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Der Leitflakturm im Arenbergpark im dritten Bezirk ist seit Jahrzehnten verschlossen.

Dadurch konnten zahlreiche Notizen und Zeichnungen der Zwangsarbeiter und der Zivilbevölkerung erhalten bleiben.

Architekturhistorikerin Ute Bauer forscht seit zwei Jahren intensiv mit zwei Archäologen: Die Taschenlampe ist in den unbeleuchteten und verwinkelten Gängen ein Muss.

Burello Nunzio hat sich gleich mehrmals auf den Ziegelwänden verewigt. Er war ein italienischer Zwangsarbeiter, der bei der Errichtung des Turmes mitwirken musste. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Auch die Beschriftungen der Nationalsozialisten sind noch vorhanden.

Die Plattform durften Zivilisten nicht betreten.

Blick vom Flakturm auf Wien.
Ute Bauers unverzichtbare Utensilien für die Arbeit: Taschenlampe und Pauspapier. Ihr Arbeitsplatz ist ein Relikt der NS-Zeit: der Leitturm im Arenbergpark im dritten Wiener Gemeindebezirk. Die Architekturhistorikerin hat die Graffiti der Zwangsarbeiter und der Zivilbevölkerung akribisch aufgearbeitet. Das Besondere an dem Betonriesen: Der Turm ist nicht öffentlich zugänglich, seit der Befreiung Wiens ist er verschlossen. Die Wissenschafterin stellt nun aber mit Unterstützung der Archäologen Franz Pieler und Thomas Pototschnig die Forschungsergebnisse im Buch "Erinnerungsort Flakturm" vor. Im Februar soll eine Gedenktafel im Andenken an die Zwangsarbeiter angebracht werden, die die Betonmonolithe unter grausamen Bedingungen errichteten.
Auf der Baustelle wurde im Jahr 1943 rund um die Uhr gearbeitet, aber es gab kaum Sicherheitsvorkehrungen. Im Winter mussten die Metallbieger ohne Handschuhe arbeiten, am eiskalten Stahl blieb die Haut kleben. Viele Zementpacker, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, litten Zeit ihres Lebens an der Beschädigung der Atemwege.
Luftbilder der Alliierten geben darüber Auskunft, dass die Baracken für die Zwangsarbeiter hunderten Menschen Platz geboten hätten. Dokumente über genaue Zahlen sind jedoch verschollen. Auch die Aussagen der Zeitzeugen lassen keine präzisen Rückschlüsse mehr zu. Finanzierung und Umsetzung der Gedenktafel müssen noch geklärt werden. Ein entsprechender Antrag werde Anfang Dezember von vier Parteien eingebracht, informiert Bezirksvorsteher Rudolf Zabrano.
"Unreflektiertes Architekturrecycling"
"Da mit fortschreitender Zeit die Menge an Zeitzeugen immer geringer wird, sind es vor allem die Orte, die Zeugnis über die Schrecken der Vergangenheit ablegen können", sagt Ute Bauer. 800 Dokumente, 500 Artefakte und 238 gefundene Graffiti - zwei Drittel davon sind fremdsprachigen Zwangsarbeitern zuzuordnen - veranschaulichen die Geschichte des Flakleitturms. "Die Auseinandersetzung mit den insgesamt sechs Wiener Flaktürmen fand bislang abseits von unreflektiertem Architekturrecycling nicht statt", kritisiert Bauer. "In den vergangenen 50 Jahren gab es schon mehr als 100 Vorschläge zur Nutzung der Flaktürme", berichtet Bezirksvorsteher Rudolf Zabrana.
Frische Brise hinter meterdicken Betonmauern
Die Architektur erinnert kaum an NS-Wohn-, Partei und Industriebauten. Es gab keine Partei-Embleme oder NS-Symbole, die Formen sind klar, Dekoratives wird abgelehnt. Architekt war Friedrich Tamms, der sich auch beim Bau der Reichsautobahn im NS-Regime "profilierte". Nach dem Krieg sollten die Monumente zu "Heldendenkmälern" umgestaltet werden. Ginge es nach der Architekturhistorikerin Ute Bauer würden alle Flaktürme heute die Funktion von Denkmälern und Mahnmalen übernehmen: "In dem Fall bedarf es aber eigener Hinweise, um zu verdeutlichen, was vorrangig assoziiert werden soll. Die Aussagekraft der Architektur allein wird überschätzt."
Bauer schwebt vor, dass bald alle Interessierten Führungen durch den Leitturm machen können: "Dazu sind nur geringe bauliche Maßnahmen, die vor allem der Sicherheit der Besucher dienen sollen, notwendig. Denn die Gebäude sind in einem guten Zustand." Bezirksvorsteher Zabrano berichtet: "Auch die Belüftung funktioniert noch immer einwandfrei." Tatsächlich schlägt Besuchern hinter den meterdicken Betonmauern keine modrige, abgestandene Luft, sondern eine frische Brise entgegen.
