Paradigmenwechsel

Antibiotika bei Kindern: Trend zum Abwarten

17. November 2010, 15:47

Resistenzen zwingen zu genauerem Blick auf Krankheitserreger

Wien - Der ärztliche Reflex, Kindern bei Beschwerden aller Art Antibiotika zu verschreiben, ist zunehmend gebremst. Immer mehr richtet sich der Blick auf den Allgemeinzustand des Kindes und ob Abwarten die bessere Alternative darstellt. Das berichten Experten in Wien anlässlich des dritten europäischen Antibiotika-Tages am 18. November. "Der Tag soll vor allem Bewusstsein schaffen, dass man durch unkritische Antibiotikagabe nur Resistenzen Auftrieb gibt, die sich durch mangelnde Hygiene verbreiten", erklärt Petra Apfalter vom Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenzen.

Abschied von alter Sicherheit

Dass ein derartiger Paradigmenwechsel bereits im Gange ist, bestätigt Karl Zwiauer, Primar der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landesklinikum St. Pölten. Über Jahrzehnte bedeuteten Antibiotika Sicherheit für Eltern und Ärzte, zudem war ihre Verschreibung stets billig, schnell und einfacher als das Erklären anderer Therapien zur Abwehrstärkung. Aus dieser Sicherheit werde man nun unangenehm herausgeholt. "Antibiotika-Resistenzen sind auch in der Kindermedizin ein großes Thema geworden. Griff man früher bei jedem Fieber zum Antibiotikum, sieht man heute genauer nach", so der Experte.

"Der Trend geht deshalb in Richtung Abwarten, ob man die Selbstheilung durch ein Antibiotikum überhaupt unterstützen muss oder nicht", so Zwiauer. Für die Ärzte bedeutet das in der Praxis eine Herausforderung. "Viel Aufklärungsarbeit ist somit nötig, denn die Eltern müssen ins Boot geholt werden. Zudem benötigt das Zuwarten auch mehr Zeit, etwa für Nachuntersuchungen 24 oder 48 Stunden später, bevor man sich für eine etwaige Behandlung entscheidet."

Pflanzenmedizin und Fiebernlassen

Hilfreich für dieses Vorgehen seien Erregertests. "Bei Kindern, deren Allgemeinzustand gut und der Sinn von Antibiotika zweifelhaft ist, sind Abstriche oder der zweiminütige CRP-Schnelltest sinnvoll. Letzteren gibt es mittlerweile in jeder Praxis, doch nicht überall bezahlt die Krankenkasse", so der Mediziner. Abwarten bedeute nicht Nichtstun. "Sinnvoll ist in vielen Fällen eine frühzeitige Basistherapie, die das lokale und systemische Immunsystem stärkt. Dazu gehören hochwertige Phytotherapeutika, die antiviral und antimikrobiell wirken und künftig mehr Bedeutung bekommen werden, jedoch auch Bettruhe und Fiebernlassen." Selbst die Hühnersuppe werde medizinisch zunehmend anerkannt.

Den Hintergrund für diese Entwicklung veranschaulicht der in Abu Dhabi tätige Labormediziner Oskar Janata. "Aktuell gibt es keine Antibiotika mit neuen Wirkprinzipien, während die Erreger gleichzeitig immer weniger auf die verfügbaren Mittel reagieren." In ganz Europa habe seit 2002 die Variante des Darmbakteriums Escherichia coli, die das an Resistenzen wesentlich beteiligte Enzym ESBL erzeugt, dramatisch zugenommen. Zudem reagierten die Erreger immer weniger auf Fluochinolone und Cephalosproine der dritten Generation. Als Problem der Zukunft speziell für Intensivstationen sieht der Experte den bis zu zwei Wochen persistieren Erreger Acinetobacter, gegen den es kein Gegenmittel gibt.

Händewaschen stoppt Übertragung

Eine Maßnahme, die als Folge der Resistenzen gemeinsam mit dem kritischen Antibiotikaeinsatz einen erneuten Aufschwung erleben wird, ist das Händewaschen. "Die Hände gehören zu den wichtigsten Übertragungswegen resistenter Keime. Die Qualität des Händewaschens im Spital und auch zuhause wurde infolge der Schweinegrippe wiederentdeckt. Studien zeigen, dass Seife und Wasser vergleichbar gut wirksam sind wie konventionelle Antiseptika mit Alkohol. Beide können die Erreger zu 100 Prozent eliminieren", betont Janata. (pte)

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21 Postings
ÖVP, die abzocker der nation
00
23.11.2010, 19:32
"hühnersuppe medizinisch anerkannt"?

bitte um literaturangaben zu seriösen studienergebnissen.

