Programm gegen Spracharmut

14. November 2010, 21:03

In Vorarlberg lernen Eltern mit Migrationshintergrund in Kursen, wie man Kindern Lust auf Mehrsprachigkeit machen kann

Dornbirn - In Meldeämtern, in Beratungsstellen und Arztpraxen leuchten knallbunte Hefte aus den Regalen. "Sprich mit mir und hör mir zu!", prangt auf der Umschlagseite, Untertitel: "12 Anregungen, wie wir unsere Kinder beim Sprechenlernen unterstützen können". Die Handbücher, erarbeitet von "okay.zusammen leben", der Projektstelle für Zuwanderung und Integration, wurden im Rahmen des Programms "Mehr Sprache" in sechs Sprachen aufgelegt und gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmel: 19.000 fanden schon im ersten Jahr Absatz.

Den Erfolg erklärt sich die Kindergartenpädagogin Gerlinde Sammer, Mitautorin des Elternratgebers, mit dem niederschwelligen Ansatz. "Wir vermitteln, dass man zur Sprachförderung weder teure Spiele noch akademisches Wissen braucht, sondern sich Zeit für das Kind nehmen sollte." Reime, Kinderlieder, Märchen, Geschichten in der Herzenssprache, jener Sprache, die der jeweilige Elternteil am besten kann, sollen den Kindern "den Sprachschatz erschließen". Zu erkennen, dass bereits das Reden mit dem Baby Sprachförderung ist, sei ein "Aha-Erlebnis", sagt Sammer. Das Wissen um die Wichtigkeit des Sprechens mit dem Kind fehle aber nicht nur Müttern mit Migrationshintergrund: "Die Spracharmut wird allgemein immer größer." Fernseher und Computerspiele ersetzten den verbalen Austausch in Familien.

Unsicherheit nehmen

In Elternseminaren bekommen Mütter und Väter Anregungen, wie sie den Spracherwerb ihrer Kinder spielerisch fördern können. Seminarleiterin Saniye Sarpai, Hauptschullehrerin für Englisch und Geschichte: "Wichtig ist, den Eltern die Unsicherheit zu nehmen. Mütter, die nicht gut Deutsch sprechen, sind erleichtert, wenn man ihnen sagt, sie dürfen ihre Muttersprache sprechen." Einschränkung: "Sie sollen sich nicht nur die einfache Alltagssprache verwenden, sondern den Kindern über Märchenbücher, Gedichte, Lieder neue Sprachwelten erschließen." Unabdingbar für den Erwerb der Zweitsprache sei der Kontakt zu Deutsch sprechenden Kindern.

Die zwölfstündigen Kurse werden in Kooperation mit der Volkshochschule Götzis angeboten, und von den Gemeinden umgesetzt. In den meisten Orten sind sie gratis. Das Elternbildungsprogramm wurde mit dem Europäischen Spracheninnovationssiegel ESIS 2010 ausgezeichnet. Nachahmung ist ausdrücklich erwünscht: Die Textlizenzen für die Handbücher können erworben werden. Tirol und Luzern haben sie bereits angekauft. (Jutta Berger/DER STANDARD-Printausgabe, 15.11.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
RS69
 
01
19.4.2011, 22:11

"wie man Kindern Lust auf Mehrsprachigkeit machen kann"

Das wäre für den Grossteil der Österreicher ein nützliches Programm.

Ich, hasse Beistrichfehler
00
14.1.2011, 23:08
Diese Maßnahme entspricht dem letzten Stand der Wissenschaft und eh schon viele Jahre bekannt:

die Kinder in der Herzenssprache (Def. siehe Artikel) zu fördern, ist zur Erlangung wahrer Bilingualität unabdingbar. Der dumpfe Reflex, sie sollten gfälligst erst gscheit Deutsch lernen, zeugt leider von Ahnungslosigkeit. Denn: Gerade WENN man die Sprache der Eltern bzw. Mutter möglichst perfekt beherrscht, hat man die besten Vorausetzungen, auch Deutsch auf hohem Niveau zu erlernen. Sonst hat man den Scherbenhaufen beinander, wie man ihn in einigen Bezirken in Wien beobachten kann: Leute, die weder die eine noch die andere Sprache adäquat beherrschen. In vielerlei Hinsicht ein großes Problem.

die naive
00
9.12.2010, 13:34
Lust auf .......

Der Kreativität sind mit dem Entdecken diverser "Lust auf XXX-Kurse" sicher bald keine Grenzen gesetzt.

