Bundesliga-Oldboy Ewald Brenner im derStandard.at-Interview über die sensationelle SV Ried, die Kommunikation mit den Spaniern und die drohende Fußballer-Pension
Ried - Einen Platz in der Rieder "Hall of Fame" hat sich der Routinier Ewald Brenner wohl verdient. Seit 2004 kickt der 35-Jährige im Innviertel, hielt seine Knochen schon in der Red Zac Liga hin. Heuer steht die SV Ried nach 15 Spielen am oberen Ende der Tabelle, an den Meistertitel wird in dieser komischen Situation freilich kein Gedanke verschwendet. Warum Ried froh sein kann, überhaupt Teamspieler für Didi Constantini zu stellen, 30 Punkte in der Tabelle für Ruhe am Bankkonto des Vereins sorgen und Aufhören kein Thema ist, erzählt Ewald Brenner im derStandard.at-Interview. Die Fragen stellte Florian Vetter.
derStandard.at: Warum steht die SV Ried an der Tabellenspitze?
Ewald Brenner: Ja, warum eigentlich? Wir haben derzeit einen Lauf, spielen sehr konstant. Und vorne schießen wir die notwendigen Tore.
derStandard.at: Als Tabellenführer stapelt der Verein Runde für Runde sehr tief. Wie lange wird noch davon geredet, dass man auf keinen Fall Meister werden kann?
Brenner: Wir werden weiter tiefstapeln, weil alles andere nicht realistisch ist. Die Konkurrenz der großen Vereine wird um ein Hauseck stärker werden, wenn die Europa-League wegfällt. Sie haben dann eine bessere Vorbereitung. Wir müssen den Herbst noch perfekt beenden, damit wir uns im Frühjahr keine Sorgen machen müssen. Unser Kader ist dünn besetzt.
derStandard.at: Stichwort Kader: Mit Mittelfeldmann Thomas Schrammel ist nur ein Spieler des Tabellenführers für das Nationalteamspiel gegen Griechenland einberufen worden. Gäbe es noch Rieder Kandidaten für Didi Constantini?
Brenner: Anscheinend nicht, sonst wären mehr dabei. Das ist bei uns kein Thema. Wir sind froh, dass der Thomas überhaupt dabei ist. Er spielt sehr stark im Moment. Zwei oder drei weitere Kandidaten wurden bereits ins Auge gefasst - diese müssen ihre Leistungen aber erst einmal jede Woche bestätigen.
derStandard.at: Wie hoch ist der Anteil von Trainer Paul Gludovatz am Erfolg?
Brenner: In diesem Zusammenhang muss man vom Trainerteam sprechen. Paul Gludovatz würde nie den Erfolg für sich allein reklamieren, da wird auch Gerhard Schweitzer genannt. Im Moment passt das Ganze: Die Vereinsführung, das Trainerteam und die Mannschaft, da greift ein Rad ins andere.
derStandard.at: Sie haben schon einige Trainer kommen und gehen gesehen. Was macht Paul Gludovatz besonderes, auch im Umgang mit seinen Spielern?
Brenner: Es wäre nicht fair anderen Trainern gegenüber, einfache Vergleiche zu ziehen. Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie. Unsere Kader setzt das 3-3-3-1-System von Gludovatz perfekt um.
derStandard.at: Kein Team hat im Frühjahr letzte Saison derart abgebaut wie Ried. Was hat sich nun geändert zur Vorsaison?
Brenner: Vom Training her hat sich nichts verändert. Es gab einen Umbruch im Kader, ein paar Spieler wie etwa Daniel Royer oder Ivan Caril Regueiro waren Glücksgriffe. Guilem ist sehr torgefährlich, Prettenthaler und Riegler setzten das System hinten sehr gut um. Wir stehen in der Verteidigung sehr kompakt. Damit ist das Erfolgsgeheimnis von Ried eigentlich sehr schnell erklärt.
derStandard.at: Sie haben heuer ein wichtiges Tor gegen den LASK geschossen, sind aber auch mit einem harten Foul an Salzburgs Mendes aufgefallen. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Leistung bisher?
