Billigkonkurrenz bereitet Salzburgs Skilehrern Sorgen

18. November 2010, 13:47
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Die "Traumtänzer" hätten keine Ahnung von Land und Leuten, und auch nicht das selbe Ausbildungsniveau

Salzburg - Die 116 Salzburger Skischulen lehren pro Saison rund 100.000 Kindern und Erwachsenen, wie man perfekte Schwünge in den Schnee setzt. "Sie beschäftigen rund 6.000 Mitarbeiter und sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor", betonte Gerhard Sint, Obmann des Salzburger Berufsski- & Snowboardlehrerverbandes (SBSSV), am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Sorgen macht ihm unlautere Konkurrenz: Reiseveranstalter, die bei Gruppenreisen gleich einen eigenen Skilehrer mitbringen.

Diese "Traumtänzer" brächten nicht das Ausbildungsniveau der heimischen Skilehrer mit und hätten keine Ortskenntnis. Außerdem sei diese Praxis auch nach EU-Recht illegal, erklärte Sint. Derzeit gebe es zwar nur wenige Fälle, langfristig könnte diese Konkurrenz aber dazu führen, dass das örtliche Angebot ausgedünnt werde, warnte Sint. Es gehe vor allem um die Sicherheit der Gäste. Die heimischen Skilehrer müssten eine umfangreiche Ausbildung durchlaufen, sie wüssten auch um die alpinen Gefahren Bescheid. Sint erzählte von einem Vorfall in Saalbach, wo einer dieser Gruppenleiter mit Skianfängern auf eine schwarze Piste gefahren war. Ein Kontrollor habe in der örtlichen Skischule angerufen und drei Skilehrer angefordert, um die verzweifelten Kinder wieder sicher ins Tal zu bringen.

Mit ausländischer Konkurrenz haben die heimischen Skilehrer solange kein Problem, solange sie sich an die gesetzlichen Rahmenbedingungen halten. Um in Österreich tätig zu werden, muss ein Skilehrer eine Konzession zum Führen einer Skischule in seiner Heimat nachweisen. Solche Anträge auf Zulassung gebe es bisher nur sehr wenige, sagte SBSSV-Geschäftsführer Wolfgang Viehhauser.

Ohne ausländische Kollegen könnten die Salzburger Skischulen aber ihre Arbeit nicht bewältigen. Je internationaler das Publikum in den Wintersportorten werde, desto stärker werde die Nachfrage nach Skilehrern, die die Muttersprache der Gäste beherrschen. So braucht es in Wagrain, wo es besonders viele dänische Gäste gibt, auch Skilehrer aus Dänemark. Unter den rund 2.000 Personen, die alljährlich die Aus- und Weiterbildungen des Berufsskilehrerverbandes besuchen, sind 40 Prozent Ausländer, berichtete Viehhauser. In der Praxis arbeiten zwei Drittel einheimische Lehrer, etwa ein Viertel kommt aus dem Ausland. Diese Mitarbeiter in den Skischulen sorgen pro Saison für rund 100.000 Nächtigungen in den Wintersportorten. (APA)

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    foto: tvb silberregion karwendel
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