Unbekannte Struktur innerhalb der Milchstraße entdeckt

14. November 2010, 18:29
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Zwei gigantische Blasen haben den halben Durchmesser unserer Heimatgalaxie - und verbargen sich dennoch bis jetzt im Hintergrund

Washington - Man sollte meinen, unsere Heimatgalaxie könnte keine unbekannten Phänomene mehr bereithalten, die deutlich über die Größe von Sternhaufen hinausgehen. Doch da darf man nun umdenken: Die NASA meldete die Entdeckung einer gigantischen Struktur, die mit einem Ausmaß von 50.000 Lichtjahren etwa halb so groß ist wie der Durchmesser der Milchstraße. Diese Struktur nimmt mehr als die Hälfte des von der Erde aus sichtbaren Himmels ein - doch verbarg sie sich bislang nicht nur vor dem Auge, sondern auch vor den Teleskopen.

Dabei handelt es sich um zwei Blasen mit relativ scharf abgegrenzten Rändern, die vom Zentrum der Milchstraße aus jeweils 25.000 Lichtjahre "nördlich" und "südlich" über die galaktische Ebene hinausragen. Diese Blasen senden Gamma-Strahlen aus - aber nicht genug, als dass sie sich vom galaktischen "Strahlungsnebel" abgehoben hätten, der durch das Aufeinandertreffen von beinahe lichtschnellen Teilchen mit Photonen und dem interstellaren Gas zustande kommt. Sie versteckten sich also die ganze Zeit direkt vor unseren Augen.

Ursprung ungeklärt

Astronomen um Doug Finkbeiner vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge konnten die Strukturen aus dem Hintergrundrauschen herausschälen, als sie Daten des Weltraumteleskops "Fermi" näher untersuchten, welches als hochauflösender Gammastrahlen-Detektor fungiert.

Damit sind Hypothesen gefragt, worum es sich bei den beiden Mega-Blasen handeln könnte. Sie müssen auf einen großen und relativ schnellen Energieausbruch zurückgehen, der vielleicht schon vor einigen Millionen Jahren stattgefunden hat. Die Ursache dieses Ausbruchs ist aber bislang unbekannt. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass es sich dabei um die Überbleibsel von Jets handelt, wie man sie von anderen Galaxien kennt: Teilchenströme, die senkrecht zur Rotationsebene der jeweiligen Galaxie ins All hinausreichen, bei Quasaren teilweise über tausende von Lichtjahren hinweg. Das große Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße sendet "derzeit" zwar keine Jets aus, könnte dies in der Vergangenheit aber durchaus getan haben. (red)

  • Bereits in den 90er Jahren lieferten Röntgensatelliten Daten, die erste Hinweise auf das Vorhandensein blasenförmiger Strukturen in unserer Milchstraße enthielten. Nun konnten US-Astronomen die insgesamt 50.000 Lichtjahre große Doppelstruktur aus dem galaktischen Hintergrund herausschälen.
    foto: nasa's goddard space flight center

    Bereits in den 90er Jahren lieferten Röntgensatelliten Daten, die erste Hinweise auf das Vorhandensein blasenförmiger Strukturen in unserer Milchstraße enthielten. Nun konnten US-Astronomen die insgesamt 50.000 Lichtjahre große Doppelstruktur aus dem galaktischen Hintergrund herausschälen.

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