Kunst soll Bunker neue Bedeutung geben

16. November 2010, 17:36
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    foto: robert newald

    Einigkeit am Podium: Gennaro Postiglione, Dolmetscherin, James Turrell, Alexandra Föderl-Schmid, Erwin Wurm, Valentin Wille, Peter Noever (von links nach rechts)

  • Die STANDARD-Diskussion zum Nachhören

     

Standard und Mak luden zur hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion

Wien - Gemächlich ruckelt der Lastenlift in den achten Stock, zu Fuß durchs Stiegenhaus ist, ebenso wie Aussteigen zwischendurch, aus Sicherheitsgründen verboten.

Manchmal knallt ein Schuss durch die rohen, dicken Betonmauern des Flakturms: Shooting into the Corner, das Geschenk des indischen Künstlers Anish Kapoor ans Mak, ist in Betrieb. Genauer gesagt ist es eine Gabe für den Cat, den von Mak-Direktor Peter Noever geplanten Contemporary Art Tower im Gefechtsturm am Arenbergplatz. Und der wiederum ist an diesem Montagabend Schauplatz und Inhalt einer von Standard und Mak gemeinsam veranstalteten Podiumsdiskussion, zu der mehr als 200 Zuhörer gekommen waren.

"Soll Kunst in den Bunker?", fragte Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, einhellige Antwort ihrer Gäste: unbedingt. Einigkeit herrschte auch darüber, dass ein historisch belastetes Mahnmal wie ein Flakturm nur durch künstlerische Interventionen neutralisiert - oder, wie der US-amerikanische Lichtkünstler James Turrell sagte, "in geradezu magischer Weise verändert werden kann". Turrell würde für das Dach des Cat einen seiner weltberühmten Sky-Spaces realisieren.

Im Cat sollen Kunstschaffende unabhängig vom Markt raumbezogen arbeiten können. Zehn Millionen, so Noever, würde die Adaptierung kosten, notwendig sei primär der Einbau einer Klimaanlage; die Räume sollten möglichst unverändert bleiben. "Es gibt so viele grauenhafte neue Museen von berühmten Architektinnen und Architekten - außen toll, aber innen nicht zu ertragen. Da sind Künstler nur mehr Lückenbüßer", beklagte Erwin Wurm. Die Frage nach Geld findet er "vulgär: Für den Koralmtunnel geben wir ein Vielfaches aus. Nur bei Kunst und Kultur spart der Staat."

Allein die Erforschung des kriegerischen Erbes war den Niederlanden 23 Millionen Euro wert, berichtete der italienische Architekturtheoretiker Gennaro Postiglione. Er untersuchte 12.000 Bunker entlang der Atlantikküste: "Überall wird die Nutzung diskutiert, von Wellnessoasen bis Shoppingmalls. Doch nur die Kunst kann, im Freud'schen Sinn, Traumata abarbeiten." In zehn Jahren, so der österreichische Architekturhistoriker Valentin Wille, könnte der Cat Wirklichkeit - und im Flakturm daneben das Haus der Geschichte eingezogen - sein. (Andrea Schurian/DER STANDARD, Printausgabe, 17. 11. 2010) 

emma48
00
18.11.2010, 13:18
wie immer vergisst man in Wien,

dass es einen Flakturm gibt, der all die angesprochenen Themen vereint. Das Haus des Meeres ist eben dabei ihn zu zerstören und die Stadt Wien nicht daran interessiert, eines der international bekanntesten Kunstwerke im öffentlichen Raum zu erhalten.

hilde peymann
00
17.11.2010, 21:14

schon witzig wie gerade marktkünstler wie wurm, kapoor usw. über geld reden. kunst im turm ? ja bitte. aber nicht als investmentanlage und schaufenster gieriger galeristen.

standardabweichung
00
17.11.2010, 15:19

per se aber auch fürs schöpfwerk und die rennbahnsiedlung gültig

grün spinat
00
17.11.2010, 14:00

sehr geehrte Frau Föderl - Schmid!
So sehr ich Sie als Chefredakteurin meiner österreichischen Lieblingszeitung schätze, so sehr ersuche ich Sie, ihr Englisch zu verbessern.
Der arme James Turrell hat Ihrs sehr holprig formulierte Frage sicher nicht verstanden.
Und fragen Sie bitte am Anfang einer Kunstdiskussion nicht sofort nach den Kosten eines Projetes.
Sonst fängt man gar nicht erst an über etwas nachzudenken.
Ansonsten: vielen Dank für die hochkarrtige Diskussionsrunde...

Arne Karlsson
01
17.11.2010, 10:37
Doch nur die Kunst kann, im Freud'schen Sinn, Traumata abarbeiten.

65 Jahre nach Kriegsende gibt es immer noch Menschen, die vom Krieg traumatisiert sind ?

Keine Ahnung
01
17.11.2010, 09:54
da hat der Standard wieder ganz was Hochkarätiges auf die Beine gestellt!

Ganz toll! Hochinteressant! Bravo! Unvergesslich!

Die Redaktion.

knick
02
16.11.2010, 17:51
brav

lieber standard. aber: wärs nicht an der zeit sich mal mit der neuen wiener kulturpoltik auseinanderzusetzen, wie das überhaupt ein stiefkind der redaktion zu sein scheint. its the kulturpolitik stupid!

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