Schuldenberge und Arbeitslose bremsen

18. November 2010, 11:03
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Österreichs Wachstum soll mit zwei Prozent unter OECD-Schnitt liegen

Wien/Paris/Berlin - Die Wirtschaft der Industriestaaten kommt angesichts hoher Schuldenberge und Arbeitslosenzahlen langsamer aus der tiefsten Krise der Nachkriegsgeschichte als erhofft. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris betonte am Donnerstag in ihrem jüngsten Konjunkturausblick: "Die weltweite Wirtschaftstätigkeit hat sich stärker verlangsamt, als in den ersten Monaten des Jahres zunächst erwartet worden war." Der Übergang von befristeten Wachstumsimpulsen zu einem selbsttragenden Wachstum verlaufe ungleichmäßig.

Die Organisation bestätigte damit den Trend, den sie bereits Anfang des Monats im Vorfeld des G-20-Gipfels in Südkorea vorhergesagt hatte. Für die USA prognostiziert die OECD im nächsten Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent. Für den gesamten OECD-Raum rechnen die Konjunkturforscher mit einem Wert von 2,3 Prozent. Die Schätzung für die Eurozone liege bei 1,7 Prozent Wachstum, für Deutschland dagegen bei 2,5 Prozent. Österreichs Wirtschaft soll um 2,0 Prozent wachsen.

Im Juni-Ausblick hatte die OECD für die USA noch ein Wachstum der Wirtschaftsleistung um 3,2 Prozent vorhergesagt. Für den OECD-Raum lag die Schätzung bei 2,8 Prozent, für die Eurozone bei 1,8 Prozent.

Jährlich zwei Prozent

Für Österreich wird in der November-Prognose ein gleichmäßig konstantes Wirtschaftswachstum bis zum Jahr 2012 vorhergesagt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde jährlich um 2,0 Prozent zulegen. Damit liegt Österreich in den Jahren 2010 und 2011 über der Euro-Zone, für die jeweils 1,7 Prozent Wachstum erwartet werden. Im Jahr 2012 soll dann auch die Euro-Zone um 2,0 Prozent wachsen.

Die Arbeitslosigkeit in Österreich wird von 2010 bis 2012 leicht von 4,5 Prozent auf 4,3 Prozent sinken, so die Prognose. Die Inflation soll von heuer 1,6 Prozent auf 1,8 Prozent nächstes Jahr und 1,9 Prozent im Jahr 2012 geringfügig steigen. Beim Budget sei eine Erholung in Sicht: Das Defizit soll von heuer 4,4 auf 3,4 Prozent im nächsten Jahr und schließlich auf 3 Prozent 2012 sinken.

Wirtschaftsminister sieht soliden Wachstumskurs

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sieht durch die neue OECD-Prognose den "soliden Wachstumskurs Österreichs" bestätigt. Im nächsten Jahr wolle man diese positive Dynamik durch gezielte Maßnahmen wie die Förderaktion für die thermische Sanierung und die Erhöhung der Forschungsprämie verstärken. "Unser Aufschwung geht weiter, ist allerdings noch kein Selbstläufer. Derzeit ist das wirtschaftliche Umfeld zwar stabiler als noch im Frühjahr, aber angesichts der hohen Verschuldung einiger Länder und der Unsicherheiten am Finanzmarkt besteht weiterhin die Gefahr von Rückschlägen", warnt Mitterlehner vor allzu großer Euphorie.

Für alle 33 OECD-Staaten rechnet die Organisation mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent im nächsten Jahr und für 2012 mit 2,8 Prozent. Die Schwellenländer werden deutlich schneller wachsen als die OECD-Länder und den Welthandel beflügeln, erwarten die Ökonomen.

Konsolidierung ab 2011

Die Konsolidierung der Staatsfinanzen sollte im Laufe des Jahres 2011 begonnen werden, appelliert die Organisation an ihre Mitgliedsländer: "In dem Maße, wie der fiskalpolitische Stimulus entzogen wird, müssen die Regierungen einen glaubhaften mittelfristigen Politikrahmen vorgeben, um die Erwartungen des privaten Sektors zu stabilisieren und das Vertrauen in die Erholung zu stärken", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria. "Verstärktes Vertrauen könnte zu einer noch schnelleren Erholung führen als derzeit prognostiziert."

Die fiskalische Konsolidierung sollte nur dann beginnen, wenn sich keiner der Risikofaktoren der Prognose einstellt. Dazu zählen für die OECD-Volkswirte ein möglicher erneuter Fall der Immobilienpreise in den USA oder Großbritannien, die hohen Staatsschulden einiger Länder sowie mögliche Renditeausschläge bei Staatsanleihen.

Globale Ungleichgewichte, sowohl innerhalb der OECD als auch gegenüber Schwellenländern, stellten nach wie vor eine Gefahr für die Erholung dar. Die OECD warnt vor einseitigen Aktionen als Reaktion auf Wechselkursschwankungen. Stattdessen sei eine internationale Zusammenarbeit erforderlich. (Reuters)

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    Die Schwellenländer werden in den nächsten zwei Jahren deutlich schneller wachsen als die OECD-Lände.

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