Der Steuerzahler freut sich.....

Pessimist-Realist
 
18
3.12.2010, 19:17
WENN...

...die Landessprache beherrscht wird, sehe ich persönlich kein Problem mit dem Erwerb einer weiteren Sprache.
Jedoch(!!!), wenn die 3./4./etc. Generation IMMERNOCH die Sprache ihrer Ur-/Großeltern als MUTTERSPRACHE bezeichnet, dann ist etwas GANZ ENORM schief gelaufen!
Schon interessant, dass es augenscheinlich nur bei einer Migrnatengruppe der Fall ist.
Wieder meine persönliche Sicht: Mit den Mitschülern aus den östlichen Nachbarländern, und aus dem asiatischen Raum (ein Kasache der als Austauschstudent fungierte hat innerhalb eines Jahres auf dt. kommunizieren können!) gab es keinerlei Probleme! Mit türkischstämmigen Kindern bin ich erst im Zivi zusammengekommen - die sprechen kaum ein/kein Wort dt.! Außer Schimpfwörter!

RS69
 
10
19.4.2011, 22:12

... und damit reihen Sie sich hier nathlos in die Vielzahl der LEute ein, die in keiner zweiten Sprache ein paar sinnvolle Worte raus bringen.

DAS ist doch gut integriert.

Ravenhorst
24
22.11.2010, 11:58
und wer zahlt diesen Spass?

natürlich wieder Otto Normalverbraucher mit seiner Einkommenssteuer!!

Rieke Seidl
02
19.11.2010, 10:42
Gibt es da auch einen Kurs,

in dem den ELTERN Lust auf Mehrsprachigkeit gemacht wird? Nebenbei, wer zahlt eigentlich diesen Kurs?

Hans Dichand IV
21
18.11.2010, 15:47
SO EIN BLÖDSINN

die Kinder lernen eh am besten die Deutsche Sprache, das sollte eher heissen, wie motiviere ich Erwachsene zum Deutsch lernen ...

Erwin Wolfram
21
15.11.2010, 17:45

uebersetzung

waehrend die einen institutionen die spracharmut institutional bedingen um uebergriffe zu verdecken stecken die anderen daraus foerdergeld ein.

anna b
15
15.11.2010, 13:13

Das Projekt klingt ganz interessant. Jeder der hier dagegenwettert, sollte sich im Klaren sein, dass die Situation in Vorarlberg etwas anders aussieht als in Wien. Alle meine türkischen, ex-jugoslawischen und rumänischen Mitschüler konnten gut Deutsch (und haben auch untereinander Deutsch gesprochen). Wieso also nicht auch die Muttersprache fördern?

Mirstetta Toni
26
15.11.2010, 15:19

bis in welche generation soll denn die muttersprache, z.b. türkisch, als solche verwendet werden?

Grisu der kleine Drache
12
15.11.2010, 17:10

Entscheidend ist in Österreich Sprachkompetenz in Deutsch auf Muttersprachen-Niveau.

Wenn das gegeben ist, finde ich die Weitergabe einer weiteren Sprache - egal ob Türkisch, Russisch, Französisch oder Kiswahili - immer als Bereicherung. Auch in der 99. Generation.

Darüberhinaus sind zusätzliche Sprachkenntnisse ein klarer Vorteil für das Kind und die international aktiven Betriebe in Österreich.

mogodigo
01
15.11.2010, 16:04

ich lebe in 1. generation im ausland und selbstverständlich spreche ich mit meiner familie deutsch. ich denke das würde jeder so machen der aus Ö in 1. generation auswandert. umgekehrt sehe ich auch absolut kein problem wenn migranten mit deren kindern in der muttersprache sprechen.

aber natürlich sollte man zusätzlich auch die landessprache auf ausreichendem niveau sprechen.

Mirstetta Toni
14
15.11.2010, 16:10

soll also bedeuten, dass in der zb. 10 generation zu hause noch immer die muttersprache gesprochen wird?

RS69
 
00
19.4.2011, 22:15

Warum nicht - die müssen sich ja nicht an die Bildungsferne auch noch anpassen, oder?

Mehrsprachig aufwachsen ist ja nicht so schlecht, oder?

Ordnung der Dinge
 
10
25.11.2010, 07:44
Muttersprache als Defizit?!