ansonsten: ENDLICH! endlich erkennt man dass gewöhnliche virusinfekte NICHT mit antibiotika behandelt werden sollen! warum auch? was solls bringen, ausser antibiotikaresistenzen zu züchten? eine ausnahme bilden natürlich risikogruppen wie asthmatiker oder alte, multimorbide menschen.

ja und zur verbreitungsprofylaxe: warum sind in österreichs spitälern alle so schleissig? VOR und NACH JEDEM patientenkontakt gehören die hände mit alkohol desinfiziert, bei sichtbarem schmutz auch gewaschen und anschliessend desinfiziert. es gibt nix grauslicheres als im spital eine flosse zu schütteln die gerade vorher einen kranken menschen untersucht hat. also, handhygiene bittesehr!

kakophobikerin
00
22.11.2010, 12:35
deckt sich mit meiner subjektiven wahrnehmung

ich habe als kind kaum antibiotika bekommen, hab dafür ausgiebig im dreck gespeilt bei jeder gelegenheit...

mein immunsystem heute: top. ich bin fast nie krank, und bin bis heute megaskeptisch beim antibiotikanehmen - bevor ich nicht halbtot im bett lieg und hausbesuch vom arzt brauche, nehm ich auch keine antibiotika.

und wenn ich mal doch eins brauche, wirkt es schnell und verlässlich.

wenn ich aber mal mit grippalem infekt beim arzt war um eine krankmeldung zu holen, hat der mir auch immer sofort antibiotika verschrieben.
die hab ich nie genommen und war trotzdem genauso schnell wieder gesund, wie der arzt es mir MIT einnahme der antibiotika prognostiziert hat.

Ferdinand Lachinger
00
18.11.2010, 07:57

Immer wieder sieht man das, der Mensch leidet an intelligenter Dummheit!

Hachigatsu
01
18.11.2010, 09:55

Leider korrekt. Ich bin zwar kein feind der Medizin. Trotzdem bin ich aber davon überzeugt das der Mensch von heute absolut überbehandelt wird. Ich seh es leider gerade bei einigen bekannten dei in der kindheit mit Antibiotika überbehandelt worden dass diese öfter krank sind - sogar sehr oft. Denen wurde von Ärzten auch schon bestätigt das es an der Überbehandlung mit Antibiotika in der Kindheitszeit liegt.... Für jedes Wehwehchen gibt es Medizin, und für die Nebenwirkungen gibt es weitere medizin...

Dagmar Rehak Wien
 
12
18.11.2010, 04:12
Dass man das nicht schon früher erkannt hat...

Kinder sind doch eh so schnell und gründlich beim Gesundwerden. Ein Fieberschlaf, und es wird eh schon besser, ein zweiter, und das Kind ist gesund.

fertigprodukt
12
18.11.2010, 13:48

angst ist ein guter verkäufer. das ist leider so.
heute fürchen sich menschen vor masern und röteln. vor 30 jahren hat man diese kinder nicht einmal in quarantäne geschickt. bei scharlach war das übrigens anders. das hat man immer gefürchtet. aber dafür gibts halt keinen impfstoff und daher auch keine angstmache. (die zahl der erkrankungen ist aber auch ohne impfung stark gesunken. ähnlich stark wie bei masern und röteln - das kann mir kein mediziner erklären, warum.)

Godesberg
12
20.11.2010, 21:34

Vor 30 Jahren sind ungefähr 4 Millionen Menschen in jedem Jahr an Masern gestorben. Heute ist man kurz davor diese Krankheit ein für alle mal zu eliminieren. Alles was dazwischen steht, sind so Flachwesen wie Sie.

Dagmar Rehak Wien
 
21
18.11.2010, 15:42

Ist mir auch schon aufgefallen, dass Krankheiten, gegen die es ein Impfung oder sonstiges gibt, als viel gefährlicher dargestellt werden.

fertigprodukt
10
19.11.2010, 10:33

am krassesten bei HPV passiert. das ist eine eher seltene krebsart, wenn man sich die statistik ansieht und dazu selten tödlich. nach einführung der impfung hatten auf einmal alle jungen mädchen panische angst, diese krankheit zu bekommen.

mich würd noch immer interessieren, warum es kein scharlach mehr gibt. (wenn doch NUR die impfungen zur reduktion der krankheiten beitragen können, wie uns die pharmabetriebe klarzumachen versuchen)

Godesberg
11
20.11.2010, 21:42

Das Cervixkarzinom ist weltweit die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen und sicher nicht selten.
In Deutschland sterben daran jährlich in etwa soviele Frauen wie im Strassenverkehr.

