Mietervereinigung präsentierte alljährlichen Maklertest: Jeder fünfte Makler verlangt demnach weiter drei Monatsmieten Provision
Die Mietervereinigung Österreich (MVÖ) hat am Dienstag ihren bereits dritten "Makler-Test" präsentiert. Dabei habe man feststellen müssen, "dass in 40 Prozent der Fälle die Provisionen falsch berechnet wurden", berichtet MVÖ-Präsident Georg Niedermühlbichler in einer Aussendung.
Der "beliebteste Trick" dabei sei, bei der Provisionsberechnung die 10-prozentige Umsatzsteuer ungerechtfertigterweise "drinnen zu lassen". Makler würden sich so ein Körberlgeld einbehalten, kritisiert Niedermühlbichler.
Jeder Fünfte verlangt weiter drei Monatsmieten
Besonderes Augenmerk wurde bei dem "Mystery"-Test (Anm.: die Mietervereinigung schickte Testpersonen "inkognito") auch auf die Einhaltung der seit 1. September geltenden Maklerverordnung gelegt. "Im Ergebnis zeigt sich, dass jeder fünfte Makler nach wie vor drei statt der erlaubten zwei Monatsmieten an Provision verrechnet", so der MVÖ-Präsident. Zu viel verrechnete Provisionen sollten unbedingt zurückgefordert werden, empfiehlt er. Dies sei bis zu zehn Jahre rückwirkend möglich. Die MVÖ bietet auf ihrer Website nun auch einen neuen "Maklerprovisionsrechner" an.
Dass die Serviceleistungen leiden würden und es - wie von Maklervertretern angekündigt - vermehrt zu Sammelterminen kommt, kann Niedermühlbichler (wie zuvor bereits im derStandard.at-Interview) nach wie vor nicht bestätigen. "Sammeltermine kamen im Test nur bei einem Makler vor." Die durchschnittliche Besichtigungsdauer sei im Vergleich zum Vorjahr sogar auf 21 Minuten gestiegen. "Dennoch ist dies nicht genug Zeit, um sich ein entsprechendes Bild über eine Wohnung machen zu können."
Der Großteil der Makler sei außerdem den gesetzlichen Aufklärungspflichten nicht nachgekommen, so Niedermühlbichler weiter. "Kaum ein Makler hat selbstständig über eine vorhandene Therme und die dazugehörigen Pflichten und Rechte des Mieters oder die Elektrik aufgeklärt. Zum Energieausweis äußerten sich lediglich fünf Prozent der Makler."
"Doppelmaklertätigkeit abschaffen"
Was die Mietervereinigung außerdem besonders stört: "Kein einziger Makler hat auf seine Doppelmaklertätigkeit hingewiesen. Daher ist es wichtig, diese abzuschaffen." Niedermühlbichler fordert, "dass die Maklerprovisionen vom Auftraggeber - und das ist in 98 Prozent der Fälle der Vermieter - bezahlt werden". Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat sich, wie berichtet, zuletzt ebenfalls in diesem Sinne geäußert. (map, derStandard.at, 16.11.2010)