Stimmungssenker

Tagträumen macht unglücklich

12. November 2010, 12:44
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    foto: kurt michel /www.pixelio.de

    Zu viel Grübeln macht unglücklich.

    Foto: Kurt Michel /www.pixelio.de

Den Gedanken freien Lauf lassen ist schlecht für die geistige Gesundheit - Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung noch nicht ausreichend erforscht

Cambridge - Tagträumen nachzuhängen ist schlecht für die geistige Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Harvard University. Mittels einer iPhone-App wurden die Stimmungen von über 2.000 Menschen verfolgt. Das Programm ermöglicht, was traditionelle Methoden der Psychologie nicht können - und zwar regelmäßig am Leben von Menschen teilzuhaben. Rund dreimal am Tag fordert die App die Nutzer dazu auf, die aktuelle Gefühlslage anzugeben. Gefragt wird dabei auch, ob man sich auf diese Aktivität konzentriert oder ob die Gedanken frei wandern. Details der Studie wurden in Science veröffentlicht.

Kaum Gedanken beim Sex

Den Gedanken freien Lauf zu lassen scheint extrem verbreitet zu sein. Die Teilnehmer gaben an, dass sie fast 50 Prozent ihrer Zeit mit Tagträumen verbringen. Am häufigsten wanderten die Gedanken beim Zähneputzen oder vergleichbaren Tätigkeiten. Nur bei einer Aktivität, nämlich beim Sex, fiel die Frequenz auf unter 30 Prozent. Die Teilnehmer gaben auch eher an, sich unglücklich zu fühlen, wenn sie einfach nur ihren Gedanken nachhingen. Tagträume scheinen schlechten Stimmungen vorauszugehen. Umgekehrt ist das nicht der Fall. Damit liegt der Schluss nahe, dass es einen ursächlichen Zusammenhang gibt.

Matthew Killingsworth, der die Erhebung gemeinsam mit seinem Kollegen Daniel Gilbert leitete, hält die Ergebnisse als hochbedeutend. "In Gedanken auf Wanderschaft zu sein, kann Menschen womöglich auch unglücklich machen", so der Experte. Der Zusammenhang könnte auf eine Asymmetrie zurückzuführen sein, wie die Tagträume die Stimmung beeinflussen. Killingsworth und Gilbert fanden heraus, dass Tagträume über angenehme Dinge die Stimmung verbesserten. Diese Verbesserungen waren jedoch nur gering.

Schlechte Stimmung mit Grübeleien verbunden

Dachten die Teilnehmer an neutrale Dinge, entsprach das einer ähnlich geringen Verdüsterung der Stimmung. Unangenehme Tagträume entsprachen jedoch einem Abfall von 20 Punkten auf einer Skala von 100. Diese Skala wurde den Teilnehmern zur Beurteilung ihrer jeweiligen Stimmung zur Verfügung gestellt. Jonathan Smallwood von der University of California erklärt, dass es bisher nur Versuche im Labor gegeben hat, Tagträume und Glücksgefühle zu untersuchen. Noch nie seien so viele Menschen in ihrem Alltag begleitet worden.

Smallwood argumentiert jedoch auch, dass der Zusammenhang von Ursache und Wirkung näher erforscht werden müsse. Laborexperimente hätten gezeigt, dass es auch ganz anders sein kann. Zeigte er Menschen Videos mit einer traurigen Geschichte, führte das dazu, dass die Gedanken mehr wanderten. Es sei schwierig, Ursache und Wirkung in einen direkten Zusammenhang zu bringen. Es bestehe jedoch kein Zweifel daran, dass schlechte Stimmungen und das Wandern der Gedanken untrennbar miteinander verbunden sind.

