Gemächliches Intrigenspiel

14. November 2010, 19:14
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Siebenstündigen Epos - Wo Spannung fehlt, muss die Freude am Historienspiel einspringen

"Die Politik ist ein Kuhhandel zwischen Bettlern, Milady" : Die eine oder andere ewige Wahrheit kann man der Verfilmung von Ken Folletts Bestseller "Die Säulen der Erde", dessen erster Teil am Sonntagabend im ORF läuft, schon abgewinnen. Allerdings muss man dafür die gemächliche Erzählweise des siebenstündigen Epos in Kauf nehmen. Dass die Schauspielerriege unter Hauptattraktion Donald Sutherland ihre Rollen routiniert abspult, hindert die Story nicht daran, in machen Abschnitten völlig auf Spannung zu verzichten.

Wo Spannung fehlt, muss die Freude am Historienspiel einspringen: Ken Folletts Illustration der Geschichte Englands im 12. Jahrhundert anhand eines Kathetralenbaus in einer fiktiven Grafschaft verliert in der Filmfassung nicht vollkommen den gelehrigen Reiz der Historienbetrachtung. Das reale Ereignis des vor der Küste der Normandie gesunkenen, sogenannten White Ship, das den Sohn und Thronfolger von Henry I. an Bord hatte, ist Ausgangspunkt für den Machtkampf zwischen allerhand weltlichen und klerikalen Mittelalterbewohnern. In diesem dankbaren Umfeld können die für TV-Filme typischen Intrigenspiele vorzüglich gedeihen. Das Schiffsunglück könnte nämlich Sabotage gewesen sein, und schon der reale Henry hatte eine Unmenge an unehelichen Kindern, was jeden nachträglichen Intrigenerfinder freuen muss.

Die Beschreibung mittelalterlicher Architekturgeschichte, des Wandels von der Romanik zur Gotik, die sozusagen die Umsetzung des Bildungsauftrags bei Follett ist, kommt im Film immerhin noch ansatzweise vor, wenn Baumeister Tom Builder von den illuminierenden Vorzügen hoher, spitz zulaufender Fenster schwärmt. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 15.11.2010)

Nachlese
"Wir haben nicht alle überzeugt" - Produzentin Bauer erklärt im STANDARD-Interview, warum nicht alle Investoren von der Idee sofort begeistert waren

  • Donald Sutherland.
    foto: orf

    Donald Sutherland.

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