Stadtspaziergang

Auf den Spuren des schaurigen Wiens

Bianca Blei, 17. November 2010, 15:23
  • Artikelbild
    vergrößern 500x333
    foto: julia schilly/derstandard.at

    Gabriele Lukacs klettert am liebsten in die dunklen Keller Wiens.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x333
    foto: julia schilly/derstandard.at

    Eine Grabplatte aus dem 18. Jahrhundert - im Deutschordenshof.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x333
    foto: julia schilly/derstandard.at

    Die Blutgasse in der Inneren Stadt gibt schon durch ihren Namen Anlass zu grausamen Spekulationen.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x333
    foto: julia schilly/derstandard.at

    Die Führungen von Gabriele Lukacs finden bei Dunkelheit statt - doch auch bei Tageslicht wirken manche Orte Wiens unheimlich.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x333
    foto: julia schilly/derstandard.at

    Viele Bodenplatten in der Inneren Stadt sind ehemalige Grabsteine - rund um den Stephansplatz wandelt man über den alten Friedhof der Stadt.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x333
    foto: julia schilly/derstandard.at

    In der Augustinerstraße 12 soll die "Blutgräfin" ihr Unwesen getrieben haben.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x333
    foto: julia schilly/derstandard.at

    Laut Lukacs ist es eine "Schande, dass jeden Tag durch Sanierungsarbeiten unheimliche Keller verloren gehen".

Über Wien gibt es kaum Geistergeschichten - Gabriele Lukacs erzählt in ihrem Buch "Unheimliches Wien" von Vampirmorden, Henkern und der größten Massenmörderin aller Zeiten

In Großbritannien hat jedes Schloss und jede Burg seinen eigenen Poltergeist und auch in Osteuropa erzählt man sich die gruseligen Vampir- und Hexensagen. Obwohl man den Wienern eine Vorliebe für Morbides nachsagt, kennt man die unheimlichen Geschichten der Stadt nicht so gut. In ihrem Buch "Unheimliches Wien" ist Gabriele Lukacs gemeinsam mit dem Fotografen Robert Bouchal diesen auf den Grund gegangen und bietet zusätzlich Stadtführungen an die schaurigen Schauplätze an.

Im Deutschordenshof nahe dem Stephansdom sind noch die Reste des alten Friedhofs zu erkennen. Die schönsten und ältesten Grabplatten fungieren hier als Wandschmuck oder Bodenplatten. "Viele wissen nicht, dass sie hier auf Gräbern spazieren gehen", erzählt Lukacs und beginnt sogleich die erste "Schauergeschichte". So hätten die Leute im 18. Jahrhundert ihre Toten maximal in 70 Zentimeter Tiefe vergraben und so wäre es normal gewesen, dass Hunde die frischen Leichen ausgruben und mit den Knochen im Maul durch die Stadt liefen.

Angst vor lebendigem Begräbnis

Das hätte die Wiener das Fürchten gelehrt. Doch noch stärker war die Angst davor, lebendig begraben zu werden. Laut Lukacs gab es im Jahr 1904 insgesamt 150 lebendig Begrabene, die sich aus den Särgen befreien konnten, und 220, die noch vor dem Begräbnis wieder erwachten. Wie viele tatsächlich umkamen, ist nicht bekannt.

Aber beim U-Bahn-Bau wurden schließlich am Minoritenplatz Skelette gefunden, die mit dem Rücken nach oben und Knie und Ellbogen nach unten gestemmt, lagen. "Das deutet darauf hin, dass sie im Sarg erstickt sind und bei ihrer Beerdigung noch nicht tot waren", erklärt Lukacs.

Recherche in Sagenbüchern

Für ihr Buch hat die hauptberufliche Fremdenführerin Sagen und Mythen über Wien recherchiert. "Ich mache schon seit zehn Jahren eine Vampirführung und weil die so gut angekommen ist, wollte ich das Programm erweitern", sagt Lukacs. Dabei sei sie darauf gekommen, dass es so gut wie keine Gespenstergeschichten über Wien in geschriebener Form gebe. "Nachdem ich dann die Sagen nachgeschlagen hatte, bin ich mit meinem Fotografen an die Schauplätze gefahren und habe überprüft, ob es das beschriebene Haus überhaupt noch gibt", so die Fremdenführerin.

