Sehr geehrter Herr Erwin Pröll!
Nachdem ihre Mitarbeiter bei der Hypo Niederösterreich (offensichtlich mit ihrer Duldung) Millionen verzockt haben, wollen sie nun den Bundestopf anzapfen.
Das ist für dieses Land, aber insbesondwers für die Jugernd und die Zukunft dieses Landes unerträglich.
Es wird Zeit, dass sie ihren Rücktritt erklären.

Sehr geehrter Herr Joseph Pröll!
Es ist unerträhglich, dass sie diese Vorgehensweise decken bezw. unterstützen.
Solche mafiöse Strukturen haben in Österreich nichts zu suchen.Es wird Zeit für ihren Rücktritt, im Interesse der Zukunft dieses Landes.

Nein Danke!!!
20
21.11.2010, 03:07

Der Pröll hat ja nur Millionen verzockt, die Schmied aber sogar Milliarden (Kommunalkredit in die Pleite getrieben - für die weniger Fixen: eine Milliarde sind 1000 Millionen, die Kommunalkredit hat den Steuerzahler bisher ca. 5000 Millionen Euro gekostet).

Insofern hat die Ministerin ihre überragende Kompetenz schon ausgiebig und eindrucksvoll bewiesen.

Stern von Brokot
00
21.11.2010, 19:27
Schleich di, depperter Hetzer ...

morgen war gestern
03
20.11.2010, 20:56

an anderer stelle las ich: "prölliban". jetzt weiß ich, dass es so ist.

weg mit all diesen landeshauptleuten, her mit einer wirklich tiefgreifenden verwaltungsreform, die uns milliarden sparen würde, ohne in die geldbörse der einkommensschwachen zu greifen.

Naturfreund
 
04
20.11.2010, 20:36
1356 Postings bis jetzt

Wahnsinn! Tolle Leistung Hr. Pröll!
Da können Sie sich heute schon ein ordentliches Wahlzuckerl einfallen lassen um diese Pressekonferenz vergessen zu machen.

Stern von Brokot
02
20.11.2010, 19:39
An alle, die es noch nicht kapiert haben:

DIE BLAU-SCHWARZE KARTE IST AUSGESPIELT!

Cornwell
31
20.11.2010, 18:56

Das erste Problem ist einmal, dass Österreich in eine katastrophale Schuldenkrise läuft und nicht willens ist zu sparen.

Solange dieses Problem nicht angegangen wird, brauchen wir über alles andere gar nicht reden, weil es alles mit in den Malström reißt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1412

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.