Umfrage: Pensionsreform lässt Schüssels Popularität auf 34 Prozent sinken

5. Mai 2003, 14:23
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Alfred Gusenbauer ist gestärkt, auch gegenüber Grünen-Chef Van der Bellen - Mit Grafik

Linz – Könnte man den Bundeskanzler direkt wählen, würde jeder dritte Österreicher sein Kreuzerl bei Wolfgang Schüssel machen, jeder fünfte seines bei SP-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer. In der Sonntagsfrage sind ÖVP und SPÖ überhaupt wieder zusammengerückt. Damit ist der Umfrage-Höhenflug der Volkspartei – beflügelt durch die Wahlerfolge bei der Nationalratswahl und der niederösterreichischen Landtagswahl – vorläufig vorbei.

Das sind die Ergebnisse der letzten Umfragewellen des Linzer market-Instituts. Meinungsforscher David Pfarrhofer hatte Schüssels beste Werte in der 6. Kalenderwoche dieses Jahres gemessen: Das war die Zeit, als Schüssel mit den Grünen verhandelte – und Schüssel bei der Kanzlerwahl-Frage 53 Prozent erreichte. Das war ein Wert, wie ihn Bundeskanzler typischerweise bis in die frühen neunziger Jahre erreicht haben.

Seit der neuerlichen schwarz-blauen Regierungsbildung ist Schüssel aber wieder auf einem Wert, "wie er ihn zuletzt vor Beginn des Nationalratswahlkampfs hatte, er steht wieder als ein ganz normaler Politiker ohne großen Kanzlerbonus da," analysiert Pfarrhofer. Genutzt hat das offenbar der SPÖ und ihrem Vorsitzenden: Alfred Gusenbauer erzielt in den letzten Umfragewellen Werte wie noch nie. Mit 20 Prozent wird er nicht nur besser als in früheren Jahren bewertet; er liegt auch klar vor Alexander Van der Bellen (15 Prozent), der während der letzten Legislaturperiode immer wieder als die Kanzler-Alternative empfunden worden ist und bis zum Nationalratswahlkampf in der Publikumsgunst klar vor Gusenbauer lag.

"Die Abwesenheit der Grünen in der Pensionsdebatte hat der SPÖ und ihrem Vorsitzenden ermöglicht, sich wieder als klarer Herausforderer zu positionieren," erläutert Pfarrhofer. Das könne auch in den Daten zur Sonntagsfrage nachgelesen werden: Während die Grünen seit Wochen bei etwa zehn bis elf Prozent liegen und die Freiheitlichen bei acht, werden ÖVP und SPÖ in den market-Hochrechnungen als ziemlich gleich starke Kräfte mit jeweils 40 Prozent ausgewiesen, wobei wochenweise mal die eine oder die andere Partei die Nase vorne hat.

Deutlich habe sich das in der Folge der Niederösterreichwahl ausgewirkt, die der ÖVP noch einmal einen Schub gegeben hat. Dieser Schub lässt sich auch in den Rohdaten klar nachvollziehen: Nach Erwin Prölls Wahlerfolg hat die ÖVP genauso hohe Bekennerfreudigkeit ausgelöst wie in jenen Phasen der Regierungsverhandlungen, in denen Schüssel klar den Führungsanspruch erhoben hat.

In der Pensionsreform, wo ihm weniger folgen wollen, wirkt dieser Bonus offenbar nicht so stark. Dennoch wird die ÖVP derzeit als besonders geschlossen erlebt, gerade auch von den eigenen Anhängern, die zu drei Vierteln die Partei geeint sehen – das ist, wie die Grafik zeigt, ein deutlicher Unterschied zu früher. (DER STANDARD, Printausgabe, 05.05. 2003)

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    grafik: der standard

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