„Sex, we can?!"

18. November 2010, 10:43
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Aufklärungs-Film und -Workshops der Stadt Wien erzielen hohe Akzeptanz bei Jugendlichen

Wien - „Emotionale Themen müssen im Aufklärungs-Unterricht mehr Beachtung finden", fordert  Sonja Wehsely, amtsführende Stadträtin für Gesundheit und Soziales, anlässlich der diesjährigen „fem vital". „Studien belegen, dass sich gerade junge Menschen viele Informationen zum Thema Sexualität aus dem Internet holen. So erhalten sie ein Bild, das nicht der Realität entspricht. Gleichzeitig wird in Schulen oft nur auf die biologische Seite von Liebe und Sex eingegangen. Das ergibt eine Informationslücke, die Unsicherheit und damit auch Gefahren mit sich bringt."

68 Prozent der „aufgeklärten" Befragten kritisierten in der aktuellen Durex-Studie, dass sie nicht genug über sexuell übertragbare Krankheiten wissen würden. 70 Prozent gaben an, dass die wichtigste Quelle ihrer Aufklärung der Schulunterricht gewesen sei, wobei nur zehn Prozent über emotionale Themen wie Liebe und Sex informiert wurden. 60 Prozent der Frauen und 48 Prozent der Männer hätten sich mehr Informationen über emotionale Themen gewünscht.

Die Stadt Wien hat diesem Problem bereits im vergangen Jahr mit dem Film „Sex, we can?!" bereits Rechnung getragen, der inzwischen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. „Die Akzeptanz dieses Films durch Jugendliche ist beeindruckend," berichtet Wiens Frauengesundheits-Beauftragte Beate Wimmer-Puchinger: Im Mai und Juni 2010 wurden rund 360 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 12 und 22 Jahren aus verschiedenen Schultypen über das animierte Aufklärungsvideo befragt, das die Geschichte von Sophie und David und ihren auch emotionalen Hindernissen bis zum „ersten Mal" erzählt. Rund zwei Drittel der Jugendlichen befanden den Film für interessant, informativ und verständlich. Nur 4,5 Prozent fanden ihn uninteressant.

13.000 Zugriffe

Die flächendeckende Aufklärungs-Initiative der Stadt Wien in den Gemeindebezirken Favoriten und Brigittenau läuft ebenso erfolgreich. Rund 1.242 Buben und Mädchen aus 86 Prozent aller Schulen der beiden Bezirke (Durchschnittsalter 14 Jahre) wurden in Sexual-Workshops von externen Beratern über sexuelle und reproduktive Gesundheit informiert. Nach dem Workshop bestand für die Schüler die Möglichkeit, bei konkreten Fragen per Internet mit den Beratern in Kontakt zu treten. „Der Erfolg dieses Angebots ist mit beeindruckenden 13.000 Zugriffen auf die Beratungsseite dokumentiert", bilanziert Wimmer-Puchinger.

Erstaunlich war auch die inhaltlich hohe Akzeptanz. 95 Prozent aller Jugendlichen gaben an, an dem Workshop sehr interessiert gewesen zu sein. Nur 4,8 Prozent waren „ein bisschen" und 0,2 Prozent überhaupt nicht an dem Workshop interessiert. 90 Prozent aller Jugendlichen gaben an, dass ihnen alles, was im Workshop gemacht wurde, gefallen hätte. 89 Prozent befanden, dass Themen besprochen wurden, die für das eigenen Leben wichtig waren oder sind. Nur ein Prozent aller Jugendlichen glaubten, dass der Workshop für die bestehende oder für zukünftige Beziehungen keinen Nutzen habe.

„Die positiven Ergebnisse bestätigen eindeutig die Sinnhaftigkeit eines ergänzenden sexualpädagogischen Unterrichts durch externe Experten", sagt dazu Wimmer-Puchinger. „Eine Ausweitung beziehungsweise Institutionalisierung dieses Angebotes wäre sinnvoll. Diese Art von Sexualerziehung könnte die notwendige Grundlage bieten, dass Jugendliche selbstbestimmt und eigenverantwortlich mit dem Thema sexuelle Gesundheit, Schutz vor ungewollten Schwangerschaften, sexuell übertragbaren Krankheiten und sexuellen Übergriffen umgehen."

fem vital 2010 - Schwerpunkt Aufklärung für junge Frauen

Auch auf der diesjährigen Frauengesundheitstagen fem vital im Wiener Rathaus können sich junge Frauen bei Beratungsstellen und Diskussionsrunden eingehend über sexuelle und reproduktive Gesundheit informieren. (red)

Fem vital 2010 - Wiener Frauengesundheitstage
Rathaus, Eingang Lichtenfelsgasse
Samstag, 20. November und Sonntag, 21. November 2010, jeweils von 11 bis 18 Uhr
Eintritt frei

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