Henkerswohnung neben Mozarthaus

Und eines dieser Häuser steht in der Rauhensteingasse Nummer 10. Wo heute eine Boutique ihre Räumlichkeiten hat, war seit 1422 das Untersuchungsgefängnis von Wien mit eigener Henkerswohnung. "Es war unüblich, dass der Henker seine Unterkunft in der Stadt hatte, aber die Wiener waren eben schon immer morbid", erzählt Lukacs und lacht. Außerdem sei der Henker ein angesehener und reicher Mann gewesen, habe er doch für die Versorgung der Bevölkerung mit Heilutensilien gesorgt. So verkaufte er Menschenschweiß und - fett an Apotheken und Privatpersonen.

Nur ein Haus weiter, Rauhensteingasse 6, steht jenes Haus, in dem Mozart 1791 starb. Die unheimliche Geschichte im Zusammenhang mit dem Komponisten kennen die meisten aus dem Schulunterricht. Ein "grauer Bote" (Zeichen für baldigen Tod) soll bei Mozart ein Requiem in Auftrag gegeben haben. "In der Sekunde" des Auftrags soll sich das ehemalige Wunderkind krank gefühlt und deshalb sein Werk auch nie vollendet haben.

Prostituiertenmord durch einen Vampir?

In einer Seitengasse der Kärntnerstraße befindet sich das Hotel Römischer Kaiser. Es soll 1913 der Schauplatz eines grausamen Prostituiertenmordes gewesen sein. Das Skurrile daran: Es wurden am Hals der erwürgten Dame Bissspuren gefunden. Zwar habe man ihren letzten Freier ausfindig machen können, doch soll dieser schon Teil der Fremdenlegion gewesen und nicht mehr ausgeliefert worden sein. Für das Buch wollte Frau Lukacs das Zimmer Nummer 18 fotografieren, in dem sich die Gewalttat abgespielt haben soll. An der Rezeption habe man ihr aber erklärt, dass das Hotel zwar 24 Zimmer, aber keines mit der Nummer 18 habe.

Massenmörderin in Wien

Apropos Morde: In Wien soll die grausamste Serienmörderin aller Zeiten, die ungarische Gräfin Erzsébet Báthory, gelebt haben. In der Augustinerstraße 12, im ersten Wiener Gemeindebezirk. Insgesamt 613 junge Mädchen soll die "Blutgräfin" auf dem Gewissen haben - viele davon soll sie in Wien ermordet haben. Es wird ihr nachgesagt, dass sie in deren Blut badete, um ihre jugendliche Schönheit zu erhalten. Eine Vielzahl der Leichen habe sie dann einfach über die Stadtmauer, die im 17. Jahrhundert direkt vor ihrem Haus verlief, geworfen. Die Wiener hätten einige der Leichen gefunden, und Angst vor einem mordenden Vampir bekommen, da alle Körper blutleer waren.

Gabriele Lukacs selbst klettert am liebsten in die unzähligen Keller der Hauptstadt und erkundet dort das unterirdische Wien: "Nur leider verschwinden durch Sanierungen und Neubauten jeden Tag Keller und damit gruselige Orte in der Stadt." (Bianca Blei, derStandard.at, 17.11.2010)

Wer an einer der "unheimlichen Führungen" teilnehmen will, kann dies am 21. November um 16:30 Uhr am Minoritenplatz tun. Anmeldung unter wienfuehrung.at.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 74
1 2
biggi729
00
22.11.2010, 16:40

na!
http://www.amazon.de/Spuk-Wien... 3800070170
gutes buch ;o)
aber so eine führung wär schon einmal interssant!

Chien de Pique
00
20.11.2010, 16:49

Sehr interessant. Bitte auch über die unheimlichen Bundesländer schreiben!

1000 Kopfläuse können nicht irren
12
18.11.2010, 11:02
Die fürchterlichste, die grauslichste Gasse, bei der man sich schon beim Betreten fürchten muss...

... ist bekanntlich die STRACHEGASSE!
(C:

Dirty Sanchez
 
01
19.11.2010, 11:50
Der Ort des Schreckens

bleibt immer noch die Hintere Zollamtsstraße 2b im 3.

Smoothies? Obst gehört gebrannt
01
18.11.2010, 15:00

Uh ja, das schlägt sogar die Lichtenfelsgasse.