Dunkles Labyrinth
Wegen der labyrinthartigen Gänge seien Orientierungstafeln und eine durchgehende Beleuchtung notwendig. Außer in einem Raum, der Löcher zur Außenwelt hat, gibt es im gesamten Gebäude keinen Handyempfang - wer sich im Dunklen verirrt, kann sich nur noch auf seinen guten Tastsinn verlassen. Ein Kostenvoranschlag wurde zwar noch nicht eingeholt, die Wissenschafterin und der Bezirksvorsteher sind jedoch überzeugt, dass sich "alles im Rahmen halten wird". Die Finanzierung für so ein Mahnmal sei "fast etwas Nationales, da würde ich den Bund sicher nicht aus der Verantwortung nehmen", ergänzt der Bezirksvorsteher.
Vergleich Berlin, Hamburg und Wien
Das historisch gut erhaltene NS-Gebäude im Arenbergpark hat auch wegen des Umgangs mit den Flaktürmen nach 1945 eine Sonderstellung inne: In Berlin wurden die sechs Flaktürme nach 1945 gesprengt, zwei der vier Hamburger Bauten wurden abgetragen. In Hamburg wird heute ein Turm als Shopping- und Medienzentrum genutzt, der andere ist durch Sprengungsversuche im Inneren völlig zerstört.
Auch in Wien wurden drei Bauten architektonisch "recycelt". Im Turm im Esterhazy-Park leben mit dem "Haus des Meeres" im Inneren zahlreiche Reptilien, im Sommer sitzen Besucher im Lokal am Dach oder klettern auf einer Wand. Das Bundesheer sitzt im ehemaligen Gefechtsturm in der Stiftskaserne. Gegenüber des Flakleitturms im Arenbergpark steht der ehemalige Gefechtsturm, in dem heute das MAK eine Dependence als "Gegenwartskunstdepot" unterhält.
Der Leitturm im Arenbergpark wurde im Oktober 1943 fertiggestellt und verfügt über eine detailliertere Innenausstattung als die beiden erst zur Jahreswende 1944/45 vollendeten Flaktürme im Augarten. Damit ist er der einzige erhaltene Flakturm, dessen innere Raumstruktur weitgehend intakt ist. "Je weniger man verändert, umso mehr wirkt es weiter", plädiert daher Architekturhistorikerin Ute Bauer. (Julia Schilly, derStandard.at, November 2010)
Ute Bauer (Hrsg.): Erinnerungsort Flakturm. Der ehemalige Leitturm im Wiener Arenbergpark
ISBN 978-3-85161-033-8
49 Euro, 102 Seiten, Wien 2010
Phoibos Verlag
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Der Gefechtsturm im Arenbergpark beherbergt das Gegenwartskunstdepot des MAK - und verfügt über eine grandiose Aussicht - eine Ansichtssache
...nach dem krieg bei der baupolizei.
dort gab es eine arbeitsgruppe (od. bei der stadt wien) die sich intensiv mit der entfernung der flaktürme beschäftigte.
die sprengung wurde aufgrund der unten genannten gründe (zerstörung d. fenster im umfeld, fliegende trümmer) ausgeschlossen.
es gab versuche mit kriechmitteln die ähnlich einer frostsprengung nach und nach den beton zerstören sollten.
diese idee wurde nach einigen versuchen aufgegeben, da zwar das system funktioniert.
das zerlegen der (frost) gesprengten teile auf eine transportierbare größe, sowie die zig 1000 lkw-ladungen die für den abtransport benötigt worden wären, wurden als einfach zu viel für die infrastruktur erachtet.
sie müssten sich gar nicht fremdschämen, wenn sie geschichte nicht nur lesen sondern verstehen würden!
die nazis, das waren nicht nur die Anderen, das waren auch "wir". sowie "wir" (die röm. kath. kirche) die neue welt mit biologischen kampfstoffen (krankheiten) absichtlich entvölkerten.
fix ist: es war weder das erste, noch das letzte mal, daß "massenverblendung" menschen zu unfassbaren taten angetrieben hat.
sie glauben vielleicht der mensch ist seither vieles klüger geworden und braucht kein derartiges denkmal... da bleibt mir nur der Rat: DENK MAL!
Ich bin nicht verantwortlich für, dass was passiert ist.
Ich bin dafür verantwortlich, dass meine Kinder und ich die Fehler nicht wiederholen.
Ich bin verantwortlich dafür, dass es nie wieder passiert.
