Streichelzoo abgebrannt - Brandstiftung möglich

14. November 2010, 11:08
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Im Karlsruher Zoo verendeten zahlreiche Tiere bei einem Großbrand - Brandstiftung nicht ausgeschlossen - In Moskau wird ein Eisbär angeschossen

Karlsruhe/Moskau - Der Brand im Karlsruher Zoo in Deutschland ist eventuell auf Brandstiftung zurückzuführen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Zeitgleich hätten unweit des Zoogeländes zwei Mülltonnen gebrannt. Ein technischer Defekt sei aber auch nicht auszuschließen. Ein Sachverständiger soll am Montag die Überreste des Streichelgeheges untersuchen, in dem in der Nacht zum Samstag alle 26 Tiere verbrannten.

Der Zoo ist am Sonntag wieder geöffnet worden, sagte Direktorin Gisela von Hegel. Die vier Elefanten und zwei Flusspferde, die in letzter Sekunde gerettet wurden, verbrachten die Nacht im provisorisch wiederhergerichteten "Dickhäuterhaus".

26 Tiere verendet

Bei dem Feuer im Karlsruher Zoo sind am frühen Samstagmorgen alle 26 Tiere des Streichelgeheges ums Leben gekommen. Das Feuer war aus zunächst unbekannter Ursache im Futterlager ausgebrochen. Angefacht durch starken Wind griffen die Flammen auf das Elefantenhaus über. Vier Elefanten, zwei Flusspferde und 70 Flamingos konnten aus dem stark verrauchten Haus ins Freie gebracht werden.

"Das Feuer strich den Elefanten schon über den Kopf. Es war eine Rettung buchstäblich in letzter Sekunde", beschrieb Feuerwehrchef Roland Goertz die dramatische Aktion. Menschen wurden nicht verletzt.

Für die Tiere im Streichelzoo kam hingegen jede Hilfe zu spät. Als die Feuerwehr eintraf, standen die Holzgehege lichterloh in Flammen. "Es war schon totenstill hier", so Goertz. Die Alpakas, Zwergziegen, Shetland-Ponys, Zwergesel und Schafe kamen im Feuer um - vermutlich erstickten sie im Rauch, bevor sie verbrannten. Getötet wurde auch ein Alpaka-Baby, das erst vergangene Woche geboren wurde. "Unser ganzer Haustiergarten ist komplett weg", sagte Zoochefin Gisela von Hegel mit Tränen in den Augen. "Ich bin geschockt."

Die Dickhäuter wurden vorläufig im Außengehege untergebracht und haben unterschiedlich reagiert. "Die Elefanten nehmen es cool", sagte Hegel. Die teils schon betagten Elefantendamen Rani, Shanti, Ilona und Jenny ließen sich ohne Problem herausführen und standen am Samstagmorgen friedlich bei milden Temperaturen über 16 Grad im Freien. Die beiden Flusspferde reagierten hingegen verstört. "Sie waren total in Panik", erzählte die Zoodirektorin.

Anrainer hatten gegen 4.00 Uhr die Feuerwehr alarmiert. Am späten Morgen hatten an die 100 Feuerwehrleute die Flammen endlich unter Kontrolle. Immer wieder löschten sie vom aufgerissenen Dach aus Glutnester. Brandgeruch lag über dem ungewöhnlich stillen Tiergarten. Einzig die Tauben konnten sich aus dem Streichelzoo retten.

Das Ausmaß des Schadens war zunächst unklar. Erste Schätzungen reichten bis in die Hunderttausende. Große Teile des Elefantenhauses wurden stark beschädigt, während der Flusspferdbereich weitgehend erhalten blieb. 1984 war bei einem Brand im Karlsruher Zoo-Restaurant ein Schaden von etwa einer Million Mark (rund 500.000 Euro) entstanden. Damals war es Brandstiftung.

Moskau: Eisbär angeschossen

Der im Moskauer Zoo lebende Eisbär Wrangel ist von Unbekannten durch Schüsse verletzt worden. Die Verwaltung des Zoos zeigte sich am Samstag in einer Mitteilung "tief schockiert" von der Attacke auf das wehrlose Tier. Demnach wurden die Schüsse Ende Oktober offenbar von einem hohen Gebäude neben dem Zoo abgegeben. Von dort sei das Gehege einsehbar, in das sich der Bär oft zurückziehe. Der Moskauer Zoo liegt im Zentrum der Stadt und ist von Wohnhäusern umgeben. Durch die Schusswunden droht Wrangel den Angaben zufolge nun eine Infektion.

Der Moskauer Zoo beschreibt den 20-jährigen Wrangel als "einen der liebenswertesten Bären" in dem Tierpark. Der Eisbär ist demnach zweifacher Vater und wurde als Jungtier auf der russischen Wrangel-Insel im Nordpolarmeer gefangen. Der Moskauer Zoo wurde 1864 gegründet und ist der älteste des Landes. (APA)

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    Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen am Samstag im Karlsruher Zoo das Elefantenhaus.

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