Was aus den 68ern wurde: Eine linke BRD-Kulturgeschichte

16. November 2010, 17:00
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Der deutsche Verleger Klaus Wagenbach blickt in Salzburg zurück

Als sich in den 1960ern die westdeutsche Nachkriegsjugend daran machte, Spießbürgermief und Nazinostalgie aufzumischen, spielten eigenwillige Verleger eine zentrale Rolle. Klaus Wagenbach, gelernter Buchhändler, gründet 1964 in Berlin seinen eigenen Verlag, zeitgeistig als Kollektiv organisiert und den Prinzipien "Geschichtsbewusstsein, Anarchie und Hedonismus" verpflichtet. Der Wagenbach Verlag versammelt kritische Schriftsteller wie Günter Grass, Ingeborg Bachmann, Peter Rühmkorf oder Erich Fried, sein Leiter nach Eskalation der Studentenproteste bald die ganze antiautoritäre Bewegung. Die Staatsmacht schlägt zurück, gegen die mutmaßliche Drehscheibe für verfassungsfeindliche Aktivitäten wird vorgegangen.

Vieles davon ist in Wagenbachs Sammelband "Die Freiheit des Verlegers" nachzulesen, der nun zu dessen 80. Geburtstag erschienen ist. Darin finden sich Erinnerungen, Essays, Kommentare, Festreden und Polemiken aus fünf Jahrzehnten, die gleich mehrfach von Interesse sind: einerseits als persönlich-politische Biografie, andererseits als prototypisches Lehrbeispiel, was aus den 1968ern so geworden ist. In den 1970ern konzentrierte sich Wagenbach vorwiegend auf italienische und mediterrane Literatur. Zuerst noch auf politische Querköpfe wie Pier Paolo Pasolini, bald aber auf den Begleittext zum guten Leben der Toskana-Fraktion. Am Mittwoch ist er zu Gast. (dog/DER STANDARD, Printausgabe, 17. 11. 2010)


>>Salzburg, Literaturhaus, 0662/42 24 11, 20.00

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    foto: r. newald
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