Kopf des Tages

Ein bubenhafter Helfer für Al-Kaida

Alexander Fanta, 18. November 2010, 19:15

Der Mann mit dem zarten Gesicht und den großen brauen Augen lieferte eine Lastwagen voller Gasflaschen und TNT. Kurz darauf jagten Attentäter der islamistischen Al-Kaida mit diesem Material die US-Botschaft in der tansanischen Hauptstadt Daressalam in die Luft.

So viel gilt über Ahmed Khalfan Ghailani als gesichert. Ein US-Gericht hat den 36-Jährigen am Donnerstag wegen seiner Beteiligung an der Al-Kaida-Attacke auf die US-Vertretungen in Tansania und Kenia 1998 verurteilt.

Der Angeklagte saß zuvor vier Jahre lang in Guantánamo ein. Er ist der erste ehemalige Insasse, gegen den ein zivilen US-Richter urteilte. Eine ganze Reihe anderer Anklagepunkte gegen Ghailani mussten fallengelassen werden. Vorherige Geständnisse seien ihm unter Folter abgepresst worden und darum ungültig, urteilte das Gericht.

Er habe nichts von den Anschlägen gewusst, beteuerte er. Seine Verteidiger beschreiben den tansanischen Staatsbürger als "naiven Mann", der von den Al-Kaida-Männern hineingelegt wurde. Die amerikanischen Geheimdienste sprechen hingegen von ihm als einem der Drahtzieher der Anschläge. Die vergleichsweise milde Verurteilung mit einem Höchststrafmaß von 20 Jahren Haft gilt als Rückschlag für die US-Behörden, die auf eine Verurteilung aller ehemaliger Guantánamo-Häftlinge hoffen.

Ghailani spricht neben seiner Muttersprache Suaheli auch Englisch, es dürfte ihm den Umgang mit den Amerikanern bei Verhören vereinfacht haben. Er wuchs auf der Insel Sansibar auf, die wohlhabender ist als das tansanische Festland.

Nach den Anschlägen soll Ghailani gemeinsam mit einem kenianischen Komplizen nach Westafrika gegangen sein, in die liberianische Hauptstadt Monrovia. Der britische Observer berichtete, die beiden Männer handelten dort mit illegalen "Blutdiamanten", um Kapital für Al-Kaida zu lukrieren. Die Operation dort sei jedoch beendet worden, nachdem der Al-Kaida-Führung Berichte von Ausschweifungen mit Frauen und Alkohol bekanntwurden.

Später ging Ghailani als islamischer Wanderprediger nach Pakistan, wo er eine Usbekin heiratete. Das Paar soll gemeinsame Kinder haben. Im Jahr 2004 wurde er von den Behörden verhaftet. Die folgenden zwei Jahre verbrachte er in geheimen CIA-Gefängnissen, im Jahr 2006 wurde er nach Guantánamo überstellt. Seine Verteidiger wollen gegen seine Verurteilung berufen. (Alexander Fanta, STANDARD-Printausgabe, 19.11.2010)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.