Audiotherapie

Musik ist Medizin gegen Depression

12. November 2010, 08:06
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    foto: apa/franka bruns

    Depression lässt sich mit Musikhören behandeln.

Erstmalig gehört wirkt Musik am besten - Trotz hohem Therapieaufwand zeigen Patienten hohe Therapietreue

Salzburg - Eine neu entwicklete Form der Musiktherapie eignet sich als alleinige Behandlungsform bei leichten und mittleren Formen der Depression. Bei schweren und lange anhaltenden Erkrankungen wirkt sie als zusätzliche Maßnahme positiv. Das berichtet eine internationale Forschergruppe im "Journal of Psychotherapy and Psychosomatics". "Musik kann Veränderungen im Hirn auslösen, die über andere Wege nicht gelingen", betont Vera Brandes, Leiterin der Studie sowie des Forschungsprogramms Musik-Medizin der Paracelsus Privatuniversität Salzburg.

Erfolg auch bei Oftbehandelten

203 Patienten mit Depression wurden dazu fünf Wochen lang mit einer auf Musik basierenden Therapie behandelt. In dieser Placebo-geprüften Doppelblind-Studie waren teils Patienten vertreten, die zuvor nie in einer Therapie waren, sowie solche, die bereits viele Versuche hinter sich hatten ohne zufriedenstellendem Ergebnis. Bei 89 Prozent der mit Audiotherapie Behandelten besserte sich der Schweregrad ihrer Depression - um durchschnittlich 60 Prozent, nimmt man die Hamilton-Skala als Maßstab.

"Beide Gruppen haben von Musiktherapie in gleichem Maß und auf lange Sicht profitiert", berichtet die Forscherin. Die Befunde stabilisierten oder verbesserten sich durchgehend und auch die Nachwirkungen waren langfristig. Das Ergebnis dieser bisher größten Studie zu Musiktherapie bei Depressionen wird Brandes Ende November am Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde präsentieren.

Heilung braucht neue Musik

"Unser Ziel war es, ein System für die ärztliche Praxis zur Verfügung zu stellen. 70 Prozent der Depressionen werden vom Hausarzt diagnostiziert und behandelt", so Brandes. Bei dem gestesteten Konzept, das den Namen "Sanoson" trägt, führen Arzt und Patient zunächst ein Erstgespräch nach vorgegebenem Schema. Auf Grundlage dieser Angaben und eines ausführlichen Fragebogens stellen Psychologen ein individuelles Musiktherapie-Programm zusammen. Der Patient erhält nach Einführung durch den Arzt ein Audiotherapie-Leihgerät mit nach Hause und durchläuft das Programm fünf Wochen lang zwei halbe Stunden pro Tag.

Hinter dem System steckt enorme Entwicklungsarbeit. Die Musikstücke wurden eigens zu diesem Zweck komponiert und entfalten durch Frequenzspektrum und Rhythmus eine jeweils spezifische Wirkung. "Musik wirkt dann am besten, wenn man sie zum ersten Mal hört. Bei bekannter Musik schwingen immer Assoziationen mit, die physiologisch ungünstig sind und nicht dieselbe Wirkung erzielen", erklärt die Expertin. Auch ein szepzielles Abspielgerät wurde entwickelt. "Es greift auf ein Audioformat zurück, das keine Qualitätseinbußen durch Kompression bringt, die etwa das mp3-Format zeigt."

Musik verändert den Körper

Die Musik spricht eine große Bandbreite von Körperfunktionen an - darunter auch Hirnareale, die mit anderen Mitteln nicht erreicht werden können. "Ein wichtiger Schlüssel ist das autonome Nervensystem, jedoch sind auch im Dopaminkreislauf des Belohnungssystems, bei der Muskelaktivität und Körpertemperatur, in zirkumdiären Blutdruckschwankungen, im EEG sowie in Stressparametern deutliche Änderungen messbar", so Brandes. Derzeitige Studien zur Depressionsbehandlung konzentrieren sich vor allem auf die Parameter, die auch Psychopharmaka-Hersteller verwenden. "Das bringt den Vorteil des besseren Vergleichs."

Depressive brauchen niederschwellige Angebote, betont Brandes. Viele sind von existierenden Therapien nicht überzeugt, bei manchen funktionieren sie nicht. "Gerade die Restsymptome sind oft ein Problem. Denn Patienten kommen zwar oft mit unvollständiger Heilung klar, richtig gut leben können sie damit jedoch nicht. Die Folge sind hohe Rückfallquoten und eine jedes Mal größere Hürde, sich wieder zur Behandlung zu motivieren", erklärt die Wissenschaftlerin. Beim Sanoson-System sei der Aufwand mit den fünf Wochen hoch, dennoch zeigten die Patienten die bestmögliche Therapietreue.