Wie kommen Sie darauf, dass es Scharlach nicht mehr gibt? Haben Sie mal irgendeine Quelle?

fertigprodukt
11
24.11.2010, 13:23

in österreich sterben jährlich 160 frauen an cervixkarzinom (wieviele an der chemo dazu sterben, ist nicht extra angeführt)

diese krebsart gehört zu den seltenen krankheiten bei frauen.

Godesberg
01
24.11.2010, 18:44

In Österreich starben im Jahr 2009 genau 633 Menschen im Strassenverkehr:
http://de.wikipedia.org/wiki/Verk... 6sterreich

75% der Verkehrstoten sind Männer:
http://www.vcoe.at/start.asp... =8030&b=92

Daraus folgt: ungefähr 158 Frauen sind im Strassenverkehr gestorben.

Am "seltenen" Cervixkarzinom sterben demnach genausoviele Frauen wie durch Unfälle im Strassenverkehr.

Dagmar Rehak Wien
 
11
20.11.2010, 23:59

Wenn du auch die ganzen harmlosen Warzerln, die den Frauen als Krebsvorstufe verkauft werden, als Cervixkarzinom bezeichnest, könnte das hinkommen.
Und das mit den Sterbezahlen hast du erfunden.

Dagmar Rehak Wien
 
22
21.11.2010, 16:46

Godi, man kann doch nicht die ganze Welt hernehmen, ohne zwischen Frauen mit guten und solchen mit schlechtem Immunsystem zu unterscheiden. Wer kein gscheites Trinkwasser hat, wird natürlich leichter krank und kann Infektionen nicht so gut abwehren.
Und bei der Beurteilung, ob etwas Krebs ist oder nicht, vertraue ich schon lang nur mehr meinem eigenen Auge.

Norbert Müller
 
02
17.11.2010, 18:07
na da schau her,

guten ärzte predigen und praktizieren das schon seit jahrzehnten.

antibiotika ist ein notfallmedikament und kann in extremsituation ein segen sein! Aber so wie die schulmedizin damit in den letzten jahrzehnten umgegangen ist und derzeit umgeht ist ein fluch - vorallem bei (kleinst)kindern!!
einsperren sollte man die meisten ärzte, welche für lebenslange folgen dieser leichtfertigen verschreibung verantwortlich sind. das dass jetzt massenweise im wirklichen notfall auf gar keine anibiotika ist ja nur der gipfel des eisberges!!
wenn wegen jeden schuppfen antibiotika verschrieben werden darf man sich nicht wundern wenn das immunsystem der meisten menschen vollkommen verrücktspielt.

Lilith Boessse
 
01
17.11.2010, 21:42
was man nicht vergessen darf:

die erkenntnisse in der medizin sind noch nicht abgeschlossen.
so wie in den letzen jahrhunderten menschen zutode behandelt wurden, und sich erst im nachhinein herausstellte, dass so manche behandlungen die patienten eher noch schneller ins jenseits beförderten, so ist das halt immer noch der fall.

in 20 jahren wird man sich fragen, wie dämlich wir waren, freiwillig und in unmengen dieses zeugs geschluckt zu haben.

was die ärzte dann verschreiben wollen, bin ich neugierig. es gibt ja ärzte, da bist noch nichteinmal fertig mit dem beschreiben deiner symptome, da hast du schon ein antibiotikum verschrieben. die müssen dann wohl in fortbildung!

fertigprodukt
21
19.11.2010, 10:34

ich freu mich schon auf die nach-impf-zeit. in meiner familie hat sie bereits begonnen.

Godesberg
22
20.11.2010, 21:47

Ja, und jetzt profitieren Sie vom Herdenschutz den die anderen ihnen schenken, gelle?

Naja, ein paar Schmarotzer kann die Gesellschaft schon ertragen. Im Falle von Infektionskrankheiten sortieren die sich ja auch nach und nach selbst aus.

Wenn es heutzutage noch zu Masernausbrüchen kommt sind fast nur Ungeimpfte betroffen. 2006 in NRW: 2000 Fälle, 97,5% nicht oder unzureichend geimpft, bis jetzt 3 tote Kinder. Alle waren wegen des Alters bzw. aus medizinischen Gründen auf die Herdenimmunität angewiesen. Eines der Opfer wurde von der eigenen Mutter angesteckt...

Barbarin
00
29.11.2010, 13:06
Stimmt nicht...

...ich habe seit Jahren nix was die Pharma hervorgebracht geschluckt, habe viiiiiiel Kontakt mit Menschen (auch mit kranken...nicht beruflich, aber privat)...keine Grippe, noch nicht mal eine gscheite Verkühlung bring ich zusammen! (Danke an dieser Stelle!)

Je weniger wir unser Immunsystem mit Chemie belasten/vergiften, desto stärker ist es.

fertigprodukt
11
24.11.2010, 13:24

genau wie bei scharlach, gell? ;-)

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