Natürlich soll jeder "seine" Sprache und so viele Sprachen so lange wie möglich sprechen! Je mehr Sprachen ein Mensch spricht, desto besser: Für ihn selbst, für den Wirtschaftsstandort Österreich, für die Kultur usw. Und überhaupt: Was bedeutet die Modalisierung "soll"? Ein Land bzw. eine Mehrheitsgesellschaft, die auch nur irgendwie vorschreibt, welche Sprache gesprochen werden "soll", dürfte demokratiepolitisch schwere Defizite haben...

jo eh
00
7.12.2010, 00:43
"vorschreiben" nicht

aber das aufnahmeland sollte die weigerung, die landessprache zu erlernen, nicht unbedingt fördern. es ist außerdem nicht einzusehen, warum die allgemeinheit muttersprachlichen unterricht in über 20 sprachen (zb wien) bezahlt. können die entspr. communities doch selber finanzieren.
und noch weniger einzusehen ist, dass es null konsequenzen für eltern hat, die ihre hier geborenen und aufgewachsenen kinder von der landessprache fernhalten und dermaßen schlecht vorbereitet einschulen lassen können.
das ist einer der gründe für das sinkende bildungsniveau in österreichs schulen.

wer ein "demokratiepolitisches problem" mit den anerkannten amtssprachen in österreich hat, sollte sich besser ein anderes migrationsziel suchen.

Ordnung der Dinge
 
00
7.12.2010, 08:24

Warum ist das nicht einzusehen? Wir profitieren alle davon! Warum sollten Engländer, Spanier, Italiener (wohlgemerkt: "Die" englische Community - kennen Sie die? Welches Kollektivsubjekt soll das sein?) sich Sprachkurse bezahlen?
Außerdem: Gehen Sie automatisch davon aus, dass EU-Staatsangehörige freiwillig Deutsch lernen, während die "schlechten Ausländer" (Türken!) bildungsresistent sind? Sie wissen schon, dass sich die Verpflichtung zum Sprachenlernen nur auf Drittstaaten bezieht? Sprich: 2009: betrifft 1800 Türken und 7000 zugezogene EU-Bürger aber nicht (keine Deutschen eingerechnet) [siehe Statistik Austria Integrationsbericht]

jo eh
00
7.12.2010, 08:52
englisch, spanisch, arabisch

chinesisch sind weltsprachen - farsi, urdu, zaza, türkisch, serbokroatisch, tschetschenisch etc nicht.
"profitieren"? inwiefern? dass wir ressourcen für dinge wie "muttersprachliche kurse" verwenden, die sinnvoller zum erlernen der landessprache eingesetzt werden sollten? außerdem - "muttersprache": in der 2. und 3. generation sollte das die landessprache sein.
warum muss die allgemeinheit migr. herkunftstümelei subventionieren? ist die etwa besser als die eklige der effen?

informieren sie sich über die niederlassungsfreiheit in der EU - nach 3 monaten ist schluss mit staatlicher unterstützung. man ist verpflichtet, innerhalb dieses zeitraums einen job zu finden bzw. sich selbst zu erhalten, wenn man in einem anderen EU-land leben will.

habe maß
00
7.12.2010, 11:45
"informieren sie sich über die niederlassungsfreiheit in der EU - nach 3 monaten ist schluss mit staatlicher unterstützung."

Danke für den Hinweis! Das klingt bei Ihnen aber drastischer als es tatsächlich ist: Als EU-Bürger nach 3 Monaten an eine Anmeldebescheinigung zu kommen ist wesentlich einfacher als als Drittstaatsangehöriger eine Niederlassungs- oder Arbeitsbewilligung zu erhalten, außerdem wird das Vorhandensein einer Anmeldebscheinigung kaum kontrolliert. Die restriktiven Maßnahmen werden vonseiten der Politik praktisch ausschließlich und einseitig auf Drittstaatsangehörige gemünzt, obwohl diese nur einen kleinen Teil der Zuwanderer ausmachen (Bsp. Integrationsvereinb.). Es scheint, dass es Zuwanderergruppen aus bestimmten Drittländern so schwer wie möglich gemacht werden soll, diese möglichst von Vornherein zu exkludieren sind (Bsp. Deutsch vor Zuzug).

jo eh
10
7.12.2010, 12:00

das ist halt einer der vorteile der EU und sinn der EU-mitgliedschaft.

