Der mutmaßliche Waffenhändler Viktor But wurde ausgeliefert.
Die Adresse 150 Park Row hat einen neuen prominenten Bewohner. Im Untersuchungsgefängnis von Manhattan ist der mutmaßliche Waffenschieber Viktor But in bester Gesellschaft. Hier sitzen auch andere große Nummern - einst etwa der Milliardenbetrüger Bernard Madoff - in Untersuchungshaft. Nach 2,5 Jahren in einem BangkokerGefängnis haben die thailändischen Behörden den russischen Staatsbürger an die USA ausgeliefert.
Das bisherige Leben des 43-Jährigen lieferte genug Stoff für mehrere Bücher und sogar für einen Hollywoodfilm. In Händler des Todes verkörpert Nicolas Cage den russischen Waffenhändler Juri Orlow, der But nachempfunden sein soll.
But wurde 1967 in Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan, geboren. Schon früh beginnt sich der Sohn eines Automechanikers und einer Buchhalterin für Sprachen zu interessieren und lernt sogar Esperanto. Nach der Ausbildung am militärfremdsprachlichen Institut in Moskau, wo But Portugiesisch lernt, wird er in den 80er-Jahren nach Mosambik und Angola geschickt. Dort soll er sich auch mit dem Dolmetscher Igor Setschin, der mittlerweile mächtiger russischer Vizepremier ist, angefreundet haben - was But, genauso wie Kontakte zum russischen Geheimdienst, aber bestreitet.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nutzt But die Gunst der Stunde, kauft günstig einige alte Flugzeuge aus Armeebeständen und gründet ein Frachtunternehmen. Bald wächst die Flotte auf 50 Maschinen an und die Transportfirma auf 1000 Mitarbeiter mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
But, der sich selbst auf seiner Internetseite als "dynamische, charismatische, spontane, gutgekleidete und wortgewandte Person voller Energie" beschreibt, transportiert von Anfang an nicht nur Schnittblumen. Laut den US-Ermittlern soll But die Regime in Afghanistan, Angola, Kongo, Liberia, Ruanda, Sierra Leone und Sudan mit Waffen versorgt haben. Zu seinen Kunden gehören der liberianische Kriegsherr und Präsident Charles Taylor genauso wie die Taliban.
2001 wird der Waffenhändler während einer Uno-Mission enttarnt. 2008 tappt er in eine Falle der Ermittler, die sich als kolumbianische Farc-Rebellen ausgaben. Dem Russen mit dem Schnurrbart drohen in den USA bis zu 30 Jahre Haft. Eine Zeit, die das Sprachentalent sicher zu nutzen weiß. Im Thai-Gefängnis lernte der Vater einer Tochter Urdu, Farsi und Türkisch. (Verena Diethelm/DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2010)