Die Pedalritter der Kokosnuss

18. November 2010, 12:31
  • Anreise & Unterkunft
Flug z. B. mit Qatar Airways aus Wien via Doha mit kurzer Umsteigezeit nach Male. Übernachtung im neuen "Shangri-la Villingili" (www.shangrila.com) im Addu-Atoll ab umgerechnet 335 € pro Person im Doppelzimmer inkl. Frühstück und Leihfahrrad. Der Anschlussflug mit Maldivian von Male nach Gan und zurück ist in vielen Hotelpreisen bereits eingeschlossen. 
Informationen: www.visitmaledives.com
    foto: reuters

    Anreise & Unterkunft

    Flug z. B. mit Qatar Airways aus Wien via Doha mit kurzer Umsteigezeit nach Male. Übernachtung im neuen "Shangri-la Villingili" (www.shangrila.com) im Addu-Atoll ab umgerechnet 335 € pro Person im Doppelzimmer inkl. Frühstück und Leihfahrrad. Der Anschlussflug mit Maldivian von Male nach Gan und zurück ist in vielen Hotelpreisen bereits eingeschlossen.

    Informationen: www.visitmaledives.com

Das Addu-Atoll auf den Malediven kann man neuerdings auf dem Fahrrad erkunden und so dem maledivischen Alltag ein Stückchen näherkommen

Sie sind wieder da, haben ihre Fahrräder an die Hauswand gelehnt, hocken unter dem alten Mangobaum gegenüber der Fischerboote, haben die letzten Regentropfen von dem wackeligen Holztisch gewischt, ihr Schachbrett ausgebreitet, die Figuren aufgebaut: wie gestern Morgen - und wie an jedem Tag. Ein Tropensturm wie der aus der letzten Nacht bringt die Männer aus Feydhoo und Maradhoo nicht aus der Ruhe. Dass es einmal prasselt, blitzt und donnert wie die Ouvertüre zum Weltuntergang: na und, kennen sie genau - und wissen, dass morgens wieder die Sonne am Himmel stehen und der Wind die Wolken weggeschoben haben wird. Alltag im Addu-Atoll knapp unterhalb des Äquators.

Manchmal kommen inzwischen ein paar Neugierige zu Besuch, die ebenfalls mit Rädern unterwegs sind, schauen den Schachspielern zu, plaudern mit Händen, Füßen und ein paar gemeinsamen Brocken Englisch: Es sind Fahrrad-Urlauber - eine neue Spezies auf den Malediven. Sie möchten herumkommen im Paradies, wollen schauen, wie die Malediver leben - und fliegen dafür nach Addu ganz unten im Inselstaat.

Es ist ein Atoll mit einsamem Rekord: Über fünf mit Dämmen und Brücken verbundene Addu-Inseln spannt sich die mit 17 Kilometern längste Asphaltstraße der Malediven. Zweispurig ist sie, einen akkurat weltstädtischen Mittelstreifen hat sie. Rechts schillert der Ozean in Türkis, links sind es die Kokospalmenhaine in Dunkelgrün, in die hinein sich Dörfer und Gärten ducken. Und auf dem Rückweg ist alles seitenverkehrt.

Ein paar hundert Meter sind die Querwege lang, allesamt aus Sand, die von der Hauptstraße ins Grün hinein und weiter bis zur gegenüberliegenden Küste der langgezogenen Inseln abzweigen. Sie führen an bunt gestrichenen Häusern vorbei, an kniehoch ummauerten Gärtchen voller Bananenstauden, an Hängematten und Holzstühlchen, an Moscheen und Friedhöfen und kleinen Geschäften. Und an vielen lächelnden Menschen, an neugierigen Kindern, die aufgeregt winken. Es sind noch nicht viele Fremde, die nach Addu kommen und hier radeln. Und es ist nicht so, dass sie es schon seit langem dürften.

Erst der neue Präsident Mohamed Na-sheed (43), seit gut zwei Jahren im Amt, hat die zuvor praktizierte Trennung zwischen reinen Hotel- und für Fremde fast durchwegs verbotenen Einheimischen-Inseln aufgehoben. Sein diktatorischer Vorgänger Gayoom, unter dessen dreißigjähriger Herrschaft Nasheed sechs Jahre im Gefängnis saß und immer wieder gefoltert wurde, wollte keine wirkliche Berührung der Kulturen. Nasheed, gefeiert als "Malediven-Mandela", sieht das anders: Alle können voneinander lernen und sich gegenseitig voranhelfen.