deutsch vor zuzug (werden nur basiskenntnisse verlangt) halte ich für sehr wichtig. es ist für leute, die ihren lebensmittelpunkt dauerhaft hierher verlegen wollen, zumutbar, sich ein paar vokabeln der sprache des migrationsziels vor der anreise anzueigenen und sich überhaupt etwas mit der "neuen heimat" im vorfeld zu beschäftigen. internetcafés gibts auch in kleinstädten von drittstaaten, es gibt also wege und möglichkeiten, sich per internet zu informieren.
wer plant, so einen "weiten sprung" zu machen, ist auch in der lage, über internet ein deutschbuch zu bestellen oder über verwandte bestellen zu lassen.
so entstehen manche integrationsprobleme erst gar nicht.

habe maß
01
7.12.2010, 17:29
EU-Privilegien

Abgesehen davon, dass wir von der EU-Mitgliedschaft Österreichs profitieren, weil wir als EU-Bürger privilegierte Rechte zugestanden bekommen: Wie ist das aus rational-logischer Sicht zu rechtfertigen, dass ein Grieche oder Portugiese in Österreich nicht zu Deutschkursen zwangsverpflichtet wird, ein Kroate aber schon (oder nach einer erneuten EU-Erweiterung nicht mehr)? Ein umfassendes Integrationskonzept müsste alle Migrantengruppen einschließen, zumal Drittstaatsangehörige nur einen kleinen Teil ausmachen. Verpflichtende Sprachkurse eignen sich möglicherweise zum Abschrecken von Neuzuwanderern, nicht aber zur Integration von Migranten, die es immer geben wird (müssen) - egal, ob sie von innerhalb oder außerhalb der EU kommen.

habe maß
00
7.12.2010, 17:20
Natürlich, ich bin auch Nutznießer einer EU-Mitgliedschaft

Trotzdem stellt sich die Grundfrage: Haben wir einen liberalen Staat, der Bürger (inkl. Migranten) als verantwortungsbewusste, mündige, autonome Wesen begreift, oder muss der Staat auch in jenen Bereichen Pflichten festschreiben, überprüfen und deren Nicht-Einhaltung sanktionieren, in denen keine unmittelbare Bedrohung für Mitbürger anzunehmen ist (z.B. Kriminalität) oder Menschenrechten zu ihrem Durchbruch verholfen werden muss (z.B. Bildung für Heranwachsende -> Schul-/Unterrichtspflicht). Versetzen Sie sich in die Lage eines Migranten: Hält das Aufnahmeland es nicht aus, wenn Sie freiwillig, nach Ihren Möglichkeiten, Ressourcen und persönlichem Rhythmus die Sprache des Aufnahmelandes (gut, schlecht, langsam, kaum, bruchstückhaft) lernen?

Ordnung der Dinge
 
00
7.12.2010, 10:35

Das wir uns verstehen: Sprachkenntnisse der Landessprache des Zuzuglandes sind wichtig, gleichzeitig halte ich es für wesentlich, dass Migranten ihre Muttersprache pflegen und auch hier lernen können, weil sie, wie oben angeführt, ein Gewinn für Kultur, Wirtschaft und Persönlichkeit darstellt. Je mehr Sprachen ein Mensch spricht, desto besser! Warum sollten wir (wirtschaftliches!) Potenzial bei Zugezogenen verschenken? Muttersprachig nur einsprachig zu sein und noch dazu verordnet, ist der falsche Weg! Warum nicht mehrere Muttersprachen besitzen? Der SAG´s MULTI Wettbewerb für SchülerInnen von der WIrtschaftskammer zielt genau auf das ab! Und für sehr gute Jobs ist Mehrsprachigkeit ebenfalls Pflicht!

jo eh
00
7.12.2010, 11:36

mehrsprachigkeit ist im berufsleben v.a. dort gefragt, wo firmen kontakt mit dem ausland/ausländischen mutter-/tochterfirmen oder kunden haben. derartige jobs verlangen aber auch andere kompetenzen, zb das einwandfreie beherrschen der landessprache. und die wichtigkeit der einzelnen sprachen ist unterschiedlich - englisch ist internationale lingua franca, chinesisch wird von mehr als 1,3 mia menschen gesprochen, arabisch ist landessprache in zahlreichen ländern, spanisch detto.

"muttersprachig" nur einsprachig zu sein ist überhaupt nicht nachteilig, denn es hindert nicht am erlernen anderer sprachen. oder wollen sie behaupten, dass sich die "hiesigen" mit "nur" muttersprache deutsch alle auf "dem falschen weg" befinden?

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