Brenner: Ich kann positiv zurückblicken. Das Tor war sehr wichtig, entscheidender sind aber die drei Punkte. Wer bei uns trifft, ist egal. Man sieht das auch in der Torschützenliste. Wir sind breit aufgestellt, zwölf verschiedene Spieler haben bereits Tore erzielt. Die Aktion mit Mendes wurde in den Medien wilder dargestellt als sie eigentlich war. Mendes und ich hatten uns danach zusammengesetzt, damit war die Sache zwischen uns erledigt und ich brauche dazu nichts mehr sagen. Die Vergangenheit ist aber im Fußball schnell wurscht. Spielt man zweimal schlecht, hagelt es wieder Kritik.
derStandard.at: Vor zwei Jahren gab es Querelen um Ihre Vertragsverlängerung, der Verein hatte kein Geld. Letzte Saison war Ihr Verbleib nicht einmal ansatzweise gefährdet. Können Sie sich vorstellen, über 2011 hinaus bei Ried weiter zu kicken?
Brenner: Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen. Ich fühle mich gut, bin von Verletzungen verschont geblieben und bringe meine Leistung.
derStandard.at: Ist man von Vereinsseite bereits an sie herangetreten?
Brenner: Dafür ist es noch zu früh. In Ried beginnen die Vertragsgespräche meistens im Februar oder März. Der Trainer gibt bekannt, mit welchen Spielern er weiter arbeiten möchte und der Verein sagt, was finanziell möglich ist. Im März oder April sollten die Verträge spätestens unter Dach und Fach sein. Vor zwei Jahren hatte ich bis Juni keine klare Situation und das hat mich geärgert. Obwohl beide Seiten ursprünglich wollten, konnte mir der SV Ried kein Angebot machen. Einige Medien hatten behauptet, meine Forderungen seien so hoch gewesen. Das war natürlich ein Blödsinn, es gab nicht einmal ein Angebot. Nachdem Denis Berger den Verein verlassen hat, haben sie dann einen Spieler gebraucht und wir haben uns geeinigt.
derStandard.at: Sie haben 2004 bereits mit Ried in der Red Zac Liga gespielt, jetzt geht es um den Herbstmeistertitel in der Bundesliga. Was hat sich seither im Verein getan?
Brenner: In der Mannschaft herrschte damals ein Kommen und Gehen, da war kaum Kontinuität. Die Ziele des Vereins haben sich nicht geändert. Es ging immer darum, sicher im Mittelfeld mitzuspielen, den Abstiegskampf zu vermeiden. Unsere gute Herbstsaison sorgt für Ruhe, der Kader ist intakt und wir brauchen keine Verstärkungen. Das ist wichtig für den Verein, der kein Geld im Winter in die Hand nehmen muss. So lässt sich schon längerfristig für die kommende Saison planen.
derStandard.at: Im Winter werden die Karten neu gemischt, einige Klubs rüsten auf. Gludovatz bremst und sagt, dass Ried sich in einem Grenzbereich bewege, das Niveau könne nicht gehalten werden. Hat Ried wirklich keine Chancen auf den Meistertitel?
Brenner: Das ist jedes Jahr dasselbe Szenario, vor allem die Vereine im Abstiegskampf verstärken sich personell. Wir haben einige Verletzte, die in der Winterpause zurückkommen werden, dadurch wird der Konkurrenzkampf innerhalb des Teams wieder belebt. Wir werden noch stärker werden.
derStandard.at: Wie funktioniert die Kommunikation mit den Spaniern im Team?
Brenner: Mit Händen und Füßen. Auf Deutsch, auf Spanisch, mit allen Mitteln die zur Verfügung stehen. Die Spanier sind jetzt zu dritt, besuchen Deutschkurse und lernen sehr flott. Es ist aber immer wieder lustig, wenn ein Spanier deutsch spricht, das hebt die Stimmung der Mannschaft. Am Rasen reichen ein paar Schlagwörter. (derStandard.at; 17.November 2010)
Ewald Brenner (35) kickt seit 1996 in der österreichischen Fußball-Bundesliga. Nach Stationen bei FC Linz, GAK, LASK und SV Salzburg spielt der gelernte Mittelfeldmann seit 2004 bei der SV Ried. Zu Meisterehren kam Brenner 1995/1996 und 2004/2005 in der Red Zac Liga, in der Saison 2002/2003 gelang ihm in der Bundesliga das Tor des Jahres (damals für den SV Salzburg).