Forscher fordern von US-Lebensmittelbehörde umfassenden Prüfung von genetisch verändertem Lachs
Berlin - Es wäre ein Präzedenzfall von kaum abschätzbarer Tragweite: Als
erstes genetisch verändertes Tier könnte in Kürze ein Lachs für den menschlichen Verzehr freigegeben werden.
Derzeit prüft die US-Lebensmittelbehörde FDA, ob der Genuss des transgenen
Fisches Gefahren für die Verbraucher birgt. Umweltforscher fordern im Wissenschaftsjournal Science eine viel umfassendere Analyse. Die Entscheidung über das Tier
müsse sämtliche Vor- und Nachteile für Mensch und Umwelt berücksichtigen, mahnen
sie.
Patentierter AquAdvantage
Das patentgeschützte Geschöpf trägt den Namen AquAdvantage: Dahinter verbirgt
sich ein Atlantischer Lachs, der zwei Gene anderer
Fische trägt - vom Königslachs und von einem barschartigen Fisch. Die Erbanlagen
sollen die Bildung von Wachstumshormonen ankurbeln und die Zeit bis zur
Schlachtreife von gewöhnlich drei Jahren etwa halbieren. Zur Prüfung vergleicht
die FDA derzeit den Nährstoffgehalt von natürlichem Lachs und seinem transgenen Artgenossen - vor allem mit
Blick auf Giftstoffe und Allergene.
Diese Prüfkriterien seien bei weitem nicht ausreichend, monieren die
Wissenschafter um den Umweltökonomen Martin Smith von der Duke Universität im
US-Staat North Carolina. Die Behörde lasse damit alle anderen möglichen Vorteile
wie auch Probleme außer Acht, die der Verzehr und die Zucht dieser Fische mit
sich bringen könnten.
Besser mit oder ohne?
Man dürfe nicht nur die Sicherheit einer einzelnen Portion Fisch prüfen,
sondern bewerten, "ob die Gesellschaft insgesamt mit dem neuen Produkt besser
dran ist als ohne es", schreiben die Wissenschaftler. "Geringere Preise für
Lachs hätten einen klaren Nutzen für die
öffentliche Gesundheit", erläutert Smith. "Verbraucher hätten günstigeren Zugang
zu gesundem Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren, deren Nutzen gut belegt ist."
Auf der anderen Seite der Bilanz stehen etliche Risiken: Dazu zählen etwa die
Verschmutzung durch Lachsfarmen, etwaige Krankheiten oder der Fang von Fischen
als Lachsfutter. Zudem könnten die transgenen Fische aus ihren Tanks entwischen
und mit wilden Artgenossen konkurrieren oder sich mit ihnen kreuzen. Dies soll
dadurch ausgeschlossen werden, dass es sich durchweg um sterile weibliche Tiere
handelt, die im Falle einer Genehmigung ausschließlich auf dem Festland
gezüchtet werden dürften.
"Wichtiger Präzedenzfall"
Das gegenwärtige Verfahren prüfe nur einen winzigen Teil der möglichen
Folgen, kritisieren die Forscher. "Die Zulassung von genetisch verändertem Lachs wird ein wichtiger Präzedenzfall für andere
transgene Tiere, die zum menschlichen Verzehr bestimmt sind", betont Smith. "Es
ist notwendig, dass die FDA einen Zulassungsprozess einleitet, der das volle
Einflussspektrum bewertet und gewährleistet, dass die Entscheidung dem Interesse
der Gesellschaft entspricht." (red/APA/dapd)