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Ö1-Journalist und "Einverstanden"-Gründer Andreas Wolf.
"Ein Verfassungsjurist wollte meine Prüfung nicht benoten, weil er meine Handschrift nicht lesen konnte." Das war der Grund, warum Andreas Wolf Jus den Rücken gekehrt hat: "Das hat mich in meinem Rechtsempfinden so gestört." Statt Jurist ist er Journalist geworden. Über den Umweg Radio FRO (Freies Radio Oberösterreich) landete der gebürtige Linzer bei Ö1. Wo er noch immer ist- und zwar als Moderator und Gestalter. Neben seinem neuen Betätigungsfeld. Wolf gründete vor gut einem Jahr "Einverstanden". Eine Audio-Agentur, die er im Duett mit Andreas Schwandner dirigiert - und die "ins Ohr geht", so der Claim.
"Hören kann ich nebenbei"
"Es gibt keine zweite Agentur, die dieses Portfolio abdeckt." Wolf zeigt sich im Gespräch mit derStandard.at überzeugt, mit seinen Audioinhalten auf dem richtigen Weg zu sein. Auch in Zeiten, in denen eigentlich visuelle Kommunikationsformen auf dem Vormarsch sind. "Zum Videoschauen braucht man Zeit", meint Wolf, "hören kann ich nebenbei. Etwa beim Autofahren, Sporteln oder bei der Hausarbeit". In die Hände spielen dem Oberösterreicher und seinen Ambitionen die "neuen Medien", wie er sagt. Ob Homepage, Handy oder iPad. Die Distributionsmöglichkeiten werden vielfältiger. "Die Leute entscheiden, wann und wo sie was hören wollen."
Zum auditiven Repertoire von "Einverstanden" gehören Führungen für Museen, Podcasts, Lobbyingarbeiten oder Kongress- und Symposienberichterstattung, schildert er. Letzteres biete die Agentur in mehrer Sprachen an: "Die Originaltöne werden übersetzt." Die Teilnehmer bekommen zum Abschied eine CD oder ein anderes digitales Gerät überreicht, erklärt er: "Für zuhause, damit sie sich das noch einmal komprimiert anhören können."
Gesprochene Sprache
Zu den wichtigsten Kunden der Agentur gehören Museen. "Hier gibt es mehrer Mitspieler", skizziert Wolf die Marktsituation: "Wir sind aber sehr gut aufgestellt." "Einverstanden" wolle durch Qualität überzeugen: "Wir lesen die Texte nicht einfach runter, sondern übersetzen sie in gesprochene Sprache", erläutert er das Konzept hinter den Audioführungen: "Das schmiert schließlich besser." Als Sprecher würden nur "Profis oder Schauspieler" rekrutiert, so Wolf, der auf "originär verfasste Inhalte" schwört: "Das heißt, dass wir mit dem Mikrofon ausrücken und dann die Ausstellungsstücke besprechen lassen." Ziel sei es, zusätzliche Ebenen zu schaffen, um hier Menschen mit unterschiedlichen Interessen "abzuholen".
"Wenn es beispielsweise um eine lokale Ausstellung geht, interviewen wir Leute, die ortsansässig", so Wolf: "Wir wollen damit Geschichten erzählen und diese in einem größeren historischen, soziologischen, vielleicht sogar philosophischen Kontext präsentieren." Der Arbeitsaufwand sei enorm, lohne sich aber, betont er: "Einer Stunde Produktion können sieben bis acht Stunden Aufnahmen zugrunde liegen." Für ihn eine Frage der Qualität: "Das ist nicht vergleichbar mit herkömmlichen Audioführungen, wo man Chroniken runterliest oder Bilder anhand von Ausstellungstexten beschreibt." Das Resultat seien oft "Führungen, die von Kunsthistorikern für Kunsthistoriker" gemacht werden, kritisiert er.