Weniger Tagträume zuzulassen, zu meditieren oder einfach genug zu tun zu haben, könnte Menschen helfen, gegen Depressionen anzukämpfen. Tagträume ganz zu unterbinden, selbst wenn das möglich wäre, sei jedoch nicht ratsam. Die Ironie an der ganzen Sache sei nämlich die, dass mit dem freien Schweifen der Gedanken auch Neues entstünde.  (pte)

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Posting 1 bis 25 von 59
1 2
A Friend In Need...
00
19.2.2012, 00:52
Kernaussage:

Menschen, die viel denken, sind unglücklicher.

Ach was?! Ich hatte immer gedacht, die Dummen, nicht über die Welt und ihre Probleme Reflektierenden wären unglücklich!

Wolkengedanken
00
18.8.2011, 11:59

Dass man beim Sex und bei kreativen Aktivitäten nicht die Gedanken schweifen lässt sondern voll bei der Sache ist, gehört schon wieder zu den Dingen auf die ich ohne entsprechende Studie niiiiiiiiie gekommen wär !

klingt logisch - ist auch so!
00
19.1.2011, 06:41
...arme beamte

das kleine Massnahmenpaket
00
15.12.2010, 16:48
Nur bei einer Aktivität, nämlich beim Sex, fiel die Frequenz auf unter 30 Prozent.

Wie darf man sich das konkret in der Umsetzung vorstellen? Gibt es da Leute, die während sie es treiben, die gleichzeitig Fragen über I-phone ausfüllen ???

jade
01
23.11.2010, 12:35
.... Entsprechung ....

Jemand der insich ruht "Flow" wird gezielt aus Diesem gerissen. Gesteuert von der Wiege bis zur Bahre. Jeder der dem nicht entspricht, oder entsprechen will, fluk,s eine behandlungsbedürftige Persönlichkeitsstörung. Hier wird eine gesellschafts politische Strömung offensichtlich, nämlich die des "gezüchteten Wirtschaftsmenschen."
oder G. Orwell, - Doppeldenkneusprech, - Im jeden Fall aber eine düstere Perspektive ...........

Harry Y.
 
03
15.11.2010, 19:35
Ich mache mir, wie schon länger,

nur noch Sorgen über solche dubiosen Studien. Die Frage ist dabei, wie auf solche Ergebnisse reagieren wird: wird daraus ein Konzept für den Angestellten/Arbeiter der Zukunft? Wie studiengläubig sind Konzernchefs? Wird das jetzt schon ausufernde Coaching, in der Firma zb, nicht krass zunehmen? Entsteht da langsam ein Brave New World?

Was mich betrifft, habe ich häufig sehr viel vom "Tagträumen" bzw. abschweifenden Gedanken - schreibe im Kopf, habe gute Ideen usw. Mir schaudert vor einem fremdgesteuerten Menschen.

Systemrelevante Ausländerin
00
14.11.2010, 15:53
fahrenheit 451

lässt grüßen ^^

123guenther
 
00
14.11.2010, 15:07
Tagträumen ja! Nur in welche Richtung?

Das Menschen tagträumen ist klar. Die wichtige Frage dabei lautet in welche Richtung die Tagträume gehen? Träume ich von den "positiven" aufbauenden und lösungsorientierten Dingen z.B. Zurückliegende Erfolge, schöne Erlebnisse usw. oder beschäftigen mich meine Ängste und Zweifel über Gebühr. Im 2. Fall stimmt das wohl mit "Tagträumen macht unglücklich". Das Gute ist, man ist den Gedanken nicht grundsätzlich hilflos ausgeliefert sondern man kann Sie sehr stark beeinflussen. :-)

Doris Rittberger - www.wildurb.at
03
14.11.2010, 11:37
gehen macht glücklich

das sagt nicht nur der sozialwissenschaftler ernst gehmacher. ich bin vor circa 3 jahren von perchtoldsdorf nach mariazell gegangen. und zwar nicht, weil ich so gläubig bin, sondern weil der weg gut beschrieben ist. nach 10 stunden zu fuss denkt man nicht mehr an sorgen. da denkt man daran, ob sich die eine etappe, die man sich vorgenommen hat, noch ausgeht, ob der müsliriegelvorrat reicht, wo man übernachten wird,... ab dem 2. tag schon, hab ich an gar nichts mehr gedacht. nach 3 tagen hat es geregnet und ich habe darüber nachgedacht mit der bahn nach hause zu fahren, bin aber weitergegangen, am 4. tag in mariazell angekommen, wollte ich den europäischen weitwanderweg weitergehen und nicht mehr nach hause...

mister moster
01
14.11.2010, 02:52
Wieder eine Studie, die keinem wirklich was nutzt.

