Verkauf um einen Euro letzte Rettung für Kovats' A-Tec

16. November 2010, 08:29
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Die Pleite von Mirko Kovats' A-Tec Industries droht in Konsum-Dimensionen auszuarten. Das Herzstück des Konglomerats - Austrian Energy & Environment - könnte ein Multiorganversagen auslösen

Wien – Ein Blitzverkauf des Anlagenbauers Austrian Energy & Environment (AE&E) um einen Euro ist die letzte Hoffnung für Mirko Kovats' Mischkonzern A-Tec Industries. Klappt der Verkauf an den Finanzinvestor Mass Financial Corp aus Hongkong nicht, muss nach der Holding-Mutter A-Tec auch dessen Herzstück AE&E zum Konkursrichter.

Die mehr als 20 in- und ausländischen Gläubigerbanken geben dem Kraftwerksbauer mit rund einer Milliarde Euro Passiva kein Geld mehr, sie drängen auf dessen Verkauf. Laut Gläubigervertretern gibt es mehrere Interessenten, aber nur Mass Financials sei bereit, den Deal binnen eines Tages durchzuziehen und 105 Millionen Euro in AE&E zu pumpen. Die Zeit drängt, AE&E konnte am Montag Zahlungen über 15 Millionen Euro nicht mehr tätigen, auch die Gehälter der weltweit rund 5000 AE&E-Beschäftigten werden zum Problem.

Die Pleite von Mirko Kovats' A-Tec Industries droht in Konsum-Dimensionen auszuarten.Das Herzstück des Konglomerats mit 12.000 Mitarbeitern – Austrian Energy & Environment – könnte ein Multiorganversagen auslösen.

Mirko Kovats' Mischkonzern A-Tec Industries wackelt bedrohlich. Der Insolvenz der Holding-Mutter A-Tec könnte bald deren größte Tochter zum Konkursrichter folgen: die Anlagenbau-Gruppe Austrian Energy & Environment (AE&E). Sie hat die A-Tec-Gruppe ins Wanken gebracht, nachdem australische Kraftwerksprojekte gestrauchelt waren und A-Tec Anfang November eine Anleihe nicht bedienen konnte. Mit Passiva von 2,2 Milliarden Euro wäre die Pleite der A-Tec-Gruppe größer als jene der Handelskette Konsum.

Als letzter Strohhalm für AE&E gilt ein am Montagabend in der Gläubigersitzung mit den mehr als 20 in- und ausländischen Banken geschnürtes Paket. Dieses "Angebot zur Angebotslegung" an den einzigen Anbieter, der den Deal binnen eines Tages und ohne tiefe Prüfung (Due Diligence) zu machen bereit ist, sieht den Verkauf der AE&E um einen Euro an die Mass Financial Corporation vor.

Der Finanzinvestor aus Hongkong (dem ein Naheverhältnis zur AE&E-Gläubigerbank RZB nachgesagt wird) würde der E-Tec, also die Holding zwischen Konzernmutter A-Tec und AE&E-Gruppe, im Gegenzug sofort 15 Millionen Euro Überbrückungsfinanzierung geben. Darüber hinaus soll AE&E einen Kredit in Höhe von 85 Millionen sowie eine Kapitalerhöhung um 50 Mio. Euro bekommen.

Sofern die Gläubiger heute Dienstag zustimmen, würden die Banken 650 Millionen Euro an Garantien und Haftungen wieder öffnen und das Geschäft würde weitergehen. Rund 100 Mio. Euro an Garantien der E-Tec würde Mass schultern.

"Keine andere Wahl"

"Wir haben im Prinzip keine andere Wahl", sagt ein Gläubigervertreter – hörbar entnervt. Die Banken seien extrem unkooperativ, es gebe nicht einmal Zeit, andere Kaufangebote zu prüfen. "Das ist ein Überfallskommando."

Als deutlich attraktiver beschrieben wird das Interesse des Anlagenbauers Doosan aus Korea. Der Familienkonzern mit 25 Milliarden Dollar Umsatz ist im Kerngeschäft der AE&E tätig, würde die Firmensitze Wien und Graz zur Europa-Zentrale ansiedeln. Aber: Doosan will die Katze nicht im Sack kaufen, sondern besteht auf einer Due Diligence, die freilich gut drei Wochen brauchen würde.

Wenigstens eine Rückversicherung ist im Paket mit Mass Financial Corp. enthalten: Sollte Mass die AE&E binnen sechs Monaten weiterverkaufen, müssten 75 Prozent des Verkaufserlöses an die A-Tec- bzw. AE&E-Gläubiger abgeliefert werden. Dieser Anteil sinkt bis Ende Dezember 2012 auf 30 Prozent, danach geht er gegen Null.

"Wie weit sind wir in Österreich gekommen, dass die Sanierung eines Konzerns mit 1,8 Milliarden Euro Umsatz und 5000 Beschäftigten an einem Bridge-Loan über 15 Millionen Euro scheitert?" beschreibt ein anderer Gläubigervertreter die verfahrene Situation. Die Banken hätten auf sämtliche von Insolvenzverwalter Matthias Schmidt eingebrachten Vorschläge für Überbrückungsfinanzierungen für die mit rund einer Milliarde Euro Krediten und Haftungen in der Kreide stehende AE&E nicht reflektiert. Am Montag fällige 15 Millionen Euro für Lieferanten und Finanzamt konnte AE&E nicht mehr zahlen.

"Eine Insolvenz von Austrian-Energy würde maximale Wertvernichtung bedeuten", warnt Hans-Georg Kantner vom KSV.

Heute früh wird weiter verhandelt. Stimmen die Gläubiger gegen den Blitzverkauf, ist ein Konkursantrag durch das AE&E-Management unvermeidlich. Votieren sie für den Verkauf, wären sie im A-Tec-Konkursverfahren wohl hundert Millionen Euro an Passiva los, hätten aber ein delikates Problem am Hals: Den Vorwurf, AE&E verscherbelt und Gläubiger geschädigt zu haben. "Daher brauchen wir von Kovats eine eidesstattliche Erklärung, dass er keine Verbindung zu diesem Investor hat. Sonst knüpfen uns die Anleihezeichner auf" , sagte ein Gläubigervertreter zum STANDARD. (ung, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2010)

  • Mit dem Anlagenbauer Austrian Energy & Environment beginnt auch dessen Konzernschwester ATB in Spielberg zu rotieren. Geld ist dringend gesucht.
    foto: a-tec

    Mit dem Anlagenbauer Austrian Energy & Environment beginnt auch dessen Konzernschwester ATB in Spielberg zu rotieren. Geld ist dringend gesucht.

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