Die haarsträubenden Tricks der Internet-Betrüger

18. November 2010, 16:58
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22.000 Euro für (k)eine Katze, Millionen gegen Opus Dei-Virus

Wir schreiben das Jahr 2010 und noch immer gibt es Menschen, die auf Internet-Betrüger hereinfallen, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen. Mit welchen hanebüchenen Geschichten Internet-Betrüger ihre Opfer teilweise um Millionenbeträge bringen, ist erstaunlich. Und selbst die "Cyber-Kriminellen" selbst lassen sich an der Nase herumführen.

Trick 17: Scam-Mails

Am weitesten verbreitet ist wohl der sogenannte "Nigeria-Scam", auch als Vorschuss-Betrug oder 419-Scam bekannt, nach Paragraph 419 im nigerianischen Strafgesetzbuch. Dabei geht es darum, dass Personen per Mail damit geködert werden, eine saftige Provision zu erhalten, wenn sie dabei helfen einen Geldbetrag in Millionenhöhe in ein anderes Land zu überweisen. Den Personen wird vorgegaukelt, dass sich ein verschollener Verwandter in Not befindet oder sie der Witwe einen inhaftierten Ex-Präsidenten irgendeines kleinen Landes helfen sollen. User, die darauf reinfallen und antworten, werden aufgefordert, kleine Geldbeträge zu schicken, um die Hilfesuchenden zu unterstützen. Unglaublich, aber wahr: Alleine in den USA werden Menschen damit jährlich um hunderte Millionen Dollar aufs Kreuz gelegt.

Um 400.000 Dollar betrogen

Einer der schlimmsten Fälle des Scam-Betrugs flog 2008 auf. Eine US-Amerikanerin sendete den Betrügern auf diese Weise insgesamt 400.000 US-Dollar. Man hatte ihr vorgespielt, dass ein verschollener Verwandter 10 Millionen Dollar aus Nigeria schaffen wollte. Die Kriminellen schickten der Frau sogar gefälschte Dokumente und Briefe der UNO, der Bank von Nigeria, des FBI und des damaligen US-Präsidenten George W. Bush, um aufkommende Zweifel aus dem Weg zu räumen. Die Frau löste das Ruhestandskonto ihres Mannes auf, nahm eine Hypothek auf ihr Haus auf und ignorierte Warnungen der Bank und der Polizei.

Nicht einmal eine Katze

Es muss aber nicht immer Geld sein, das den Opfern versprochen wird. Populär sind auch gefälschte Profile in Partnerbörsen, wobei meist Männer damit gelockt werden, einer hübschen Frau ein Flugticket zu zahlen, um diese aus ihrem Heimatland zu sich zu holen. Überflüssig zu sagen, dass die Umworbene nie ankommt. Demselben Prinzip, jedoch mit einem ungewöhnlichen "Köder", folgte erst dieses Jahr der Betrugsfall um eine 19-jährige Salzburgerin, die auf eine Anzeige antwortete. Darin wurde eine kostenlose Katze versprochen. Die "britische Kurzhaarkatze" sollte aus Kamerun eingeflogen werden, alleine das Ticket hätte die 19-Jährige zahlen müssen. Doch dann wurde das Opfer immer wieder vertröstet, die Katze sei krank, die Frau müsse inzwischen Kosten für Pflege, Futter, EU-Pass usw. übernehmen. Letztendlich hatte die Frau rund 22.000 Euro überwiesen. Als die Katze zum vereinbarten Termin nicht geliefert wurde, erstattete die Salzburgerin immerhin Anzeige bei der Polizei.

Scammer als Opfer

Aber auch die Betrüger selbst sind nicht davor gefeit, auf Tricks hereinzufallen. Manche Menschen haben inzwischen gar ein Hobby daraus gemacht, die Scammer selbst an der Nase herumzuführen. Die Scam-Jäger antworten auf die Köder-Mails und schaffen es teilweise sogar die Betrüger um die ganze Welt, teilweise in gefährliche Gebiete zu locken. Auf 419eater.com prahlen die Scam-Jäger mit ihren Geschichten.

Zauberei für willige Opfer

Der "Beruf" des Scammers scheint mitunter sehr einträglich zu sein. Mehrere Zehntausend Dollar können einige von ihnen im Monat verdienen. Finanzkrise, Scam-Jäger und verstärkte Aufklärung machen den Betrüger jedoch das Leben schwer. Und so gibt es offenbar ein blühendes Geschäft mit vermeintlichen Hilfmittelchen. Von magischem Pulver, das den Scammer Macht über ihre Opfer verleiht, oder Talismanen wie Schildkröten-Amuletten ist die Rede. Es ist wohl niemand davor gefeit zu glauben, was man glauben will. Betrugs-Opfer möchten daran glauben, unerwartet Millionen zu erben. Die Betrüger wollen daran glauben, dass sie mir Zaubermitteln mehr Glück haben.

Und dann kam der Opus Dei-Virus

Eines haben alle Internetbetrüger gemein: Wenn es darum geht, Menschen davon zu überzeugen Geld herauszugeben, ist Kreativität und Ausdauer gefragt. Der Fall eines US-Komponisten, der um sechs Millionen erleichtert worden sein soll, fällt zwar nicht in die Kategorie Scam, ist aber der bis dato wohl haarsträubendste Fall eines Computer-Betruges. Das ganze Ausmaß des Schadens ist bislang noch nicht bekannt, flogen die Betrüger doch erst vor kurzem auf. Die Geschichte: 2004 fürchtete ein US-Komponist sich einen Virus auf seinem Computer eingehandelt zu haben und trug das Gerät in einen Computer-Service-Shop. Die beiden Betreiber des Shops, ein Pärchen, tischten dem ahnungslosen Mann eine unglaubliche Geschichte auf. Auf dem Rechner befinde sich tatsächlich ein Virus, der von einer Festplatte in einem Dorf auf Honduras stamme. Dort würden polnische Priester aus dem Umfeld des Opus Dei eine Verschwörung gegen ihn und die US-Regierung planen. Mit monatlichen Zahlungen, versicherten die Betrüger dem Mann, könnten sie ihn jedoch schützen und den Virus entfernen. Sechs Jahre lang sollen die beiden ihr Spiel mit dem Pianisten getrieben und ihm so über sechs Millionen Dollar abgenommen haben. Erst Anfang November 2010 wurden die beiden festgenommen.

(Neu)gier

Dass es heute noch immer Menschen gibt, die auf die Scammer-Tricks hereinfallen, ist nur schwer zu glauben. Es dürfte wohl eine Mischung aus Neugier, Gier und Ahnungslosigkeit sein, die Personen auf solche Mails antworten lassen. Wie viele Personen tatsächlich betroffen sind, kann schwer eruiert werden. Bei vergleichsweise kleineren Beträgen, wird wohl nicht jeder zur Polizei gehen und zugeben, auf diesen offensichtlichen Schwindel hereingefallen zu sein. Über die Betroffenen sollte man sich natürlich nicht lustig machen, könnte doch die eigene Oma, die man gutgemeint mit Netbook oder Tablet ins Internet-Zeitalter geholt hat, auch darauf hereinfallen. Aber zugegeben: die Kreativität mancher Betrüger ist doch Hollywood-reif. (Birgit Riegler/derStandard.at, 18. November 2010)

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