Verdacht gegen Akne-Präparat entkräftet

16. November 2010, 16:44
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Isoretinoin laut Studie zu Unrecht mit Depressionen in Verbindung gebracht - Die meisten Selbstmordversuche finden nach Ende der Behandlung statt

Stockholm - Menschen, die gegen Akne behandelt werden, sollten ihre psychische Gesundheit genau überwachen lassen. Grund für diese Empfehlung ist unter anderem ein Akne-Präparat, das im Verdacht gestanden ist, das Suizid-Risiko zu erhöhen. Eine Studie des Karolinska Institutes ist im Rahmen einer Studie nun jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass ein häufig zur Behandlung eingesetztes Medikament das Selbstmordrisiko nicht erhöht.

Diese Forschungsergebnisse widersprechen früheren Studien, die einen Zusammenhang hergestellt hatten. Das Team um Anders Sundstrom führte die aktuelle Untersuchung zwischen 1980 und 2001 durch. An der im British Medical Journal veröffentlichten Studie nahmen insgesamt 5.700 Personen teil.

Wirkstoff Isotretinoin im Visier

Akne kann laut Experten schwere psychologische Auswirkungen haben. Bei schwerer Akne wird häufig ein Medikament mit dem Wirkstoff Isotretinoin verschrieben. Auf dem Markt ist dieses Medikament unter den Bezeichnungen Roaccutan, Accutan, Amnesteem, Claravis, Clarus oder Decutan. Es wird seit den 80er-Jahren eingesetzt, wenn Antibiotika nicht helfen. Es gibt Studien, die Isotretinoin mit Depressionen und selbstmörderischem Verhalten in Verbindung gebracht haben.

Die Wissenschaftler untersuchten daher Selbstmordversuche vor, während und nach der Behandlung mit diesen Medikamenten. 128 der 5.700 Patienten wurden nach Versuchen, sich das Leben zu nehmen, ins Krankenhaus eingeliefert. Das Selbstmordrisiko war in den sechs Monaten nach Beendigung der Behandlung am höchsten.

Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass die Patienten verzweifelt waren, weil sich nach der Krankheit nicht auch ihr Sozialleben besserte. Das hat jedoch nichts mit der Behandlung selbst zu tun. Die Forscher betonen, dass Selbstmordversuche selten waren. Die ermittelten Zahlen gehen davon aus, dass nur eine von 2.300 Personen, die ein Medikament mit diesem Wirkstoff einnahm, einen ersten Selbstmordversuch unternehmen wird.

Akne ist wichtiger Faktor

Sundstrom erklärte, dass die Akne ein wichtigerer Faktor bei den Suizidversuchen sei. "Wir sind uns nicht sicher, ob das Medikament dabei überhaupt eine Rolle spielt." Die australischen Akne-Experten Sullivan und Parker Magin schreiben in ihrem BMJ-Leitartikel, dass es schwierig sei, den genauen Zusammenhang zwischen geistiger Gesundheit und Isotretinoin festzustellen, da Akne selbst mit psychiatrischer Morbidität und dabei auch mit Depressionen zu Verbindung steht.

Die beiden Wissenschaftler betonen, dass die Studie zeigen, dass Ärzte Patienten, die diese Medikamente einnehmen, genau beobachten sollten. Sarah Bailey von der University of Bath ergänzte, dass die wichtigste Erkenntnis dieser Untersuchung sei, dass das Selbstmordrisiko am höchsten ist, nachdem die Behandlung beendet wurde. (pte)

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    Akne-Patienten würden sich manchmal gern hinter einer Maske verstecken.

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