Dragshi
02
18.11.2010, 13:31
@Strachegasse

Nur ist diese nicht zurückzuführen auf Herrn Strache wie wir Ihn heute kennen.

Cereal Killer
03
18.11.2010, 13:42
wollen sie damit sagen

dass der nicht immer so ein @rsch war?

Cereal Killer
00
18.11.2010, 13:27
aaaaarrrrrrrrggggghhhhhhhhh

Böser
50
18.11.2010, 09:08

leider steht hier nicht, wie groß die "grösste massenmörderin" tatsächlich war

leopardetterl
23
18.11.2010, 08:25
ein kurzer blick in wikipedia

hätte der "expertin" zu denken geben müssen. es war einfach nicht sooo angebracht, den habsburgern geld zu borgen, in zeiten, wo diese rückzahlungen nicht leisten konnten. genausowenig war es opportun, bei der heirat zum protestantismus zu konvertieren und nach tod des ehegatten zu glauben, einem vermögenden adelsgeschlecht vorsehen zu wollen.
rein rechnerisch sind 600 jungfraun ca. 3000liter blut
da gehen sich höchstens 30 badewannen aus, nicht viel, wenn man 20 jahre lang drin baden will. außerdem kommt man mit dem ausbluten lassen nicht nach, das blut stinkt vermutlich nach 5 jungfraun dermaßen, dass man gar nicht mehr rein will. wenn man die bathory als gruselmythos verkaufen will, von mir aus. aber historische recherche ist anders.

Pierre d´Aubusson
10
18.11.2010, 14:43

Naja, immerhin sah man sich veranlaßt, sie lebendig einzumauern....

leopardetterl
00
18.11.2010, 09:46
ich habe nie behauptet

dass wikipedia der weisheit letzter schluss ist. aber immerhin noch mehr, als gar keine ahnung haben.

MrTee
32
18.11.2010, 09:06
ALso sich auf Wikipedia zu stützen, is aber sehr unprofessionell^^

RebelAngel
 
21
18.11.2010, 15:07
nur zu

nennen sie eine verlässlichere Quelle!

MrTee
32
18.11.2010, 15:43
Wieso sollte ich?

ich habe diese Info hier nicht reingerotzt.

Wer alles ohne Filter von Wikipedia glaubt, nicht hinterfragt, is nichts anderes als ein nichts denkender, fauler Mensch.

RebelAngel
 
20
18.11.2010, 15:47
nana

jetzt drehen sie die Sache aber schon sehr zu ihrem Vorteil...

MrTee
22
18.11.2010, 16:41
Sollt ichs zu meinem Nachteil drehen?

Dämlicher gehts echt nimmer...

RebelAngel
 
12
19.11.2010, 09:52
na

an ihnen is aber auch ein Volksschullehrer verlorengegangen...

arris
41
18.11.2010, 08:58
Sich auf Wikipedia zu beziehen ist leider

auch nicht viel besser....

Ihnen ist schon klar dass jeder Informationen auf Wikipedia stellen kann?

erwin meier
13
18.11.2010, 10:23

sie stehen aber auch jedem zur kritik zur verfügung, was insgesamt zu höherer qualität führt. wurde sogar bei vergleichstests mit klassischen nachschlagewerken festgestellt.

BK W. Shoyssel
05
18.11.2010, 06:48
thinking isn't illegal yet
00
8.12.2010, 18:54
biggi729
01
22.11.2010, 16:36

na soo schlimm is das jetzt aber auch nicht, da hab ich schon fürchterlicheres gesehen. zb. der dachaufbau auf dem einen alten haus im 9. bez. in der spitalgasse. schaut aus wie ein schwimmbad :o(((

BK W. Shoyssel
00
22.11.2010, 20:41

super - dieses Haus in der Spitalgasse kenne ich und ich hatte genau die gleiche Assoziation: Hallenbad.

:D

biggi729
00
23.11.2010, 10:59

versteh nicht, dass da die baubehörden nicht eingreifen. Modern ausbauen schön und gut, aber sowas ist ja eine optische beleidigung. im 3. bez., eh in der nähe der sofiensäle, bauens auch grad ein dachgeschoß modern aus, das schaut echt genial aus!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 74
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.