Krankenkassen überlegen noch

Anwendung findet die Audiotherapie bisher bei mehreren Leiden - außer bei Depression auch beim Burnout-Syndrom, bei Schlafstörungen sowie auch für die Steigerung der Herzfrequenz-Variabilität bei Hypertonikern. "Erfolgsberichte gibt es auch bei bipolaren Störungen. Bei Schizophrenie oder Psychosen haben wir noch keine Erfahrungen", erklärt die Expertin. Die Behandlung kostet 1.500 Euro, wobei derzeit in Europa und auch in den USA Verhandlungen mit Krankenkassen bezüglich eines Kostenersatzes laufen. "Immer mehr Ärzte nehmen die Musiktherapie ernst, zudem sind auch viele Betriebe interessiert, die mit Burnout oder Burnout-gefährdeten Mitarbeitern konfrontiert sind." (pte)

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Posting 1 bis 25 von 45
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Oliver Lau
00
29.11.2011, 15:01
Musik gegen Depressionen

Habe mit Musik gute Erfahren bei der Bekämpfung von Depressionen gesammelt. Funktioniert. Zusätzlich nehme ich noch ein Antidepressivum. Allerdings kann wegen eines bestehenden Tinnitus Musik nur begrenzt lange und in nicht allzu großer Lautstärke hören. Musik wirkt da, wo das Medikament nicht mehr wirkt.

NickKnarrkarton
40
14.11.2010, 15:19

Eine Studie über 5 Wochen mit unglaublichen 200 Patienten - sehr aussagekräftig, muß ich schon sagen. Das ist ja geradezu bahnbrechend *kicher*.
Und Burn-Out kann man damit auch beseitigen - na Gott sei Dank. Am Ende müßten die Leute noch einen Gang zurückschalten. Einfach CD rein und schon ist er gestresste Körper funktionstüchtig. Am besten gleich während der Arbeit. Einfach die Ohren volldröhnen lassen und alles wird gut.
Für Schizophrenie gibt es noch keine Erfahrungen, aber macht nichts - ich bin mir sicher, daß sich damit auch der Gehirnstoffwechsel in Sekundenschnelle normalisiert wenn man nur die richtige Tonleiter erwischt ...

peterchensmondfahrt
11
14.11.2010, 11:55

Zitat: "Musik wirkt dann am besten, wenn man sie zum ersten Mal hört. Bei bekannter Musik schwingen immer Assoziationen mit, die physiologisch ungünstig sind und nicht dieselbe Wirkung erzielen"

Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Meine Endorphinausschüttung bei guten Musikstücken ist erfahrungsgemäß zwischen dem 2. und dem 10. Hören am größten. Danach fällt die Begeisterung für einen Song und damit seine körperlichen Auswirkungen steil ab.

erich1963
01
15.11.2010, 07:34
Exakt.

Diesen Effekt nennt man semantisches Priming. Davon lebt die ganze Musik Mozarts, Bachs, Hansi Hinterseers, ...;-)

Ramba Zambas Sohn
00
10.12.2010, 14:48
Mozart und Bach mit Hansi Hinterseer in einem Satz? Alleine das ist eine Frechheit

Dass Musik ein Stimmungsaufheller sein kann (abgesehen von Hansi Hinterseer) ist allgemein bekannt. Das man sich damit auch selbst ´heilen´ kann ist wohl auch klar.

Charles de Molay
00
8.12.2010, 21:11

nein , semantisches priming nennt man die erleichterung der verarbeitung eines reizes durch einen kurz zuvor gesehenen/gehörten.. reiz der mit dem zielreiz verbunden ist, zb. kaffee-milch; in der musik ist es wohl eher ein repetition priming

votec
03
13.11.2010, 13:19
DAS ist therapie !!

http://www.tomwaits.com

allerdings sollte man schon etwas "gefestigt" sein ....

Mr. Wahoo
02
13.11.2010, 17:47

stimmt, wenn man es schafft die schweren Texte wegzustecken, dann schaut die reale Welt gleich viel besser aus :)
Wenns mir ganz schlecht geht, hör ich Leonard Cohen, dann kanns auch nur mehr bergauf gehen...

Everbody knows...

Got Your Noes!
00

es gibt auch prositives im repertoire des lord of songs ;)

Ridcully
02
13.11.2010, 07:49
Musik kann heilen ....

