Proteste gegen Rabat in Madrid

    13. November 2010, 18:20
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    Wegen Gewalt in der Westsahara - Spanische Regierung in Verlegenheit

    Madrid/Rabat - Nach den blutigen Unruhen in der vormals spanischen Westsahara haben am Samstag in Madrid mehrere Tausend Menschen gegen das Vorgehen der Besatzungsmacht Marokko protestiert. Die Demonstranten warfen der Regierung in Rabat massive Menschenrechtsverstöße vor. Heftige Kritik übten die Teilnehmer auch an der Regierung in Madrid. Aus politischem und wirtschaftlichem Kalkül habe diese den Gewalttaten tatenlos zugesehen. Unter den Demonstranten waren auch Künstler und Intellektuelle wie der Schauspieler Javier Bardem. Der Oscar-Preisträger und Ehemann von Hollywood-Star Penélope Cruz rief die Europäische Union und die Vereinten Nationen auf, sich in den Konflikt einzuschalten. "Wie viel Horror ist eigentlich nötig, bis die internationale Gemeinschaft das saharauische Volk schützt?", fragte der 41-Jährige.

    Politiker mehrerer Parteien und die Vorsitzenden der beiden größten Gewerkschaften Spaniens beteiligten sich ebenfalls an der Kundgebung. Zu dieser hatten mehrere Bürgerinitiativen aufgerufen, die die Unabhängigkeitsbewegung Polisario und die in Algerien etablierte Exilregierung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS) unterstützen. Bei den schwersten Unruhen seit Jahrzehnten waren am Montag in der Westsahara-Hauptstadt El-Aiún (Laayoune) mehrere Menschen ums Leben gekommen. Die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt. Marokkanische Sicherheitskräfte hatten eine Protest-Zeltstadt gestürmt, mit der rund 20.000 Saharauis wochenlang für bessere Lebensverhältnisse in dem Wüstengebiet demonstriert hatten.

    Zwölf Tote

    Nach offiziellen Angaben der Regierung in Rabat starben zwölf Menschen, darunter zehn Polizisten. Zudem habe es 163 Festnahmen gegeben. Die Befreiungsfront Polisario spricht dagegen von mindestens 19 Toten, mehr als 700 Verletzten sowie über 150 Verschwundenen. Sie wirft den marokkanischen Sicherheitskräften Folter und Vergewaltigung vor. Die spanische Regierung hat das Vorgehen Marokkos zwar kritisiert, aber nicht offiziell verurteilt. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero verwies auf die wichtigen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit dem südlichen Nachbarn. Madrid verlangte jedoch Aufklärung über den Tod eines Saharauis mit spanischer Staatsbürgerschaft und forderte Rabat auf, die Arbeit der ausländischen Presse nicht länger zu behindern. Mehrere spanische Reporter sind in den vergangenen Tagen ausgewiesen oder an der Einreise gehindert worden.

    Informelle Westsahara-Gespräche unter UNO-Schirmherrschaft fanden in den vergangenen Tagen in der Nähe von New York statt. Die DARS-Regierung hatte dem vom ehemaligen US-Außenminister James Baker ausgearbeiteten Referendums-Plan zugestimmt, doch Marokko lehnte ihn kategorisch ab. Der Baker-Plan sah vor, die Bevölkerung in einem Referendum darüber entscheiden zu lassen, ob sie die volle Unabhängigkeit will oder zu Marokko gehören möchte. Marokko akzeptiert nur eine Autonomielösung. Die Westsahara wurde nach dem Abzug der spanischen Kolonialmacht 1975 zunächst zwischen Marokko und Mauretanien aufgeteilt. Marokko besetzte schließlich das gesamte Territorium, nachdem Mauretanien 1979 mit der DARS einen Friedensvertrag geschlossen und sich aus dem südlichen Teil zurückgezogen hatte. Die von Algerien unterstützte Polisario ("Frente Popular para la Liberacion de Saguia el Hamra y Rio de Oro") nahm den bewaffneten Kampf auf, der 1991 mit einem von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstand eingestellt wurde. (APA/dpa)

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