"Wer reich ist, der wird oft beklaut"

17. November 2010, 17:32
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Schokolade, Chips, ein Haustier oder sparen. Volksschul-Kinder kennen sich mit ihrem Taschengeld bestens aus

"Bill Gates? Bloß nicht. Der verdient jeden Tag ein paar Milliarden dazu. Da kann er gar nicht mehr wissen, was er mit dem Geld tun soll", analysiert Alwin messerscharf. Mit seiner Meinung steht er nicht allein da. Für Stefan tut sich ein ähnliches, fast bedrohliches Bild auf: "Eine reiche Familie würde vielleicht in fünf Stockwerken eines Hotels leben und sich gar nicht mehr sehen." Und Paparazzi würden einen verfolgen. Und Bodyguards bräuchte man. Und: Den Lift müsste man beschriften - 1. Stock: Papa, 2. Stock: Mama und so weiter. Einmal Millionär sein? Nein danke. Weil: "Wenn man Geld hat, hat man oft die falschen Freunde."

Noch ist in der 4b der Wiener Volksschule Stiftgasse die Finanzwelt in Ordnung. Das Budget der Kinder ist mehr oder weniger saniert, die Einnahmen fließen regelmäßig, die Ausgaben sind überschaubar. Während sich Staaten und Unternehmen massive Sparpakete verordnen, scheint das Geld-Horten bei den Mädchen und Buben in der Schule geradezu ein Hobby zu sein.

Die überwiegende Mehrheit der Neun- bis Zehnjährigen legt ihr "Privatvermögen" wie Taschengeld, Geldgeschenke zu Weihnachten und zum Geburtstag sowie kleine Arbeitsverdienste auf die hohe Kante. Spiele, Süßigkeiten oder Haustiere, gespart wird auf alles, wofür die Eltern nicht zahlen wollen, sagt Leona. Aber auch das Sparen um des Sparens willen liegt im Ranking weit oben. Lena: "Ich spar einfach. Und wenn etwas kommt, das ich unbedingt haben will, dann hab ich das Geld schon." Stefan spart auf ein Computer-Spiel. Wie lange er für die 25 Euro braucht, weiß er nicht. Wie lange Michael für den gewünschten Maserati brauchen wird, steht auch in den Sternen.

Fünf bis zehn Euro

Im Schnitt kriegen die Kinder zwischen fünf und zehn Euro im Monat. Ausreißer nach oben und unten gibt es, genauso wie jene, die gar kein Taschengeld bekommen. Für Livia wäre das aber kein Problem. "Es ist schön, wenn man was kriegt, aber wenn nicht, wäre das auch nicht so schlimm."

Wo das Taschengeld aufhört, fängt der Erfindergeist an. Selbst dann, wenn nicht ganz klar ist, was der Einsatz bringt. "Wenn ich meiner Oma in Schweden im Garten helfe, kriege ich 20 Kronen", strahlt Johanna. Den Gegenwert in Euro kennt sie nicht. Geld ist eben Geld, stinkt bekanntlich nicht und kann noch dazu ganz hübsch sein. So sammelt Alwin sämtliche Münzen, die ihm sein Vater von Geschäftsreisen mitbringt.

Nichts ist zu wenig, um gespart zu werden - egal, ob ein Cent oder ein Euro. Johanna: "Meine Oma hat ein Loch in der Hose. Da fallen manchmal Münzen raus. Die darf ich behalten."

Mitunter heißt es aber auch anpacken: Geschirr abwaschen, rasenmähen, aufräumen. Beim Geldscheffeln kommt es schon vor, dass der Überblick verlorengeht. Denn Spardepot Nummer eins ist das gute alte Sparschwein - Münzen rein, bis es voll ist. Das Glück, die eigene "Bank" im Wohnzimmer zu haben, lässt Livia strahlen: "Ich gebe mein Geld dem Papa, der hebt es auf und gibt mir Zinsen dafür. Manchmal kaufe ich meiner Mama Geschenke, Blumen zum Beispiel." Geld mache halt auch glücklich, wenn man gibt. Spenden sind keine Ausnahme.

Zu viel Geld schreckt aber ab. "Geld macht Spaß, aber zu viel ist nicht gut", sagt Emre. Schließlich könne man sich dann über nichts mehr freuen und werde zur Zielscheibe für Einbrecher. Tibor ist sicher, wenn man reich ist, dann wird immer wieder was geklaut. Denn: Reichtum sieht man von weitem - "wegen der vielen Bodyguards eben". (Daniela Rom, Sigrid Schamall, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 18.11.2010)

  • Taschengeld ist für die Schüler der 4b in der Volksschule Stiftgasse ein wichtiges  Thema. Zu reich will später aber niemand  werden - aus Angst vor den Einbrechern.
    foto: standard/hendrich

    Taschengeld ist für die Schüler der 4b in der Volksschule Stiftgasse ein wichtiges Thema. Zu reich will später aber niemand werden - aus Angst vor den Einbrechern.

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