Allerdings nicht, wenn man sich bloß damit berieseln lässt. Lernt ein Instrument und spielt selbst, das hilft wirklich! Man ist nie zu alt dazu, ein Instrument zu erlernen und es trainiert und fordert das Gehirn.

zhang sanfeng
02
12.11.2010, 21:10
"In dieser Placebo-geprüften Doppelblind-Studie..."

bitte wie muss ich mir ein musik-placebo vorstellen?
gaga?

zhang sanfeng
01
13.11.2010, 08:50

*lol*
ahja, das macht sinn - die einen hören richtige musik und die anderen placebo.
jetzt, wo sie das aufgedeckt haben wird es allerdings schwierig werden, die "doppeltaub"-bedingung durchzuhalten.

witchdoctor
03
12.11.2010, 20:27

Bei mir wirkt Nick Cave's "Ship song", wenn ich so richtig schön traurig sein will ;-)

hasa baba
01
12.11.2010, 14:43
Vergeleich mit Antidepressiva?

Sehr interessantes Konzept. Mir fehlt allerdings eine Vergleichsstudie mit Antidepressiva. Der Vergeleich nur mit Placebo ist nicht ausreichend. Immerhin werden die Kosten der Musiktherapie mit 1500 EUR angegeben, eine Behandlung mit Antidepressiva kostet dagegen ca. 120 Euro pro Therapieeinheit (Behandlungsdauer 6 Monate). Aus dem Artikel geht nicht hervor, was die deutlich höheren Kosten der Musiktherapie rechtfertigt.

WoHo
31
12.11.2010, 13:13
Musik wirkt eigens zu diesem Zweck komponiert :: dann am besten, wenn man sie zum ersten Mal hört

da werma aber viel neue Musik brauchen..

meine bescheidene Meinung
- Das Frequenzspektrum ist mir (auch als Dipl.Ing.) herzlich wurscht.
- Wirklich gute Musik nützt sich nicht ab und es läßt sich darin immer wieder neues entdecken
- schlechte Abspielqualität (zB früher die oftmals gehörten Cassetten am Rekorder) bringt ein gutes Stück - von einem guten Interpreten vorgetragen - nicht um, hingegen bringt keine Referenzanlage, was nicht in Stück bzw. Herzblut des Interpreten steckt

Herr Ablassend
00
18.11.2010, 11:13

Das war Ihnen jetzt aber schon sehr wichtig, daß sie Ihren Dipl. Ing. da hineingeschrieben haben, gell?
Weil das für dieses Thema ja so relevant ist, gell?

Darius Minor
01
12.11.2010, 13:04
Na echt ur-innovativ.

Ein [quote]szepzielles Abspielgerät[/quote], das unkomprimierte Audiofiles abspielen kann, heißt bei frueheren Generationen "CD-Player", und davor sogar "Plattenspieler".

FraKrawa
42
12.11.2010, 12:31
wär schön, aber

vermutlich war es doch eher die Zuwendung, die diese depressiven Menschen plötzlich erfahren haben, und die Verbesserung der Befindlichkeit bewirkt hat, aber dafür gibt man keine Gelder aus, es muß immer ein Forschungsprogramm, eine Therapie sein, damit die sonst arbeitslosen Doktores nicht die Illusionen über ihre Wichtigkeit verlieren

WeltenBrand
00
15.11.2010, 11:40
aus eigener erfahrung heraus

reicht reine zuwendung nicht, um aus einer depressiven phase rauszukommen - das ist ja auch der grund, warum depressionen auch für das persönliche umfeld eine schwere belastung darstellen, da man zwar zuwendung gibt, aber sich keine änderung/verbesserung zeigt.

ich war zwar (im nachhinein gesehen - währenddessen bekommt man das nicht mal richtig mit) auch froh über zuwendung, aber geholfen hat dann die therapie.

Diversion
16
12.11.2010, 12:59
depression ist eine krankheit

und nicht eine erscheinungsform von mangelnder zuneigung.

FraKrawa
02
12.11.2010, 13:09
ich habe geschrieben

Zuwendung, nicht Zuneigung, und jede Krankheit ist eine Erscheinungsform von etwas, bei vielen Krankheiten weiß man, wovon, bei etlichen Krankheiten, wie Depressionen, weiß man es nicht, so sehr man sich auch bemüht, so zu tun, als täte man es

Tethys
01
15.11.2010, 09:22

Es gibt bereits Studien, die zeigen, dass die Krankheit der Depression ein Zusammenspiel aus hormonellen und neurologischen Ursachen ist. Mit "Zuwendung" kommen Sie bei der Behandlung einer Depression nicht weiter, da sie die Ursache nicht ergründet. Verwechseln Sie auch bitte nicht "Verstimmung" mit Depression.

standardabweichung
015
12.11.2010, 09:59

ich würde eher sagen musik ist sex für die ohren

Mu Seek
02
14.11.2010, 15:12
ohrgasmus :)

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