Allrounder bei Ö1
Mit der Konzeption von ersten Projekten für Museen begann Wolf schon im Jahr 2004. Als freien Mitarbeiter habe ihm der ORF keine Steine in den Weg legen können. Sukzessive seien Kunden dazugekommen, was im April 2009 in der Gründung von "Einverstanden" kulminierte. "Der Hintergrund von allem ist das Erlernen des auditiven Handwerks bei Ö1", sagt Wolf, der seit 1998 beim Kultursender engagiert ist. Und viele Stationen absolviert hat: "Von Kunstradio über die Moderation von Ex Libris bis zur Gestaltung des Kulturjournals." Im Endeffekt, so Wolf, sind die auditiven Beiträge alle ähnlich: "Originalton mit Moderationstexten, Zitaten oder Musik." Ingredienzien, die nur noch zur richtigen Mischung verarbeitet werden müssen.
Seine Tätigkeit beim ORF möchte er trotz zeitintensiver Selbstständigkeit nicht aufgeben: "Ö1 ist ein toller Sender. Es macht einfach Spaß, dort zu arbeiten", schwärmt er vor allem von einem Privileg namens "Freiheit": "In den Redaktionen, in denen ich bin, kann man sich die Themen selbst aussuchen." Mitarbeiter fänden hier einen "offenen Raum" vor, wo sie ihre Vorstellungen von Sendungen verwirklichen können.
Synergien nutzen
Neben der Verwirklichung von Ideen zählt für Wolf noch ein anderer Aspekt. Ö1 und "Einverstanden" seien "ideale Ergänzungen", unterstreicht er und gibt sich überzeugt, dass von Synergien sowohl der Sender als auch vice versa seine Firma profitierten. Bei den Beiträgen strebe man Zweit- oder Drittverwertungen an: "Es spricht nichts dagegen, da auch was fürs Radio zu übernehmen, etwa Podcasts oder einzelne Originaltöne." Ein weiterer Pluspunkt spiegle sich in der Personalrekrutierung wider: "Wir verfügen über einen Pool von 30 bis 40 Radiomachern, die immer wieder mal Projekte für uns machen." Einige davon sind freie Mitarbeiter beim ORF, die bei Bedarf engagiert werden.
Die Agentur selbst hat zwei Standbeine. Eines in Wien, für das Wolf zuständig ist. Das zweite Büro befindet sich in Linz und wird vom Soziologen und Unternehmensberater Andreas Schwandner betreut. Neben den beiden Geschäftsführern sind noch zwei fixe Vollzeitkräfte bei "Einverstanden" beschäftigt. Im Marketing und in der Administration. Der Rest komme projektspezifisch zum Einsatz. "Im Wiener Büro bin ich alleine", beschreibt Wolf seinen Arbeitsplatz: "Der Vorteil ist, dass man für diese Tätigkeit relativ geringe Platzressourcen braucht." Ein Computer und ein darauf installiertes Scheideprogramm reichen. "Die restlichen Mitarbeiter machen das zuhause in Eigenregie am PC." Wenn es um die Endproduktion - das Mischen - gehe miete man sich Studios: "Wir wollen die Strukturen flachhalten."
Audio soll Wirtschaft erobern
Neben Kunden aus Kunst und Kultur will sich "Einverstanden" auch bei anderen Unternehmen etablieren. "In der Wirtschaft ist es oft schwerer, Bewusstseinsbildung zu schaffen", räumt er ein: "Wozu brauchen wir Audio?", heißt es oft. Eine Möglichkeit, so Wolf, seien hier Porträts. Zum Beispiel zum Geburtstag des Generaldirektors. "Hier kommen dann ehemalige Schulkollegen, Freunde oder Mitarbeiter zu Wort." Das Ergebnis sei ein heterogenes Bild voller Anekdoten. "Ein ideales Geschenk", glaubt der Unternehmer.
"Einverstanden" wurde ohne Förderungen aus dem Boden gestampft. "Wir haben uns am Anfang erkundigt, aber dann sind relativ schnell gute Aufträge gekommen", erzählt Wolf, "und wir haben gesagt, das schaffen wir auch so". Und es sieht gut aus. Vor kurzem wurde das Belvedere als neuer Kunde an Land gezogen. Weiters auf der Referenzliste befinden sich Institutionen wie das Mumok, MAK, das Technische Museum, das Linzer Lenthos oder das Museum der Moderne in Salzburg. (Oliver Mark, derStandard.at, 19.11.2010)
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