Und da werden Prämissen herangezogen, dass es jedem ausgebildeten Philosophen die Wimpernhaare aufstellt.
Wie kann man Tagträumen versuchen kausal zu erklären? Das ist doch barer Unsinn. Das Leben bzw das Hirn funktioniert nicht linear. Man kann auf dieser Ebene nicht von einem Punkt A auf B schließen. A ist ja schon mit G oder Y verkünpft.
Da wäre es sinnvoller, sich über Wirkungszusammenhänge zu unterhalten.

Duck of Death
03
14.11.2010, 02:08

Schon bald von ihrem freundlichen Pharmakonzern, die Pille gegen Tagträumen. Produktivitätssteigerungen von über 725% sind möglich.
Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut.

Ausgezeichnet!

Morpheus DerStandard
01
14.11.2010, 10:50

Das hast du schön gesagt - jetzt gleich den Gutschein vom Arzt deines vertrauens abholen.

Be Happy, be Pharma :P

Got Your Noes!
10
14.11.2010, 01:35

man könnte auch sagen, der gemeinsame nenner der probanden wäre das iPhone. ergo, iPhones machen unglücklich. genauso schwachsinn wie die behauptung tagträumen mahe unglücklich! im gegenteil: das abschweifen vom grauen, mitunter unangenehmen alltag in wunschvorstellungen aknn doch äußerst befreiend sein. für mich sieht es aus als hätte man gezielt latent depressive in die studie gesteckt. und natürlich denkt man beim sex nicht viel nach: hier gehts doch wirklich um den genuss, und man zerdenkt schließlich auch keinen guten wein.

DreadCat
00
14.11.2010, 00:40
Irgendwie...

...nicht sehr überraschend...

Wie lautete ein Rat eines Weisen?

Man sollte sich nur in die Einsamkeit zurückziehen,
wenn man sich selber gute Gesellschaft ist.

Offensichtlich...

jade
00
23.11.2010, 12:59
um Gotteswillen

Allen Ernstes zu formulieren das man sich in der Einsamkeit wohlfühlt ist ja schon wieder psychische Störung. Das hiese ja, das der Betreffende sein eigenes Leben lebt und somit konsumgeiler Spass gesellschaft und mehr noch Arbeitwelt mentale Ressoursen vorenthält. Zu Letzerem: Der Kommuniaktionscoach wird die mentale Substanz des Einzelnen schon in die richtige, will sagen wirtschaftl produktive Richtung, lenken.

gletschermandl
02
13.11.2010, 22:58

halt die äußere klappe, halt die innere klappe und wir richtens dir von der wiege bis zur bahre.

astemp79
02
13.11.2010, 20:39
Wieder so ein Unsinn ...

... was werden da bloß für "Studien" produziert?? wer steckt dahinter? Sind das Vorboten von irgendwelchen mittels Selbstmedikation einzunehmenden Stimmungsaufhellern?
"Tagträumen" tut jeder Mensch: er hängt seinen Gedanken nach, die aus Vergangenheit und Gegenwart, manchmal Zukunft bestehen. Das ist auch gesund: denn daraus "baut" er sich seine Entscheidungen.
Tagträume haben gar nichts mit Glücklichsein oder Depression zu tun!
Natürlich tagträumen unglückliche, depressive Menschen: dann leben sie in der Vergangenheit und bleiben dort stecken.
Tagträumen glückliche, ausgeglichene Menschen: dann entspannen sie sich in angenehmen Situationen (z.B. Urlaub) und tanken Kraft daraus. Das wird in geführten Meditationen sogar gefördert.

pox vobiscum
03
13.11.2010, 19:47

Dass Tagträumen unglücklich macht ist mir im Selbstversuch noch nie aufgefallen.