So gesehen kann man die Türme durchaus als Mahnmal stehen lassen, und die Idee einer Musealen Nutzung ist mMn nicht schlecht.
mfg
denenzufolge "wir" alle Nazis gewesen seien. Ob es für Poster(in) so go zutrifft, muss er (sie) selber beurteilen. Ich war trotz meines noch kindlichen Alters über die Nazis aufgeklärt und meine Mutter hatte zahlreiche Freundinnen und Freunde, die seit jeher entschiedene Regimegegner gewesen sind. Dasselbe trifft für einige meiner damaligen Schulkollegen zu. Sie mit den Nazis in einen Topf zu werfen ist eine abgrundtiefe Gemeinheit gegenüber jenen, die damals mit jeder "wehrkraftzersetzenden" und "parteischädigenden" Bemerkung weit mehr riskiert haben als ein empörtes Gegenposting im Standard-Onlineforum. Und wenn ich bei einem Bombenangriff sichere Zuflucht in einem Flakturm gefunden habe, dann war ich nicht eben unglücklich darüber.
Ich bin werder ein Nazi, noch einer anderen Organisation angehörig.
Auch meine Vorfahren waren in keinster weise Nazis.
Ich finde es nur langsam mühsam, dass man sich als Österreicher immer gleich als Nazi bezeichnen lassen muss. Gerade von Leuten die immer wieder Objektivität fordern
Ich seh das so: Diese Dinge sind Zeitzeugen, die noch da sein werden, wenn der letzte menschliche Zeitzeuge gestorben sein wird.
Damit wir immer dran erinnert werden, was Menschen zustande bringen, und dadurch vielleicht - hoffentlich - immer ein wenig sensibel bleiben, sowas nicht noch einmal zuzulassen.
Ist vielleicht eine utopische Hoffnung, aber mir immer noch lieber, als zu Verdrängen und gar nichts davon mitzunehmen.
Wenn meine Tochter einmal alt genug ist, kann ich mit ihr zum Flakturm gehen und sagen: "Schau mal, das ist ein Überbleibsel einer dunklen Zeit, als es hier einen furchtbaren Krieg und ein grausames Terrorregime gab. Gut, dass wir heute daran denken, damit es nicht wieder passiert."
Ich find sowas gut.
Die 10 Fotos schaut man sich aber halt nur dann an wenn man sich dafür interessiert, und das heißt dass viele sie schlicht und einfach _nicht_ sehen.
Einen Flakturm kann man hingegen schwer ausblenden.
Wobei man sie vielleicht etwas mehr ins Stadtbild einbinden könnte. Berlin Humboldthain gefällt mir da ganz gut: dort wurde der Turm halb abgetragen (eine Sprengung war wegen der angrenzenden Bahngleise nicht möglich) bzw. mit Trümmern zugeschüttet und liegt heute inmitten eines Parks. Von Süden sieht der Trümmerberg fast wie ein natürlicher Hügel aus, von Norden sieht man die Fassade des Flakturmes.
So ist der Turm heute erleb- und benutzbar, aber immer noch als Kriegsrelikt erkennbar.
Auch aus diesem Grund vielleicht nicht gar so schlecht, dass in Wien nach wie vor sechs eher unübersehbare Mahnmale dieser - für dieses Land und seine Bevölkerung so grauenhaften und prägenden - Epoche stehen ...
Und außerdem musste selbst H. Kohl, der ehemalige deutsche Kanzler, einräumen: „Die Gnade der späten Geburt ist nicht das moralische Verdienst meiner Generation, der Verstrickung in Schuld entgangen zu sein. Gnade meint hier nichts weiter als den Zufall des Geburtsdatums.“
Aber es führen viele Wege zum Ziel, bzw. zum Bewusstsein. Und in Wien sind sie für mich schon ganz gute Orte, um wohnortsnah reale Bezugspunkte zur Geschichte zu haben.
Fotos, Bücher ... Ist alles auch ein bissl theoretisch. Nicht für jeden gleich natürlich. Aber für viele schadet es wohl nicht, auch was "zum Angreifen" zu haben.
http://tinyurl.com/336lwt5
irgendetwas sinnvolles rein!
als "gedenktafel" würde ich oben gross die aufschrift: "nie wieder krieg" anbringen - junge graffitikünstler sollen das übernehmen, in alle 4 himmelsrichtungen.
2007 gab es einmal einen interessanten artikel im profil über die wiener flaktürme: http://www.profil.at/articles/... flaktuerme
Die Flaktürme arbeiteten pärchenweise zusammen und bestanden aus dem Gefachtsturm und dem Feuerleitturm. Das sind historisch gesicherte Begriffe.
"Leitflakturm" ist eine neumodische Wortschöpfung, bei der er historisch interessierte die Nackenhaare aufstellt.
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