Facebook-Browser

RockMelt ist nichts für schwache Nerven

18. November 2010, 10:45

Es ist der Browser für Menschen, die mehr oder weniger rund um die Uhr auf Facebook und mit Twitter leben

RockMelt, ein neuer Internet-Browser mit speziellen Funktionen für Facebook, Twitter und andere soziale Netze, ist nichts für schwache Nerven. Es ist der Browser für Menschen, die mehr oder weniger rund um die Uhr auf Facebook und mit Twitter leben, jeden Post ihrer "FreundInnen" verfolgen und selbst laufende Kommentare zum Tagesgeschehen auf ihrem Bildschirm abgeben.

Nerven

Warum man dazu starke Nerven braucht? Es beginnt damit, dass der Browser als Erstes Namen und Kennung des Users wissen will, damit er die Anmeldeformalitäten erledigen kann. Was in Hinblick auf mögliche Missbrauchsszenarien RockMelt nicht gerade zum Lieblingsbrowser von Datenschützern machen wird - man denke nur an die mögliche Verbindung der Browsergeschichte mit der eigenen Identität.

Die eigentliche Krux ist jedoch das völlige Eintauchen in unsere Onlinenetze. Wer kann schon einem Button widerstehen, der ständig darauf hinweist, dass es neue Meldungen gibt? RockMelt nützt den Bildschirm (vor allem wenn er im 16:9-Format ist) sehr geschickt: Links kleine Bildchen der "FreundInnen", die gerade online sind, für einen Chat nur einen Klick entfernt, rechts Buttons für Facebook, Twitter und RSS-Feeds - etwa die laufenden Schlagzeilen von derStandard.at.

Alles erfolgt sehr schnell und mühelos direkt aus dem Browser

Man sieht, wo das hinführt: Mit jedem kleinen Markerl, dass neue Meldungen da sind, steigt die Versuchung, diese schnell zu checken - wofür es ein schmales Fenster gibt, so dass der jeweilige Browserinhalt nur marginal gestört wird. Kommentare, neue Posts: Alles erfolgt sehr schnell und mühelos direkt aus dem Browser.

Das macht den Fluss an Mitteilungen, Kommentaren, eigenen Posts zwar einerseits zur Hauptsache, weil daraus eine ständige Beschäftigung wird. Aber es macht ihn interessanterweise auch zur Nebensache, weil es nebenbei erledigt wird und keine eigene Seite oder App aufgerufen werden muss. Interessante Webseiten "teilen" (per Tweet, Facebook-Update oder Mail anderen mitteilen), das Kleingeld von Social Media, ist ein Button gleich neben der jeweiligen Webadresse; der jeweilige Link wird gleich auf me.lt abgekürzt, eine Kurz-URL, die in nächster Zeit wohl öfter auftauchen wird.

Der Browser selbst beruht auf Chromium, der offenen Plattform des Google-Chrome-Browsers. An dessen Funktionen ist wenig geändert, nur der Addresszeile (bei Google zugleich Suchfeld) wurde eine separate Suche hinzugefügt. Bei einer Suche erscheint die Ergebnisliste in einem schmalen Fenster, wandert man mit dem Cursor die Liste entlang, sieht man daneben die jeweilige Seite. Cool.

Flock

RockMelt ist nicht der erste Browser, der Social Media integriert, diese Ehre geht an Flock. Zu den Geldgebern des Start-ups gehört Marc Andreessen, dessen Mosaic-Browser und später Netscape die Tür zum Web dem allgemeinen Publikum geöffnet hat. Würde Facebook nicht nur ein erweitertes E-Mail- und Messaging-Programm machen, sondern auch noch einen Browser: Er würde so ähnlich aussehen wie RockMelt. Vielleicht ist das ja auch die Exitstrategie der Browsermacher.(spu, DER STANDARD Printausgabe, 18. November 2010)

Der WebStandard auf Facebook

Kommentar posten
10 Postings
BlauerPenner
00
18.11.2010, 11:44

wieso sollte so einen Browser jemand benutzen wollen? oder versteh ich da irgendwas nicht?

xray -
00
18.11.2010, 23:24

wer das bedürfnis hat so zu leben, sucht nach werkzeugen, um das effizient zu praktizieren.
deshalb gibt es so einen browser.

ich wette, es gibt leute, die ihn nutzen wollen.

nonixnarretz
13
18.11.2010, 13:29

sie verstehen da irgendwas nicht. und schliessen von sich auf alle. und nicht der browser benutzt jemanden, sondern jemand benutzt den browser. ;)

es gibt menschen (recht viele), die in social networks sehr aktiv sind, die taeglich mehrmals ihre stammblogs checken, die ohne tweets nicht sein wollen, die einen wesentlichen teil ihres kulturellen und privaten lebens online verbingen.

darueber will ich jetzt nicht urteilen, aber fuer die ist dieser browser aeusserst interessant, und es wird noch mehrere dieser art geben.

oder haben sie geglaubt dass web 2.0 (und bald 3.0) ohne neuen browserideen auskommen wird?

Plaats van Samenkomst
00
18.11.2010, 17:05
"und nicht der browser benutzt jemanden, sondern jemand benutzt den browser."

Da haben sie recht, aber wie kommen sie darauf, dass BlauerPenner das behauptet habe?

do the evolution
00
18.11.2010, 19:30
"wieso sollte so einen Browser jemand benutzen wollen?"

na weils da steht

nonixnarretz
00
18.11.2010, 23:49

na eben nicht. jemandEN, dann waers falsch gewesen. mea culpa, aber sowieso offtopic, also wurscht.

BlauerPenner
01
18.11.2010, 16:52

"sie verstehen da irgendwas nicht. und schliessen von sich auf alle"

Ich habe nicht von mir auf andere geschlossen sondern einfach die Sinnhaftigkeit hinterfragt - die Sie mir ja dann anhand einiger beispiele Aufgezeigt haben ;)

Ja wir benutzen Browser und nicht umgekehrt - danke für die Mitteilung (den Rest hat ja ein Vorposter schon erklärt) ;)

nonixnarretz
00
18.11.2010, 23:54

naja, so ein bisschen "wenn ich's nicht brauch kann ich mir nicht vorstellen dass es wer anderer brauchen kann" flair umwehte ihre formulierung, meinerseits natuerlich eine etwas ueberspitzte unterstellung.

mir persoenlich ist auch nicht ganz klar was mensch mit zum beispiel twitter anfangen soll. oder ab wie oft facebook aufmachen pro tag es bedenklich wird.

aber eben da scheint dieser browser interessante ansaetze zu gehen. endlich mal weg vom simplen seiten aufrufen, hin zur integration von dingen die man immer wieder redundant tut.

Marko repairs
03
18.11.2010, 15:31

"und nicht der browser benutzt jemanden, sondern jemand benutzt den browser."

Klassisches Eigentor. ;-)

DerStandard.at sollte im übrigen die Option, Beiträge selbst löschen oder editieren zu können, einführen.

nonixnarretz
02
18.11.2010, 15:53

stimmt. verlesen. :)

und stimmt. bearbeiten zumindest.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.