Die Einheimischen können zudem an den Fremden verdienen, können kleine Cafés eröffnen und Souvenirs verkaufen - und die Touristen maledivischen Alltag erleben, Fischern, Handwerkern und Bauern bei der Arbeit zusehen - und den Schachspielern auf Feydhoo.

Addu galt lange als das vergessene Atoll mit mehr als 70 Flugminuten südlich von der Hauptstadt Male, um die herum sich in den gut erschlossenen nördlichen Atollen die meisten Hotelinseln gruppieren. Erst die Eröffnung eines ersten Luxushotels hier unten schafft plötzlich neue Perspektiven. Von der Shangri- la-Resort-Insel Villingili sind es acht Speedboat-Minuten bis zu den Schachspielern und den dort bereitstehenden neuen Leihfahrrädern an der 17-Kilometer-Straße - bis zur Entdeckungstour durch den Insel-Alltag.

Eine Gangschaltung ist nicht erforderlich auf Inseln, wo maximal dreißig Zentimeter Höhenunterschied zu bewältigen sind. Die Klingel fehlt ebenso - weil auch sie auf Eilanden fast ohne Verkehr keiner braucht.

Orange getüncht ist die Tankstelle für die wenigen Autos hier, die paar mehr Mopeds und Roller. Eine Fahrradpumpe hat der Tankwart dort ebenfalls bereitliegen. Gelb und lindgrün sind die kleinen Restaurants nicht weit davon, kaugummiblau die Schulgebäude. Und so leicht es sich auf dem fast schnurgeraden Asphalt mit Linksverkehr in die Pedale treten lässt, so sehr knirscht und knackt der Korallensand der Nebenstraßen unter den Profilreifen. Und manchmal muss man sich ducken, wenn die Arme kleiner Kokospalmen in den Weg ragen oder Bananenblätter einen Klaps an die Stirn zu geben drohen.

Nebenstraßenidylle

Am schönsten ist es dort, wo so etwas geschehen kann: abseits der langen Piste, mitten in den kleinen Straßen. Um die Mittagszeit riecht es nach Reis, nach kräftig gewürztem Fish-Curry aus dem hellblauen Steinhaus - und nach gebackenen Früchten aus dem Holzhaus gegenüber. Ein Hund eilt über den Weg, und Kinder rennen hinter einem Fußball her wie neulich erst ihre Vorbilder aus der maledivische Nationalmannschaft, die hier zu Gast waren. Sie hatten für ein Länderspiel trainiert. Ausgetragen wurde das Match später in Male.

Die Insel-Kicker haben 3:2 gegen die Philippinen gewonnen, zuvor Bhutan 5:0 besiegt. Einer der Schachspieler aus Feydhoo war extra für viel Geld in die Hauptstadt geflogen, um das Nationalteam anzufeuern. Er hatte viel zu erzählen, als er zurückkam: vom Gedränge dort, den vielen Motorrädern, den hupenden Taxis in Male, den hohen Häusern, der dichten Bebauung, den kurzen Straßen. Der Alltag sei dort ein anderer, und Palmen gibt es fast keine.

Die Männer aus der Runde schauen ihn mit großen Augen an. Kaum einer von ihnen hat das Addu-Atoll je verlassen. Sie wissen, dass es viele Inseln nördlich von ihnen gibt und dass irgendwo Festland kommen muss. Aber warum hinfahren? Lieber schnell beim rollenden Kiosk noch eine frische Kokosnuss mit Strohhalm hohlen.

Neulich erst war etwas los am Hafen: Die "Alaka" hatte 80 weitere werksneue Fahrräder aus Indien mitgebracht - olivgrün und ohne Lampe, zwischen Bettwäsche, Glühbirnen, Möbeln, zwischen Gemüse und Cornflakes. (Helge Sobik/DER STANDARD/Rondo/12.11.2010)

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2 Postings
Einheimische kommen zuerst dran

mit der zweimotorigen Turboprop die mit Fernseher und Mikrowelle vollgestopft wird.
Auch Wartezeiten nicht ausgeschlossen. Unser Tauchgepaeck kam zwei Tage spaeter an.
Gan war ein Britischer Militaerstuetzpunkt.
http://www.rafregiment1964to1970.co.uk/Geordie%2... dstaff.htm

Am Aussenriff die schaerfste Brandung.
Im Atoll liegt ein Schiff das noch immer Diesel von sich gibt.

Nein! Warum hab ich das gelesen??

Jetzt fühl ich mich wieder schlecht, weils noch soooo lange dauert, bis ich wieder die Malediven besuchen kann .....

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