Riss am Meeresgrund und ein Walskelett als "Brücke"

14. November 2010, 19:04
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Deutsches Forschungsschiff vom chilenischen Kontinentalschelf zurückgekehrt

Kiel - Die "Sonne" ist zurück in Kiel: Ende September begann die "SO-210 CHIFLUX"-Expedition des deutschen Forschungsschiffs am chilenischen Kontinentalschelf im Ostpazifik, nun lieferten die 27 Expeditions-Teilnehmer die dabei gewonnenen Daten und Proben am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) ab. Mit dabei auch Bilder von einem Riss am Meeresgrund - mögliches Zeugnis des großen Erdbebens im Februar 2010.

Forschungskontext

"Unsere Funde und Analysen helfen, das Subduktionssystem vor der chilenischen Küste genauer zu verstehen, wo die ozeanische Platte unter die kontinentale taucht und dabei zusammengeschoben und aufgeschmolzen wird", erläutert Expeditionsleiter Peter Linke. "Wir möchten die hier ablaufenden Prozesse und damit verbundene Gefahren in diesem Gebiet besser abschätzen. Damit sind wir jetzt einen ganzen Schritt weiter und können unsere Ergebnisse auch in einen globalen Kontext stellen."

Mehr als 100 Kilo schwere Karbonatblöcke, gehoben mit dem videogesteuerten Greifer des Unterwasserfahrzeugs ROV Kiel 6000, dienen den Wissenschaftern als geochemische Archive: Sie werden demnächst in den Kieler Laboren mit hochspezialisierten Massenspektrometern und Lasergeräten untersucht. Dabei erfahren die Geologen, wie aktiv die Mikroben im Boden waren und welche Mengen an Flüssigkeiten ausgetreten sind - etwa des gelösten Klimagases Methan oder des giftigen Schwefelwasserstoffs. "So können wir die Entwicklung über verschiedene geologische Zeiträume rekonstruieren", erklärt Linke.

Tiefsee-Oasen

"Auf einem Tauchgang mit dem ROV Kiel 6000 haben wir in knapp eintausend Metern Tiefe eine geradezu beispielhafte Oase rund um eine Methan-Quelle genau angeschaut und gezielt Proben genommen", so Linke. Er und seine Kollegen entdeckten Karbonate, die aus der Oxidation von Methan im Meeresboden entstehen, sowie Bakterienmatten, große und kleine Muscheln und Röhrenwürmer. Diese Organismen können sich in diesen extremen Lebensräumen behaupten, weil sie sich direkt oder indirekt von dem gelösten Methan oder Schwefelwasserstoff ernähren.

Besonderes Interesse galt auch einem Walskelett, das nach Schätzungen der Biologen bereits mindestens 60 Jahre in der Tiefe schlummert. "Rund um die fettreichen Knochen leben ähnliche Organismen wie an den Fluidaustritten", erklärt Linke. "Die Wissenschaft fragt sich seit längerem, wie diese spezialisierten Lebewesen von einer Austrittsstelle zur anderen gelangen. Solche Skelette könnten ihre Brücke sein."

Ein ROV-Tauchgang nordwestlich von Concepción illustrierte aber auch, wie schnell sich die Existenzgrundlage dieser Lebensgemeinschaften ändern kann: In 700 Metern Tiefe entdeckten die Forscher ausgedehnte Felder aus toten Muscheln, lange Risse, tellerförmige Senken und Abbruchkanten. Das Wasser enthielt dort weitaus mehr Methan und Schwefelwasserstoff als in anderen Regionen - und mehr, als die Muscheln verarbeiten konnten. "Seit wann es an dieser Stelle schon so aussieht und was genau passiert ist, werden unsere Auswertungen zeigen", stellt Linke klar. "Aber mit einigen Kollegen diskutieren wir bereits, ob es sich hierbei um sehr junge Veränderungen handelt, die mit dem Erdbeben im Februar diesen Jahres in Verbindung stehen." (red)

  • In 700 Metern Wassertiefe stieß das ROV-Team auf diesen Riss.
    foto: rov-team, ifm-geomar

    In 700 Metern Wassertiefe stieß das ROV-Team auf diesen Riss.

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