Brandlöscher nach der Rasur

  • Die Nassrasur stellt für das Männergesicht eine große Belastung dar.
    foto: apa/ronald wittek

    Die Nassrasur stellt für das Männergesicht eine große Belastung dar.

3360 Stunden seines Lebens muss der Durchschnittsmann der Entfernung seiner Barthaare widmen - Eine enorme Belastung für das zarte Männergesicht

Männerhaut ist anders. Sie ist um rund 20 Prozent dicker als das weibliche Pendant und enthält mehr Kollagen, was sie weitaus straffer und widerstandsfähiger macht. Die Falten kommen aufgrund dessen später, dafür geht es dann aber kräftiger zur Sache. 

Mutter Natur verschont also auch die Männerwelt nicht. Begünstigt ist Mann mit diesen Voraussetzungen aber allemal, und trotzdem nicht zu beneiden. Denn das männliche Gesicht zieren im Schnitt 5.000-30.000 Haare und die Rasur ist für die Haut eine echte Strapaze. Der Durchsschnittsmann verbringt im Laufe seines Lebens 3360 Stunden allein mit rasieren. 90 Prozent aller Männer rasieren sich täglich, 60 Prozent bevorzugen die Nassrasur.

Trocken vor nass

Nass macht die Haut zwar glatter als die trockene Rasur, jedoch leiden viele Männer danach echte Qualen. Die scharfen Rasierklingen peelen die Haut regelrecht und entfernen die Bartstoppeln unter dem Hautniveau. Darauf reagiert die Männerhaut mitunter sensibel. Rötungen, kleine Verletzungen und Ausschläge können Folgen sein. Besonders unangenehm ist der Rasurbrand, auch als Folliculitis barbae bezeichnet. 

Eingewachsene Barthaare sind hier das Problem. Einmal abgeschnitten wächst das Haar hier nicht im korrekten Winkel aus den Hautporen heraus. Es krümmt sich und wächst zurück in die Haut, die diesen als Fremdkörper betrachtet. Eine bakterielle Entzündung im oberen Bereich des Haarfollikels ist die mögliche Konsequenz. Die Follikulitis kann Schmerzen bereiten, die entstandenen Pusteln heilen aber in der Regel folgenlos aus. Wird die Entzündung allerdings chronisch, dann kann der Entzündungsprozess auch tiefer vordringen und eine Zerstörung der Follikel nach sich ziehen (Sycosis barbae).

Silberionen und Licochalcone A

Laut einer aktuellen Umfrage des Market Instituts wissen sich 60 Prozent der Männer bei Rasurproblemen mit eincremen zu helfen. 13 Prozent geben Rasurprodukte als Lösungsstrategie an. Die Zeiten, in denen sich Mann morgens nach der Rasur ausgiebig alkoholreiches Rasierwasser zur Erfrischung und Desinfektion auf die Backen klatschte, sind aber definitiv vorbei. Die hohe Ethanolkonzentration in diesen Wässerchen tut nämlich keiner Haut gut, entzieht sie ihr doch Feuchtigkeit und stört die schützende Hautbarriere empfindlich. 

Gender Mainstreaming hat aber glücklicherweise auch vor dem Organ Haut nicht halt gemacht, deshalb wurde die Entwicklung eigener Männerhautpflegeprodukte in den letzten Jahren deutlich forciert. Neben dem reduzierten Alkoholgehalt, können sich die Inhaltsstoffe diverser After Shave Kosmetika mittlerweile sehen lassen. Antibakterielle Silberionen und Substanzen wie Licochalcone A verhindern und bekämpfen erfolgreich rasurbedingte Hautirritationen, angeblich auch bei besonders empfindlicher Haut.

Fetthaltige Männerhaut

Im Unterschied zu den Frauen, werden männlichen Hautprobleme allerdings mit weit weniger reichhaltigen Produkten gelöst. Die Creme für die Frau mit trockener Haut ist für die meisten Männer einfach zu fetthaltig. Männerhaut ist per se fetter, sorgt doch Testosteron für eine erhöhte Talgproduktion und damit auch für mehr Hautunreinheiten.

Unabhängig vom Hauttyp ist die perfekte Lösung für den Mann sowieso eine ganz andere als für die Frau, muss sie doch vor allem praktikabel sein. Eine einzige Creme, ein Rasur-Gel oder Balsam sollte im besten Fall alle Bedürfnisse auf einmal vereinen, Anti-Aging und UV-Schutz inklusive. Das spart Zeit und erübrigt in manchen Fällen eine Rasurpause. (derStandard.at, 07.12.2010)

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