Tausendundeine Pracht

18. November 2010, 16:59
43 Postings

Über 22.000 Continental GT hat Bentley seit 2003 verkauft. Nun wird das Supercoupé nach dem Motto "Mehr ist mehr" für Superreiche neu aufgelegt

Tausendundeine Macht gab's im VW-Konzern schon, beim Bugatti Veyron, mit seinen 1001 PS, mit denen er 2005 die Welt der Automobil-Enthusiasten in Aufregung versetzte. Das Thema war also besetzt - und, ganz ehrlich, so hoch will Bentley nun auch wieder nicht hinaus. Besann man sich für den neuen Continental GT also einer anderen Kernkompetenz: tausendundeine Pracht.

Warum die 1001-Nacht-Assoziationen? Nun, Bentley hatte die Präsentation seines Bestsellers ins Morgenland verlegt, in den Oman, Heimat von Weihrauch, Myrrhe und Sindbad dem Bentleyfahrer - Pardon: Seefahrer. Also mutierte man quasi mit Hermann Hesse zum temporären Morgenlandfahrer, nahm Platz im Conti GT, gekleidet in Aegean Blue - eine Farbe, die im harten Mittelostlicht unglaublich fetzt, in Mitteleuropa vielleicht nicht so sehr, und tastete sich bedächtiglich ans Gefühl heran, wie es ist, eine 230.000-Euro-Wertanlage zu steuern.

Die Fakten zu diesem Coupé, das mit "exklusiv" nur unzureichend klassifiziert ist, sind rasch erzählt: 575 PS leistet der 6,0-Liter-W12, 15 PS mehr als bisher. Im Gegenzug wurde der Wagen um exakt die Masse des Standard-Testers abgeschlankt, 65 kg. Zur Performance gilt damit noch mehr als bisher, dass man 99,9 Prozent der Autowelt abschüttelt wie lästige Insekten, legt man's denn darauf an. Dazu wurde die Hochgeschwindigkeitsstabilität nochmals optimiert, für alle Morgen- und Abendlandfahrer, zugleich wurde der Verbrauch leicht gesenkt. Bei den Dimensionen legte der Wagen in der Breite um 40 mm zu, in der Höhe um 15 mm, die Länge bleibt mit 4,81 m ident mit dem Vorgänger, von dem in Österreich bisher rund 200 Stück verkauft wurden.

Warum das Weihrauchland die Weihe der Pressepräsentation zugesprochen bekam, erklärte Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen auch damit, dass der Mittlere Osten während der Krise ein erstaunlich stabiler Absatzmarkt gewesen sei. Apropos Absatz: Heuer fährt man mit rund 5000 verkauften Autos aus der Talsohle, 2011 rechnet Paefgen mit "signifikant mehr", da nicht nur der Conti erneuert wurde, sondern auch das Flaggschiff Mulsanne gut anläuft. Interessant ist ferner, dass die Amis statt 40 nur mehr 30 Prozent aller Bentleys ordern. Großbritannien ist mit 20 Prozent stabil, China holt aber massiv auf: Der Absatz wurde dort von 500 auf 1000 Stück glatt verdoppelt. Damit wird Albion wohl schon nächstes Jahr abgehängt.

Noch ein Wort zur Motorisierung: Dank Bentley ist der im Continental verbaute W12 der meistgebaute PKW-12-Zylinder aller Zeiten. Ende 2011 aber bekommt er Konkurrenz. Dann nämlich tritt ein neuer 4,0-Liter-V8 an, der gerade mit Audi entwickelt wird. "Was darf der denn leisten?", frägt Paefgen in die Runde. Vorschläge bitte an Ihren Bentley-Händler. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/19.11.2010)

Link
Bentley

Zum Gustieren
Bentley Gebrauchtwagen
auf derStandard.at/AutoMobil

  • Ägäischblau heißt diese Couleur. Kommt gut, speziell in Mittelost.
    foto: werk

    Ägäischblau heißt diese Couleur. Kommt gut, speziell in Mittelost.

  • Noch markanter im Design tritt der zweite Conti GT an.
    foto: werk

    Noch markanter im Design tritt der zweite Conti GT an.

  • Sein W12-Motor leistet 15 PS mehr. Und beim Gewicht speckte der Wagen 65 kg ab.
    foto: werk

    Sein W12-Motor leistet 15 PS mehr. Und beim Gewicht speckte der Wagen 65 kg ab.

  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.