Paris Texas
01
13.11.2010, 18:10

also alle kreativ schaffenden leute, die ich kenne sind begnadete tagträumer. und erfrischend fröhlich. tagträumen ist wichtig für kreatives schaffen. wenns natürlich keinen kreativen prozess gibt, dann gute nacht...das sind dann wohl die verhinderten künstler, menschen, die jeden und alles runterziehen.
meinte die studie solche leute? dann hat sie wohl aber erste vergessen :o

Sibylle Rosenstrauch
03
13.11.2010, 13:32
Tagträume - Grundbedingung für geistige Gesundheit!!!

Auf diesen Umkehrschluss hab ich direkt gewartet! Vielleicht sollte man endlich doch beginnen, die Realität infrage zu stellen...
Meine Meinung: Tagträume sind 'conditio sine qua non' für geistige Gesundheit - und Kreativität !!! Und wenn die Voraussetzungen dafür nicht mehr gegeben sind, dann ist jede Art von Medikamenten und Drogenkonsum kontraindiziert, dann hilft meines Erachtens nur noch Ausagieren, will heißen - versuchen selbst zu Fakten schaffen: Aktion !!!

gastrosoph
04
13.11.2010, 08:13
Erst denken, dann recherieren

Wie ein Poster unten richtig schreibt: Kausalitätsdenken existiert auch in Österreich nicht. Menschen, die berufsbedingt denken oder einfach Spaß daran haben, sind in der Regel nicht depressiv und brauchen Tagträume. Vielleicht werden die depressiv, die es nicht gewohnt sind, in sich hineinzudenken bzw. -träumen? Erst mit solchen Fragestellungen werden o.g. Studien sinnvoll.

Sibylle Rosenstrauch
00
14.11.2010, 09:58

Die Fähigkeit selber zu denken wird bei uns nicht unterstützt - und Depressionen sind analytisch gesehen verdrängte Aggressionen. Dann passt's wieder, oder!?

gastrosoph
00
14.11.2010, 14:17
Depression ist per se

keine Aggression; wenn, dann eine Regression, also Aggression sich selbst gegenüber, wie etwa das Ritzen. Ich würde sage Depressionen sind Nebenassoziationen, Mangel an Hormone wie Serotonin. Kann aber auch an pathologischen Gehirnstörungen liegen - betrifft aber die Minderheit. Was unserer Gesellschaft fehlt, ist, sie gibt zu wenige Anreize, damit der Einzelne sich und seine Phantasien entfalten kann. Die Normierung des Einzelnen führt zur Unterwerfung, egal in welcher Art von Gesellschaft. Chancen, dem zeitweise zu entgehen, bestehen in der Ausübung kreativer Tätigkeiten, wie Kochen, Lesen, Musik...

Sibylle Rosenstrauch
00
15.11.2010, 20:27

Ja, Sie formulieren es genauer als ich, ich denke aber dass gegen sich selbst gerichtete Aggressionen sehr weit verbreitet sind - Ritzen, Alkoholismus.... sind Extremformen davon. Die Ursachen sehe ich auch gesellschaftlicher Natur:
http://www.youtube.com/watch?v=AN3rN59GlWw

pixie1
00
13.11.2010, 00:50
ist keine app...

Es ist gar keine app sondern eine Studie mit emails, die Webseite ist halt smartphone tauglich...ist das wort iphone-app alleine schon so werbewirksam?
https://www.trackyourhappiness.org
Im Userforum rangiert die Anregung "create an iphone app" an erster Stelle...

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